Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1855)
- Date
- 1855-10-22
- Page
- Seite 547 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225975--14903-3300597- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
547 Befehl des Moses freudigen Muthes allen Goldes und Schmuckes entkleidet, um das AUerh eiligste des Allerhöchsten auszuschmückcn; das ist die göttliche Prophetin Deborah, die jüdische Johanna von Are, die mir einem cdeltzlühcndcn Feuer ihre Brüder entzündet und ste zum Kampfe führt und Ruhme, das ist die heldenkühne Mutter und Märtyrerin, die bei der Marter ihrer Söhne gegenwärtig bleibt und am Ende sich selbst zur Feier Gottes und ihres Glaubens einem schmählichen Tode weiht; das ist die unsurchtsamc, ritterliche Königin, die voll Verachtung gegen das über ihrem Haupte schwebende schrecklich drohende Gesetz hingeht, dem Zorn des Herrschers die Stirne zu bieten und Israel zu befreien von den mörderischen Rasereien eines Haman. Judith raubte dem Feinde des jüdischen Volkes das Leben, nicht das Gold... Sie sehen nun, daß Sie mit Unrecht den erhabenen Titel der Jüdin auf die Heldin Ihrer Geschichte herabgezogen haben. Für Sie, mein Herr, bezeichnet Jude — Habbegierde, Geiz, Durst nach Gold und Herz von Kupfer, Herz von Erz. O, wie sehr Sic sich täuschen! Jude, das ist der Mensch, der Gort, den Schöpfer der Welt, zuerst erkannt und angebetet hat, der Mensch, der da ist der erstgeborene Sohn der Cultur und der Stifter der Humanität, der Mensch, der für die Wahrheit alle Märtyrcrlciden und Erniedrigungen ausgcstanden hat, der Mensch, der heute noch um seiner Ucberzcugung willen duldet und der nur einige Tropfen Wasser anzunehmen brauchte, um von allem Unglück erlöst zu sein und das Silber, das Gold zu ftndcn, das Ihrer Meinung zufolge seine Seele und sein Leben ist. Es ist an Ihnen, mein Herr, das Ucbel gut zu machen, das ihre Bemerkungen hervorgcrufcn haben mögen. Die Verleumdungen und Angriffe gegen die Juden berühren weder die Rothschilde, noch die Foulde, weder die Mcyerbeerc, noch die Rachels; aber sie schlagen grausame Wunden dem Armen und Schwachen, der für das bessere Schicksal einiger glücklicheren Religionsgenosscn büßen muß. Begreifen Sie nun, warum ich Ihnen gegenüber , wie Sie behaupten, so schlimm gewesen bin? — Ich werde cs nicht mehr sein, wenn Sie mit der Loyalität, die Ihnen zur Zierde gereicht, die Gerechtigkeit meiner Beschwerde werden anerkennen; wenn Sie nach dem Beispiele gewissenhafter Schriftsteller die Gunstbezeugungen einer gewissen Popularität verachten, der Schlange muthig den Kopf zertreten und in Sachen der Religion ebenso die Unduldsamkeit bekämpfen werden, wie Sic in Sachen der Künste und schönen Wissenschaften die Lüge bekämpfen." — Magdeburg, 15. Oktober. Das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur. Mit dem 1. Oktober haben wir die Liste der Subscribentcn geschlossen; wir find jetzt beschäftigt, dieselbe alphabctarisch zu ordnen und dem Drucke zu übergeben, worauf ein Eremplar jedem Subscribenten zugcsendet wird. Wir werden in der nächsten Nummer dieser Zeitung einen Bericht über die Theilnahme geben. Die Prüfung der übersandten Manuscripte, so wie die Verhandlung betreffs solcher, die nicht cingesandt, aber doch zu erlangen waren, hat mehr Zeit gekostet, als wir voraussctztcn. Außerdem kamen noch andere Hinderniffe hinzu, von denen wir die langdauernde Cur des Redactcurs dieser Zeitung, die Erbauung, Einweihung und Cultuseinrichtung der Synagoge zu Leipzig, welche den Herrn vr. Jellinek so sehr in Anspruch nahmen, erwähnen wollen, dann der Fcstmonat, der jüdische Geistliche völlig in Beschlag nimmt, insbesondere aber die gewissenhafteste Erwägung, gerade das erste Mal mit Gediegenstem aufzutrelcn, um dadurch dem Institute einen dauernden Bestand zu schaffen — alles Dies macht es uns möglich, erst binnen Kurzem mit der definitiven Bestimmung der zu liefernden Schriften zu Ende zu kommen. Indem wir in Berücksichtigung alles Dessen die Geduld der Subscribenten in Anspruch nehmen müssen, geben wir zu bedenken, daß es bei so wichtigen Dingen und bei der Verantwortlichkeit, die auf uns Dreien ruhet, aus einige Monate länger nicht ankommen kann. Binnen vierzehn Tagen werden wir die zum Druck kommenden Werke bekannt machen können. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, im Oktober. Ein neuerliches Ministeriell-Rescript spricht den Grundsatz aus, daß der Betrieb deS Landkramhandels den Juden untersagt 43*