Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1855)
- Date
- 1855-10-15
- Page
- Seite 543 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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343 Am Ende der Jeschuboth Dunasch (S. 107.) ist auch die deSfallfige Verkaufsbcscheinigung beigedruckt, in der Jsaac ben Jekutiel bezeugt, diesen Codex für vier polnische Gulden im Jahre 1592 an „Juda, Sohn von dem Haupte der Aerzte, Moses Maor Katon Frrystadta" verkauft zu haben. — Unbegreiflich ist cs uns auch, warum der Herausgeber (Nr. 134.) Aron Rose den Beinamen Maor Katon giebt; in Nr. 295., wo nochmals von diesem Aron Rose die Rede ist, wird wirklich nichts von diesem erstrndenen Beinamen erwähnt. — Was Rapoport im „Wiener Jahrbuch" (S. 316.) über den Namen Maor Katon sagt, beweist, daß dieser Gelehrte noch immer bei historischen Untersuchungen mehr gesuchten Conjccturen als den einfachen Thatsachen nachspürt. Auch was er (ibiil. S. 317.) über Chalfon bemerkt, ist falsch; denn diese Familie kam nicht von Frankreich nach Wien, sondern von Italien, wo 1550 Elia, Sohn des Aba Mair Chalfon in Venedig die Arzneikunde ausübte (Respons. von M. Jscrlcs dir. 56.). Sein Sohn Aba M. Chalfon, der sich zuerst als Corrector in einer hebräischen Buchdruckerei auszeichnete, reiste nachher nach Wien, wo er sich als Arzt niederließ. In den Inschriften Nr. 19.. 51., 84., 88. und 106. muß statt Abraham Jtingen oder Jtiug, Ab. Oettingen gelesen werden. Von diesem „großen Vorsteher", wie er in seiner Grabschrift genannt wird, besitzen wir einen handschriftlichen Stammbaum. Er war kaiserlicher Hvfacivr, sehr reich und sehr wohlthätig; jedoch reich ohne Stolz und wohlthätig ohne Geräusch. Er suchte seinen Ruhm weder in Ehrentiteln noch in prunkenden Diplomen, und seine Grabschrift nimmt nicht fast drei Druckseiten ein, wie die von Nr. 346. und 424., aber er setzte sich ein Denkmal in der Erziehung seiner Kinder, die sich als gelehrte Aerzte und weise Rabbiner ausgezeichnet haben. Abraham Spitz (Nr. 376.) war der Schwiegervater von Abraham Jossa (Nr. 430.). Die Freigebigkeit Beider wird vom Verfasser des Sera Abraham gelobt, dessen Grabschrift unter Nr. 678., ohne genaue Angabe seines Namens, sich ebenfalls hier befindet; er hieß „Abraham, Sohn Moses Kelin, der Deutsche." — Nantava (Nr. 178.) war der Name einer gelehrten Familie in Prag, der Joseph Nantava und sein Sohn Juda, Verfasser der Schrift „Kol Jehuda", angehörte. — Der deutsche Theil dieses Merkchens ist die Arbeit des im Gebiete der Poesie wohlbekannten L. A. Frankl. Nachdem der Verfasser die Entstehung vorliegender Arbeit erzählt, gicbt er erläuternde Notizen zu einigen Grabschristen. Wir haben bereits seine Bemerkung zu Maor Katon berichtigt. Zu Nr. 673. schreibt er die Fabel über Saul Katzencllenbogen nach; und um die falsche Angabe des Verfassers von Gedulath Schaol zu bestätigen, verändert er den Namen Naftali Wohl, ein Familienname, der noch jetzt in Frankfurt a. M. allgemein ist, in Naftali Wal. Wol ist aber die polnische Ueberfetzung von Schor, Ochs, der Name einer berühmten Familie in Polen, welche sich mit Saul Katzcncllcnbogen durch Heirath verbunden und ihn unter ihrem eigenen Familiennamen in die Gesellschaft eingcführt hat, so daß auch ihm der Dlame Wol geblieben. Jrrthümlich wurde über die Inschrift Nr. 339. und Seite XVII Sanvel oder Samuel Bachrach gesetzt, während im hebräischen Terte Meier Bachrach steht. Widersprüche dieser Art, die sich am wenigsten in einer Schrift, die mit „diplomatischer Genauigkeit" abgcfaßt sein soll, finden dürften, find hier nicht selten. So hat die Ueberschrift zu Nr. 216. den Namen Juda Locb Kremfir und der Tert Chajum Cohen; zu Nr. 307. Jacob, Sohn des Zebi Hirsch Brody, hat die Ucberschrift Moses, Sohn Gerson. Dieselbe Verschiedenheit zwischen Tert und Ueberschrift bemerkt man auch in Nr. 473. und 512; bei der Grabschrift Nr. 247. wird sogar ein Mann in eine Frau verwandelt!! Der Raum dieser Blätter und der an sich trockene Gegenstand erlaubt uns nicht, eine Verbesserung aller fehlerhaft gegebenen Namen hier beizufügen und die Daten der Sterbejahre zu berichtigen. Unwillkürlich wurden wir bei Lesung dieser Schrift an eine wohlbekannte Anekdote erinnert, die wir bei aller Achtung vor dem Verfasser doch nicht unterdrücken können. Zwei Gelehrte besuchten nämlich einen Kirchhof, um Grabschristen zu copiren. Ucber die Inschrift eines ihnen wohlbekannten Mannes singen sie laut zu lachen an, und sagten: „Alles ist hier falsch, nur das Datum scheint richtig zu sein." Ein Vorübergehender, der ihr Lachen bemerkte, rief ihnen zu: „Meine Herren, Sic lachen gewiß über das Datum dieser Grabschrift, dessen Jrrlhum allgemein bekannt ist." E. Carmolh. Anzeigen. Die israelitische Gemeinde zu Sülze in Mecklenburg- Schwerin wünscht zum bevorstehenden -ps? einen Religionslchrer zu engagiren, der zugleich Vorbetcr und Schächter ist. Geeignete, unverheirarhcrc Bewerber wollen sich in pvrtofteien Briefen an den Vorstand wenden.