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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-22 · Heft 43 (22.10.1855) · p. Seite 552

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 43 (22.10.1855)
Date
1855-10-22
Page
Seite 552 (sequence 8)
Language
German
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552 Dieselbe Humanität der Behörden findet auch bei den Soldaten statt. Die jüdischen Soldaten, die hier in Garnison liegen, bekommen vom Generalcommando die Erlaubniß, an den hohen Festtagen den jüdischen Gottesdienst zu besuchen. An den letzten Feiertagen marschirten 120 Mann auf, die in drei Bethäusern (Tempel, Musikverein und Filialbethaus Leopoldstadt) vertheilt waren. Der Vorstand gab auch in früherer Zeit den Soldaten einen Beitrag, um Pessach und die trs-ns Koscherkoft zu genießen; nachdem aber Mißbrauch damit getrieben wurde, so hat man eS unterlassen. In Betreff der Verstorbenen, so werden sie auf dem Gottesacker ohne alles Entgelt» begraben. Es bestehet hier bekanntlich eine Leichenordnung und die Armen gehören zur vierten Classe, die unentgeldlich ist. Keinesfalls würde man eS hier aber zugeben, daß die Cadaver an eine anatomische Anstalt geliefert werden sollen. — Selbst im hiesigen jüdischen Spitale werden Sectionen nur in den nothwendigsten Fallen vorgenommen, trotzdem die Aerzte sich darüber beklagen. ES wurde nämlich die Meinung geltend gemacht, es herrsche beim Juden ein Voruriheil gegen Sectionen und da das Spital eine Wohlthatigkeirsanstalt ist, so wolle man nicht dem armen Juden nach dem Tode die Wohlrhat verkümmern. Es ist unnöthig, zu bemerken, daß man beim Besuche dieser Strafanstalten die mannigfachsten psychologischen Studien machen kann. ES liegt da offen daS Buch der menschlichen Leidenschaften; es giedt da Romane und Tragödien, wie sie in solch ergreifender Wahrheit selten ein Dichter beschreibt. Vielleicht kommt einmal die Zeit, wo eS mir gestattet ist, manches mitzutheilen, für jetzt sind die Dinge noch zu frisch, zu grün. Was die Sträflinge betrifft, so muß ich es sagen, daß sie mit vieler Theilnahme beim Gottesdienste sind und mit besonderer Aufmerksamkeit den religiösen Vortrag anhören. Sie sind wenigstens während des Momentes sehr empfänglich. Ein Moment ist es, der übrigens allen gleich nahe stehet, und daS ist die Familie. Man braucht diesen Punkt nur zu berühren, und ich kann gewiß sein, daß ich vom Schluchzen unterbrochen werde, die Thränen stellen sich als ungebetene Gäste ein. Ihr Betragen im Ganzen ist sehr befriedigend. Von vielem Interesse ist für mich eine Dankadresse, die mir die Sträflinge am letzten Pessachfeste übergaben. Sie ist sehr gut stylifirt und hat einen Einband von Brot und Stroharbeiten, wie sie in den Strafhäusern üblich ist. ES wird auch darin dem Vorstande gedankt. Im nächsten Winter soll das StrafhauS hier aufgehoben und die Sträflinge nach Stein in Oberösterreich versetzt werden. Die Behörde wünscht es, daß auch dort den Mischen Sträflingen von Zeit zu Zeit gepredigt werde; doch ist die Frage, wie dies möglich werden wird. Ich schließe mit dem Wunsche der weisen Veruria doch so lange dies nicht der Fall ist, mögen die Regierungen ja nicht aus den Augen lassen, daß die Criminale nicht bloS Strafhäuser, sondern auch Besserungsanstalten fein sollten; es darf daher kein Moment außer Acht gelassen werden, was die Besserung herbeiführen kann und gewiß ist die Religion dabei nicht das letzte. Wolf. Wien, 11. October. (Privatmitth.) Ich komme heute nochmals auf meinen jüngsten Bericht zurück in Betreff der Stiftung der Frau Herz geb. Edl. v. Lämel. Im Vorhinein muß ich bemerken, daß diese besonders wohlthatige Frau überhaupt ihr Augenmerk auf die Bildung und Erziehung der Kinder im zartesten Alter richtet und daher Kinderbewahranstalten aufs Nachdrücklichste zu kräftigen sucht. So hat sie der Prager israelitischen Kinderbewahranstalt, deren Vorsteherin sie ist, der nur sehr spärliche Mittel zu Gebote stehen, 6000 Fl. gegeben, und eben so stiftete sie hier zwei Betten mit 4800 Fl. für israelitische Kinder im Kinderhospital der Kaiserin Maria Anna. Im Vereine mir ihren fünf Geschwistern gab sie zum Andenken an ihre sel. Mutier 20,000 Fl., zusammen 120,000 Fl., zur Begründung eines Armenhauses der israelitischen Gemeinde in Prag. Eben so belheiligte sie sich am Baue des hiesigen Tempels mit einem Capitale von 8000 Fl. Dabei übt sie in wahrhaft edler Weise im Stillen viel Edles und Wohlthätiges. Die Kinderbewahranstalt in Jerusalem wird unter dem Schutze Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich stehen, der den Titel führt: König von Jerusalem. Die hiesigen Vertreter sind die Curatoren dieser Anstalt, so wie es auch ihnen anheim gestellt fein wird, die 50,000 Fl. in 4‘/20/o Mtl. zu verwalten^ — Für den Fall, daß diese Kinderbewahranstalt durch

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