Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1855)
- Date
- 1855-10-22
- Page
- Seite 550 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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550 Bei der hier abgehaltenen Philologen-Versammlung waren von fremden Orientalisten nur wenige! und von jüdischen gar keine anwesend. Daran ist vielleicht daS Zusammentreffen mit den jüdischen Feiertagen schuld. Leipzig, 11. October. (Berichtigung.) Der Bericht in Nr. 41. Ihres Blattes über den hiesigen neuen israelitischen Tempel ist ein Rärhsel, dessen Lösung Andern überlassen wird: es wurde kein einziger Manncrplatz für 12 Thaler verkauft, der Tempel war fast überfüllt, die Sulzer'schen Gesänge wurden vom Chor mit der Versammlung gesungen, man hörte deutsche Lieder bei der Todtenfeier, vor und nach der Predigt, und jedes Wort des Predigers wird in dem äußersten Winkel des akustischen Gebäudes verstanden. ES kamen übrigens nicht bloS „Zuschauer", sondern auch Zuhörer, die selbst in einem minder schönen Gebäude sich drängten, um die Predigten deS Gemeindepredigers zu hören, der wie jeder Redner es nicht liebt, tauben Ohren zu predigen. Hätte Ihr Referent die Kol-Nidre-Predigt deS Herrn Dr. Jelllnek gehört, so würde er einige heilsame Lehren über --in -pcb vernommen haben. Leipzig, 12. Oetober. (Privatmitth.) Den meisten Ihrer Leser dürfte eS vielleicht unbekannt sein, daß Leipzig nicht blos seine Waaren nach allen Weltgegenden sandle, sondern auch die lernbegierige jüdische Well mir hebräischen Büchern versorgte. Polen, Russen, Deutsche und auch Türken machten bis in den letzten Messen ihre Einkäufe hebräischer Druckwerke hier auf dem Drübl. und man konnte den Umsatz dieses Artikels auf mehrere Tausend Thaler jährlich anschlagen. AUmählig aber schwinden die hebräischen Folianten und Ouarlanren, die Erzeugnisse der alten hebräischen Officinen von Venedig, Mantua, Ferrara und Konstantinopel vom hiesigen Platze, so daß diese letzte Michaelismcsse kaum 100 allhebräische Werke hier zu haben waren; eine traurige Erscheinung für den Lireraturfreund, dem eS fast unmöglich geworden, selbst für Geld hebräische Bücher zu erlangen. Der Plan des Herrn Böhmer in Berlin, eine ordentliche hebräische Buchhandlung zu errich ten, ist daher mit Freuden zu begrüßen und verdient die Unterstützung aller Förderer der hebräischen Literatur. — Die Messe bringt auch literarische Plane zu Markte. So weilen hier Edelmann aus England und S. Sachs ans Berlin; Ersterer ist im Besitze werthvoller Copien aus London und Orford und geht damit um, sie nach und nach zu veröffentlichen , und Letzterer, ein scharfsinniger Gelehrter, bereitet die Herausgabe des 9. TheilS „leerem Chemeil“ vor. Leider lebt er in sehr trüben Verhältnissen, und ihn aus der Ferne mit Geld unterstützen (seine Adresse: Berlin, verlorner Weg, Nr. 9.), heißt ein gutes Werk üben und ihm die Möglichkeit gewähren, auf geistigem Gebiete nützlich zu sein! Leipzig, im October. (Privatmitth.) AuS authentischer Quelle kann ich Ihnen mittheilen, daß Se. Majestät der König bei Ihrer Rückkunft von Leipzig nach Dresden im trauten Familienkreise von der Schönheit deS neuen israelitischen Tempels in Leipzig viel erzählte und den Minister Zjchinsky aufforverte, bei dessen nächstem Verweilen in Leipzig ja nicht zu versäumen, das schöne Gebäude zu besichtigen. Dies ist auch bereits geschehen, und der Juftizminister bemerkte bei dieser Veranlassung, daß die königliche Regierung die besten und ehrenvollsten Berichte über die Leipziger Gemeinde und deren Verhältnisse habe. UebrigenS strömen von der Umgegend alle Landleule nach dem neuen Tempel, der gewiß dazu beitragen wird, das in dem größten Theile Sachsens herrschende Ideal eines Juden, aus der polnischen Perspective betrachtet, zu zerstören. Auch dürfte die Nachricht nicht ohne Interesse sein, daß nach der Einweihungsrede dem Prediger Dr. Jellinek vom Kreisdirector Freiherrn v. Burgsdorff im Namen der Regierung gratulirt wurde, und daß der Präsident des AppellarionsgerichtS nach derselben einer jüdischen Frau vier Wochen Gefängniß erließ. Der Ruf des neuen Tempels lockte einen bedeutenden Kunsthändler Berlins hieher, um eine herrliche, in Farbendruck auSgeführte Abbildung des Tempels und dessen hervorragender Bestandtheile in sechs Tafeln zu veranstalten, nach der Zeichnung deS Architekten Simonson, der in einigen Tagen nach Petersburg reift, und begleitet von einem ausführlichen Terte, den der Prediger der Gemeinde liefern soll. Preußen. Berlin, 15. October. DaS K. Ober-Tribu- | nal hat in diesen Tagen entschieden: daß alle Be-