Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1855)
- Date
- 1855-10-22
- Page
- Seite 553 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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553 innere oder äußere Hindernisse nicht in Jerusalem zu Stande kommen sollte, oder daß der Fall eintreten würde, wo sie sich auflösen möchte, so ist das Capital zu gleichen Theilen an die Gemeinden von Wien und Prag, Geburtsstadt der Stifterin, zu geben und die Percente werden in folgender Weise als Stipendien zu je 70 Fl. vertheilt, an s) 4 Studirende der Rechte, b) 4 Studirende der Medicin, e) 4 Techniker, d) 4 bildende Künstler, e) 4 RabbinatScandidaten, k) 4 Lehramtscandidaten, g) 4 LehramtScandidatinnen, h) 2 Synagogensänger und i) dem Secretair der Gemeinde für die Mühewaltung. Auf diese Stiftungen, mit Ausnahme der letzteren, haben Anspruch zunächst Verwandte (die den Namen Lämel, DuscheneS, Knina, Blau tragen oder von diesen Familien abstammen, und zwar selbst wenn diese getauft sein sollten, nämlich sub s, b, c, d.), dann die in Wien und Prag gebürtig find, endlich alle, die den Namen Israels tragen. Sollte in einem Jahre das eine oder das andere Stipendium erledigt sein, so ist das Geld nicht aufzufparen, sondern soll ad s. und b. als Rigorofumbeitrag, ad c. und d. als Reisebeitrag, bei den übrigen als Einrichtungsbeitrag an Personen, die sich dem betreffenden Stande widmen, gegeben werden. Der Stiftungsbrief ist Sr. Majestät dem Kaiser bereits unterbreitet und es waltet kein Zweifel ob, daß die allerhöchste Sanction erfolgen wird. Der Stiftungsbrief ist ausgefertigt „am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers am 18. August 1855." ES ist ein angeerbter Patriotismus, wofür der sel. Vater der Stifterin in den erbländischen Adel erhoben wurde. Nicht uninteressant dürfte eö Ihnen sein, zu erfahren, daß diese hochherzige Frau nicht nur ein edleS, für das Judenthum begeistertes Gemüth besitzt, sondern daß sie auch in vorzüglichem Grade geistige Gaben hat. Daher kam eS auch, daß, als Frau Herz noch in Prag wohnte, die besten Geister, die hervorragendsten Männer sich in ihre Salons drängten. Und so bildete ihr HauS gleichsam einen Brennpunkt der bedeutendsten Capacitäten. — AlS besonders glücklich halten wir eS, daß der Dichter L. A. Frankl zu dieser Mission ausersehen wurde. Frankl ist nicht bloS Dichter, hängt nicht nur inniglich mit seinem Volke zusammen, dessen Wohl ihm am Herzen liegt, — Frankl ist auch sehr praktisch. Wenn er die Dinge mit eigenen Augen anschauen wird, wird er gewiß nichts unbenutzt lassen, waS die Intentionen der Stifterin fördern kann. Möge eS ihm gelingen, das Werk, an dem er sich geistig so sehr betheiligt, wachsen und gedeihen zu sehen. — Allerdings dürfte auch Frankl noch eine andere Ausbeute aus dem gelobten Lande mitbringen. Es werden die berühmten Plätze Sinn und Phantasie des Dichters erfüllen und nach Jahrhunderten werden wir wieder von einem Dichter unseres Volkes die Gesänge Zions vernehmen. Frankl geht von hier im Jänner weg, und zwar ist die Reiseroute über Griechenland und Konstantinopel, um einen Ferman zu erwirken, von da nach Smyrna, Beiruth über den Libanon. Von Libanon nach Damaskus und Jerusalem und von da über die Wüste Cairo nach der Landenge von Suez über daS rothe Meer nach dem Sinai. — Es finden sich bereits Votivgegenstände von Vereinen, Frauen rc. ein. Ein Maler unseres Volkes, der zumeist in Rom lebt, Herr Leopold Pollak hat bereits ein Geschenk für die Kinderbewahranstalt bestimmt; doch ich lasse seinen Brief an Frankl, dessen Cousin er ist, zum Schluffe folgen. „Theuerster Vetter! Jerusalem! der Nil! die Pyramiden! der Sinai! welche Namen, welche große Erinnerungen. Du wirst alle diese Stätten der Menschheit sehen. Sehen mit dem Auge des Dichters. Du Glücklicher! Wenn ich mit könnte und malen, was Du besingst. Damit aber auch von mir ein kleines Denkmal im gelobten Lande in der Schule sei, die Dir durch den hochherzigen ftommen Sinn unserer Landsmännin in Jerusalem zu gründen gegönnt sein wird, so übersende ich Dir ein großes Oelgemalde: „der betende MoseS", welches bisher im Besitze meines VaterS war und daS er mit mir als Votivbild für den neuen Lehrsaal in der ewigen heiligen Stadt spendet. Ich kehre bald auch in eine andere ewige Stadt, nach Rom, zurück und rufe Dir ein herzliches, brüderliches Lebewohl zu. Auf Wiedersehen, und zwar noch diesseits. Wenn Du in Griechenland, daS Du doch auch sehen wirft, den Olymp besteigst, so grüße mir den leuchtenden Gott Apollo und die schönen Musen. Jehova wird es verzeihen, wenn Dichter und Maler neben ihm andere Götter haben. Lebe nochmals recht wohl, der Himmel geleite Dich. Dein Leopold." 43