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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-22 · Heft 43 (22.10.1855) · p. Seite 554

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 43 (22.10.1855)
Date
1855-10-22
Page
Seite 554 (sequence 10)
Language
German
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554 Prag, 10. October. (Privatmitth.) Für heute einige bunte Nachrichten. DaS Siechenhaus der Babette Edl. v. Lämel geb. DuscheneS ist bereits in der Franzjosephstadt angekauft. Hingegen hat Herr Stadtrath D. B. Frankl, Besitzer des Franz- Joseph-Kreuzes und Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde, ein ärarisches Gebäude in der Stadt angekauft, ohne daß er besonders darum einkam und zwar deshalb, weil die Statthalterei in Prag für denselben einschritt. ES ist sonderbar genug, auf der einen Seite steht daS provisorische Gesetz vom 3. Oktober 1853 noch in voller Kraft; auf der andern Seite will der Staat jetzt zur Hebung der Finanzlage einen Credit mobilier und foncier gründen; er will die Staatsdomainen verkaufen, und wer sind die ersten Konkurrenten? — zwei Juden. Rothschild und Pereire. ES ist keine Frage, daß der Güterbesitz in Oesterreich einen außerordentlichen Aufschwung erhält, wenn der Jude Güterbesitz haben darf. — Herr Kalmann Lieben, Actuar der frommen Brüderschaft, giebt so eben das erste Heft Grabschristen, 150 an der Zahl, heraus. ES geschieht dies bekanntlich auf Veranlassung deS Herrn A. Cohn in Paris. 7000 Grabschriften befinden sich auf dem Gottesacker. vr. Schmelkes, ein Prager, Direktor des k. sächsischen Spitals in Teplitz, erhielt den AlbrechtSorden. Eben so hört man, daß Herr Adam Pollak, k. k. Le, derfabrikant, in Paris den Preis erhalten soll. Er erhielt bereits den Preis auf den Industrieausstellungen zu London, München und New-Aork. Großbritannien. London, 1. Oktober. Der Alderman SalomonS ist von den wahlberechtigten Mitgliedern der City- Corporation einstimmig fürs kommende Jahr zum Lord-Mayor erwählt worden. In seiner Dankrede spielte er, gewiß in taktvoller Rücksicht, nur sehr entfernt auf fein religiöses GlaubenSbekenntniß an, um der City nicht ein Verdienst auS ihrer Toleranz zu machen, die so ganz dem Geiste des Jahrhunderts entspricht. „Ich kenne, sagte er, die volle Verantwortlichkeit dieser hohen Stellung und weiß die besonderen Verhältnisse, die bei meiner Erwählung obwalten, wohl zu würdigen.... Es find nun zwanzig Jahre, seit ich zum Sheriff von London gewählt wurde. In diesem Zeiträume hat nicht nur England, sondern auch ganz Europa gewaltige Veränderungen erlebt, doch waren diese sämmtlich eher Beweise des Fortals des Rückschritts. Ich hoffe, wir werden zur Ueberzeugung gelangen, daß der Wunsch, unsere alten Institutionen zu erhalten, mit den Rechten des Volkes und der Freiheit deS Gewissens sich wohl in Einklang bringen lasse. Seien Sie versichert, daß ich mein Möglichstes thun werde, mich Ihres Vertrauens würdig zu zeigen." Mr. SalomonS ist ein stattlicher Mann, wohl über 60 Jahre alt, ein guter Redner, aber leider etwas schwerhörig. Er besucht wohl an hohen Festtagen die Synagoge, gehört aber nicht zur orthodoxen Gemeinde. — Wir haben dieser Wahl eben nur einen negativen Werth beizulegen. Die Wahl ist keine weitere Auszeichnung, als Herr SalomonS durch feine Wahl zum Alderman bereits erhalten hatte, da die Wahl zum Lordmayor nach der Anciennelät zu gehen pflegt. ES hat die Wahl also nur den Werth, daß die Citywähler um deS Glaubensbekenntnisses wegen keine Ausnahme von der Regel gemacht haben. Dennoch erregt die Wahl in Ländern, wo das Amt eines Bürgermeisters von Krähwinkel für ein viel zu wichtiges, in der Schale deS Staats- und VolkSglückeS und der Weltgeschichte zu schwer wiegend angesehen wird, um eS einem Juden anzuvertrauen- Ungeheuern Aerger, den wir ihnen auch herzlichst gönnen. — Die Magd. Zeit, schreibt darüber: „Am Sonnabend wurde der Alderman SalomonS zum Lord-Mayor von London erwählt, der erste Jude, welcher die Würde eines Königs der City bekleidet. SalomonS war vor zwei Jahren von der Stadt Greenwich ins Unterhaus geschickt worden, er suchte den Eintritt zu erzwingen, weigerte sich, den Eid auf den wahren Glauben eines Christen zu leisten, und wurde als Eindringling zu einer Geldstrafe verurtheilt. Eine süße Rache: SalomonS schwingt daS Scepter der City, und Rothschild, der gleichfalls eines Sitzes im Senat nicht würdig befunden wird, borgt der Regierung sechszehn Millionen, damit sie den Kampf für Civilisation fortführen könne." ES ist dies keine „Rache" sondern — gerechte Vergeltung, die niemals auSbleibt, weil — ein Gott die Welt regiert! —. An die diesjährige Lord-Mayors-Wahl knüpft die Times eine lebhafte Befürwortung der Ju-

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