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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-22 · Heft 43 (22.10.1855) · p. Seite 548

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 43 (22.10.1855)
Date
1855-10-22
Page
Seite 548 (sequence 4)
Language
German
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548 sei, da nach §. 19. deS JudenedictS vom 10. Juni 1813 die Juden zum Detailhandel nur zugelaffen werden können, wenn derselbe mit ordentlicher Buchführung betrieben wird, eine ordentliche Buchführung aber eine ordnungsmäßige kaufmännische Vorbildung und Befähigung voraussetze, welche zum Betrieb des LandkramhandelS mit offenem Laden nicht erforderlich ist. (N. W. Z.) Welch' eine Interpretation! Hamburg, 12. October. (Privatmitth.) Ungeachtet der gehäuften Festtage ist diesmal hier doch bis aufs Letzte in allen unseren Bethäusern der Gottesdienst stark besucht gewesen, im Tempel auch von den Damen. Ich erinnerte mich einer Replik, die ein Freund von mir einmal einem Bekannten, seines Zeichens ein christlicher Mystiker, gab, als dieser auf die sreidenkenden Juden raisonnirte. Ach, sagte er, wie wohl wäre Euch, wenn Eure orthodoxen Christen nur so viel CultuS übten» wie unsere freidenkenden Juden! Wir haben auS unserer Gemeinde einen Mann verloren, dem sie, als Corporation betrachtet, in Bezug auf Verwaltung, mehr als irgend Jemandem zu danken hat. ES war der ehemalige Vorsteher Adolph Embden. In den Jahren 1812 bis 23 war ec der Haupt-Werkmeister bei der Institution und Organisation unserer Gemeinde, die bekanntlich die deutschisraelitische heißt. Die Verfassung, die Geschäftsordnung, daS Steuerregulativ, die Stellung zum Senat, die Einrichtung des Armenwesens, die Reform der Talmud - Thoraschule, die Stiftung des Tempels — bei allen diesen Acten war er ungemein wirksam; und obgleich diese Wirksamkeit längst — auch bei ihm selbst wohl — vergessen war, so hat er doch wohl diese wenigen Zeilen der Erinnerung verdient. Die Times haben neulich einen längeren Aufsatz der Betrachtung gewidmet, wie jetzt, nachdem dem überwiegenden russischen Einfluß in der Türkei auf lange Zeit, vielleicht auf immer die Flügel gebrochen seien, nvlhwendig aller Einfluß, alle höheren Stellen, aller Großhandel den Griechen zufließen müsse, weil diese in richtiger Erkenntniß, über alle sonstige Proportion hinaus, europäische Bildung und Wissenschaft in den Hochschulen und sonstigen Lehranstalten des Westens suchen. Sie weisen dabei auf die unausbleibliche Gefahr hin, die hieraus dem Westen erwachse. Hier aber entsteht für uns Juden, noch mehr aber für die türkische Regierung, die dringendste Aufforderung, unfern nur einstweilen vertagten Plan, türkische Judenknaben in Europa zu erziehen, wieder aufzunehmen und eifrig zu betreiben. Daß derselbe Zweck auch erreicht werden könne, indem man Schulen in Konstantinopel u. s. w. errichte, dies im Ernste zu glauben, ist ein Utopismus, dem jetzt wohl kein Denkender weiter nachhängen wird, und die beste Widerlegung liegt in dem Umstande, daß die Pforte selbst nicht glaubt, anders vorwärts zu kommen, als indem sie — die Zeitungen berichten es — 300 ihrer Angehörigen zur Erziehung nach Frankreich und England schickt. Vielleicht ließe sich darauf hinwirken, daß von diesen 300 etwa der sechste Theil aus jüdischen Knaben bestehe! Daß die türkische Regierung politisch handeln würde, wenn sie ihre jüdische Bevölkerung durch Erziehung dahin brächte, daß sie künftig einen großen Theil ihrer Beamten auS ihnen ziehen könnte, liegt auf der Hand; und jedenfalls würden sie ihr mit unbegrenzter Treue ergeben fein. Wie merkwürdig, wenn der alte Wettkampf zwischen Griechen und Juden sich auf diesem unparteiischen Boden erneuerte! Es wäre ein auferstandenes Stück alter Geschichte, mit der Ergeruhümlichkeit, daß, wenn freilich das Salz der Juden in der Türkei entsetzlich dumm geworden ist, sie hingegen auch keinen Fallmerayer haben, der ihnen ihre ächte Abkunft streitig macht. Mit Recht wurde neulich in diesen Blättern die selbftlobige Aeußerung bestritten, die Musik sei eine jüdische Kunst; doch nur in so fern, als von den heutigen occidentalifchen Juden — die orientalischen stehen ganz außer der Frage — die Rede ist. Denn so lange wirkliche Musik nur ausnahmsweise den jüdischen Cultus regelt, so lange bürgerlich feste musikalische Anstellungen als Stadtmusikanten, Organisten, öffentliche Gesanglehrer, Capelldirecroren und dergleichen für uns so gut als gar nicht eriftiren, so lange wird die Musik auch bei uns kein volksthümlicheS Gemeingut werden, so lange wird jedes Judenkind, das etwas Anlage spürt, nur auf den Meyerbeer und auf die Viardoi-Garcia losstudiren, und so lange wird man auch bei unS viel leichter eine Anzahl Virtuosen finden, als einen ganz gewöhnlichen guten Chor von Schulknaben oder von Tischgästen, die ein gewöhnliches mehrstimmiges Lied

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