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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-22 · Heft 43 (22.10.1855) · p. Seite 555

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 43 (22.10.1855)
Date
1855-10-22
Page
Seite 555 (sequence 11)
Language
German
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555 den-Emancipation. Es scheine gar zu hart und ungereimt, einer VolkSclasse, aus deren Mitte der oberste Municipalbeamte der größten Stadt des Reichs gewählt werden kann, den Genuß der vollen Bürgerrechte vorenthalten zu wollen. Die politischen Einwande gegen die Juden-Emancipation bedürfen keiner Widerlegung mehr. Man könne den Juden weder Mangel an gesunder conservativer Gesinnung noch an jenen bürgerlichen Tugenden des Fleißes und der Friedensliebe vorwerfen, als deren höchste städtische Belohnung die vom Alderman SalomonS erlangte Ehrenstelle gilt. Die hartnäckigste Opposition komme von jener Seite, wo man den politischen Liberalismus, der die Gleichberechtigung aller Secten fordert, für gleichbedeutend hält mit religiösem JndifferentiSmuS. DaS sei nun eine grundfalsche Ansicht. Man vergleiche die Gesellschaft des 19ten mit der deS 18ten Jahrhunderts, und man werde einen Ungeheuern sittlichen Fortschritt entdecken. Weit entfernt, das religiöse Gefühl zu beeinträchtigen, habe die Toleranz unserer Zeit dasselbe gestärkt und geläutert. Man könne dreist behaupten, daß eine kirchliche Renaissance, eine Wiedergeburt und großartige Hebung deS OffenbarungsglaubenS stattgefunden hat. Die allgemeine Richtigkeit dieser Wahrnehmung werden in England nur Ultraprotestanten und Zeloten anderer Secten bestreiten wollen. Die Times zählen darauf die ungeheuren Summen auf, welche für neugebaute Kirchen auSgegeben sind und welche die kirchlichen Vereine jetzt gegen früher vereinnahmen, und schließen daraus, wie sehr diejenigen faseln, welche von der Gefahr einer Entchristlichung Englands als Folge einer consequenten Durchführung deS PrincipS der Religionsfteiheit sprechen. (Nichts schien unS von jeher auch erbärmlicher als diese Furcht vor dem Häuflein Juden, und darum konnte uns auch diese Furcht nur — erheuchelt erscheinen, um mit Augenverdreherei den Haß zu beschönigen und schwache Gemüther zu übertölpelnl Redact.) London, 8. October. (Eingesandt.) Meine Aufmerksamkeit ist auf die Rr. 37. Ihres vortrefflichen Journals gelenkt worden, in welchem ich einige Bemerkungen, datirt Hamburg, Betreffs unsres letzten AufenchaltS in Jerusalem, finde. Indem ich Ihre Liebe zur Wahrheit kenne, beeile ich mich. Sie in Kenntniß davon zu setzen, daß eS eine Erfindung ist, wir seien wegen eineS Besuches der Moschee von Omar ercommunicirt worden. Nicht ein Wort ist über diesen Gegenstand gefallen, obgleich ich in täglichem Verkehr mit den geistlichen Autoritäten war. Ich bitte Sie, diese Entgegnung in eine der nächsten Nummern einzurücken, und zeichne rc. H. Guedalla. Wir nehmen diese Erwiederung gern auf; indeß spricht sich Jew. Cbron., also daS Londoner Blatt, ebenfalls über die Unzufriedenheit aus, die Sir MoseS Montefiore diesmal in der jüdischen Bevölkerung des heiligen Landes zurückgelassen habe, eine Unzufriedenheit, die wir dem Sir MoseS sicher nicht zum Vorwurf machen, und welche daS Jew. Chron. dem Sir MoseS auch zur Ehre rechnet. Wir hatten Briefe aus Jerusalem schon vor der Ankunft deS Sir MoseS alldort, welche mit seinen verlauteten Absichten sehr unzufrieden waren, wir sagten kein Wort darüber, um nicht abermals verleumdet zu werden. Warum veröffentlichen die Herren aber keinen Bericht? Wir erwarten dies mit Bestimmtheit. Die Redaction. —. Herr Sylvester ist zum Professor der Mathematik in Woolwich ernannt worden. — Herr Barnet Joseph hat 5000 L. St. zu Werken der Barmherzigkeit hinterlassen. — Rußland. Warschau, 9. October. Der Finanz, Präsident LenSki hat kürzlich zwei Juden in seinen BureauS angestellt, waS hier unerhört ist, aber nur eine Folge davon ist, daß keiner seiner Beamten der Geschäftsführung gewachsen ist, da man in neuester Zeit daS System angenommen hat, für alle nicht ganz subalterne Stellen die Beamten auS Petersburg zu schicken. Anzeigen. Eine mit 100 Thlrn. Preuß. Crt. firen Jahresgehalt nebst der sogenannten Schechita, Wohnung, Heizung, Mittag- und Abendlisch besoldete Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters, Schächters rc., der die 2lpprobation unseres Landesrabbiners erhalten muß, ist kommende Ostern “p'N "rf"i in unserer Gemeinde zu besetzen. Hierauf Reflectirende wollen ihre desfallfigen Zeugnisse vortoftei an uns einsenden. Plau in Mecklenburg, den 8. October 1855. Der Vorsteher der hiesigen isr. Gemeinde. N. Elkan. I. A. Cohn. S. Goldschmidt.

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