Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1855)
- Date
- 1855-10-22
- Page
- Seite 546 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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54K abhängigen Schriftsteller die Pflicht, uns in Schutz zu nehmen gegen diese Kränkungen, niedcrzukämpfen das Vorurthcil, aufzuklären das Volk und näherzurücken die Zeit der Mündigwerdung, Brüderlichkeit und Liebe, deren ruhmgeschmücktes Palästina zu werden unser edelmüthiges Vaterland ersehen ist. (?) Wohlan, mein Herr, Sie scheinen, ich bedaure, das Geständniß machen zu müffen, gerade das Gcgentheil zu thun I Sie sprechen wie von Hermio ne. Lesen Sie gefälligst die beiden Stellen in den llniverg isrselite von 1854. Seite 188. und 201. und Sie werden die Meinung des Hauptredacteurs jenes Blattes über die berühmte Tragödie erfahren und sich überzeugen, daß es keineswegs der Seelen g ei st ist, der uns gefangen hält. Die Lebensbeschreibung der Rachel verräth hingegen von Ihrer Seite Vorurtheile, die wenig würdig find Ihres Charakters und Ihres gebildeten Geistes. Auf der Seite 7. lassen Sie die Familie Fclir „ „die tausend unbeschreiblichen Dinge verkaufen, welche denTrödelsack der herumziehenden Juden zusammense tze n." " Verkaufen denn die herumziehcnden Juden andere Waaren als die herumziehenden Christen? und in den unzähligen fremden Buden, die gegenwärtig unsere Boulevards versperren, können Sie die jüdische Kinderpuppe von dem katholischen Polichinell unterscheiden? — Weiter unten sagen Sie: „„Ueberdies bemächtigen fich die Juden heutzutage noch so verschiedener anderer Stellungen und Lebensläufte. Jemand von unendlich feinem Geiste ließ unlängst in unserer Gegenwart die Worte fallen: — nur Eins befremdet mich, daß nicht ein Jude Erzbischof von Paris ist."" — Sie werfen meinen Glaubensgenossen vor, fich der Stellungen zu bemächtigen. Wünschten Sie dieselben noch in Judengassen eingesperrt, entfernt von allem gesellschaftlichen Leben, ausgeschlossen von jeder öffentlichen Pflicht, verurtheilt, vom Wucher und Schacher;u leben und, einerlei, mit welchen Mitteln, ansehnliche Summen aufzutreiben, um ihrer Unterdrücker Gier zu sättigen und der Mächtigen Lastern eine schmähliche Nahrung zu verschaffen? — Wenn die Juden hervorragende Stellungen erlangen, waS beweiset das? Das beweiset, daß sie fähig find, daß sie den Verstand und das schöne Verdienst besitzen und daß die tausendjährigen Verfolgungen selbst nicht im Stande waren, sie zum Thiere herabzuwürdigen oder daS göttliche Feuer und die sittliche Freiheit in ihnen auszulöschen, welche den wahrhaften nach dem Ebenbilde des Ewigen geschaffenen Menschen bilden. Aber kann man gegen die Juden in den Stellungen, welche sie dem Vertrauen des Landes und ihrem Fleiße verdanken, die geringste Beschwerde führen? Mit Recht empören Sie fich gegen die Liebe zum Gold, an der eine jüdische Schauspielerin, Namens Rachel, leidet; aber warum sprechen Sie nicht auch von jenem Juden, der nach 1848 Finanzminister, seinen Staatsgehalt abgelehnt und seinem Vaterlande Zeit und Vermögen aufgeopfert hat? Warum sprechen Sie nicht in der Lebensbeschreibung des Theophilus Gautier davon, daß Mires, der, um diesem Schrittstcller zu helfen, ein bedeutendes Opfer brachte, nicht minder dem israelitischen Cultus angehört? — Auf der Seite 44. bemerken Sie weiter: „„Hermione ist Jüdin in der ganzen raubbegierig-metallischen Bedeutung, welche man gewöhnlich diesem Worte giebt."" Von wem ist diese gehäsfige Bedeutung dem Worte gegeben worden? Von der dummen blödsinnigen Bosheit, von jener pöbelhaften Unduldsamkeit, die ehedem unsere heiligen Bücher mit Füßen getreten hat und heute noch sich unseren Namen zu besudeln Mühe giebt. Sie jedoch, mein Herr, Sie sollten es wenigstens wissen, daß in keinem menschlichen Stamme jemals die Wohlthätigkeit und der Edelmuth so weit getrieben worden sind als in dem Stamme der Israeliten, und daß der Jude der größte Verschwender ist in der Welt, eingedenk dessen, daß er Sohn ist der Könige und abstammt von der königlichen Dynastie Davids und Salomons. Nun aber — „Adel verpflichtet" (nohlesse oblige). Endlich erzählen Sie ein deliciöses Anekdötchen. Die berühmte Künstlerin ist von einer krankhaften Mattigkeit angegriffen; die Aerzte finden kein Mittel, dieser trüben Abspannung entzegenzuwirken, aber die väterliche Zärtlichkeit inspirirt den Vater Felir mit einer wunderbar glücklichen Idee: — er stellt vor der Tochter Augen das Kästchen mit Gold und Geschmeide, dessen Anblick die Kranke fteudig erzittern macht, ihre Blicke wieder beseelt und ihre Wangen färbt. „„Der Jnstinct der weiblichen Koketterie hat einigen Theil an ihrer Freude, — doch die Jüdin vor Allem, die Jüdin ist außer sich."" Wissen Sie denn, mein Herr, was eine Jüdin ist? Das ist jenes milde. Gaben spendende, tugendhafte Weib, das der königliche Sänger besungen hat, die sanfte heilige Trösterin, deren Arm fich dem Dürftigen entgegenstreckt und deren Hand fich dem Unglücklichen öffnet; daS ist jenes ftomme, gottergebene Weib, das sich auf den