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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-29 · Heft 44 (29.10.1855) · p. Seite 559

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 44 (29.10.1855)
Date
1855-10-29
Page
Seite 559 (sequence 3)
Language
German
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559 istruzione domestica e delle scuole da Marco Mortara, rabbino maggiore degli Israelin di Mantova. Mantova, 1855. Dieses tu Katechismusform abgcsaßre Compendium (232 S.) der israelitischen Religion unterscheidet sich gar sehr von seinen deutschen Brüdern, und wir stehen nicht an, dem italienischen Werke vielfach den Vorrang einzuräumen. Die deutschen sogenannten Rcligionsbüchcr find sämmtlich bei der von Johlson eingeführten Weise stehen geblieben. Ob das Eine eine mehr orthodoxe Richtung eingcschlagcn, das Andre einige rabbinische Vorschriften weniger eingeschoben — darauf kommt eS am Ende nicht an. Wesentlich bewegen sie sich in demselben hergebrachten Kreise: Lehre von Gort, Pflichtcnlehre in bekannten Unterabtheilungen mit Bibelversen versehen. Das vorliegende Cvmpendio har seine Aufgabe höher gestellt: cs sucht die ausgestellten Lehrsätze in philosophischer Weise zu begründen, es strebt besonders die Naturbctrachtung mit der religiösen Anschauung in Einklang zu bringen. Es ist bekannt, daß bei unseren italienischen Glaubensgenossen von früh an der Streit zwischen Orthodoxie und Rationalismus heimisch war, d. h. daß bei aller Glaubensinnigkeit doch eine rationalistische Richtung und Bildung frühzeitig vorhanden war, und gerade in dem Streben, Beide zu versöhnen, findet daS Compendio seinen Charakter. In 7 0 Capiteln wird vom Menschen, Körper und Seele, den Kräften der Seele, den Eigenschaften Gottes, von der intcUcctucllcn Vervollkommnung, von der moralischen, von den Zehngeboten, der Bibel und dem mündlichen Gesetze, dem äußern Cultus, dem täglichen Gebete, den Segensprüchen, den Festen u. s. w., den Speisevcrbotcn, den Vorschriften, die aus der Erkenntniß Gottes fließen, über die früheren Opfer und das Priesterthum, von der mosaischen Gesetzgebung (Civil- und Criminal-), der Harmonie der Dogmen und religiösen Vorschriften, der Harmonie der biblischen Geschichten mit dem Dogma und der Moral, von der Unveränderlichkcit der Religion, von Palästina, von der spärern Entwickelung der Dogmatik, von der Harmonie der neuern kosmischen Theorien mit der Schöpfungsgeschichte, von der Prophetie, den Wundern, dem Studium der Religion, den Hauptquellen des Judenthums, d. i. der Bibel, der Tradition, den alten Commentatoren gehandelt. Diese Ueberficht giebt dem Leser einen Begriff von dem Reichthum des Inhalts. Indeß können wir uns mit Vielem, was darin ausgesprochen ist, nicht übereinstimmend erklären, Vieles ist aus überwundenen Gesichtspunkten betrachtet. Wir werden Gelegenheit nehmen, abscitcns dieses allgemeinen Berichts, darüber uns auszulassen.*) Nachdem der Leser uns so nach England, Amerika und Italien gefolgt ist, bitten wir ihn, auch einen kurzen Abweg nach Holland zu machen. Wenn wir ihm hier so wenig zu bieten haben, so erachte er es nicht als unsre Schuld. Während wir von den meisten Erzeugnissen der ausländischen jüdischen Presse freundlichst sowohl Kunde als Exemplare erhalten — etwas, was nicht mehr als billig, da die deutsche jüdische Presse stets bereit ist, über jene zu berichten, was bei den Auswärtigen hinsichtlich deutscher Werke so selten der Fall ist — geschieht dies Seitens unsrer holländischen Brüder höchst selten; und haben wir seit langer Zeit zum ersten Male wieder ein holländisches Buch vorlicgen. Es ist dies eine holländische llcbersctzung des bekannten bN-isr rnneres von Rabbi Mcnachcm Man ben Salomo Halevi. Diese ursprünglich jüdisch-deutsch, 1743 geschriebene Geschichte von der Zeit der Zerstörung Jerusalems war allerdings mehr Volksbuch als ein Muster der Historiographie, und entspricht den jetzigen Anforderungen nicht mehr. Indeß ist eine angemessene Bearbeitung für das Volk noch immer von Werth. Die Ucbersctzung ist von Herrn L. Goutsmit, Azn. zu Amsterdam, der auch schon eine Ucbersctzung der israelitischen Fraucngebctc gegeben; bei den vielen Mängeln des Werkes war es aber eine höchst günstige Zugabe, daß Herr E. I. Polak, der rühmlichst bekannte Schriftsteller, eine Menge von Anmerkungen hinzufügte, in denen er Berichtigungen, Auseinandersetzungen und Bemerkungen namentlich literarischen Inhalts, aus der ganzen altern und neuern Literatur giebt. Gewundert hat cs uns, daß Keiner der beiden Herren Bearbeiter cs unternahm, die Geschichte bis jetzt sortzuführen, wodurch cs für die Leser neuen Werth bekommen hätte. So endigt es mit 5529 (1769). — Gelangen wir nun zu den Schriften in hebräischer Sprache. Wir haben hier insonders die Arbeiten dreier Autoren voranzustellen: der Herren Dr. Jellinek, Senior Sachs, und M. E. Stern. Von dem erstern heben wir zuvörderst den dritten Theil des „Bet-ha-Midrasch oder Sammlung kleiner Midraschim und vermischter Abhandlungen aus der ältern jü- *) Vor Kurzem erschienen auch zwei Hefte von Luzzatto's italienischer Ucbersctzung des Jesaias, dieselben sind uns noch nicht zugckommcn. 44

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