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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-15 · Heft 42 (15.10.1855) · p. Seite 540

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 42 (15.10.1855)
Date
1855-10-15
Page
Seite 540 (sequence 8)
Language
German
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540 37. der Allg. Ztg. d. Jud. „die Ergebnisse einer fast vierzigjährigen Erfahrung zu Markt", wofür ihm gewiß jeder Ihrer Leser dankbar ist. WaS derselbe in Betreff der portugiesischen Aussprache deS Ebrüischen sagt, ist theoretisch gewiß vollkommen richtig. Doch ist dabei ein anderes Bedenken: wir haben nirgends wegen Ueberfülle unserer Tempel und Synagogen, außer an den hohen Festtagen, zu klagen gehabt. Macht man den Gottesdienst fremdartig und das wird er, wenn die Aussprache geändert wird, so kennt sich das Publikum im Gottesdienste nicht auS und eS ist daher zu fürchten, daß man auch denjenigen den Besuch deS Gotteshauses verleidet, die blS jetzt dasselbe am fieißigsten besuchten. Ich glaube mich auch zu erinnern, daß Herr Prediger Dr. Frankfurter in einem mündlichen Gespräche mit mir äußerte, die portugiesische Aussprache hindere gar oft den Eintritt neuer Mitglieder zum Tempel. — Man könnte allerdings in der Religionsschule beim Unterrichte deS Ebraischen die portugiesische Aussprache anwenden, an welchem Gottesdienste sollte aber dann die Zugend Theil nehmen? Ein praktischer Rath in dieser Beziehung wäre von besonderem Bortheile.*) Wien, 1. Oktober. Die „Schles. Ztg." schreibt: „Der 29. September war sür Oesterreich ein bedeutungsvoller Tag. Der gesammte RechtSzustand trat in einen neuen Wendepunkt. Die Reorganisation sämmtlicher Justiz - und Verwaltungsbehörden ist vollendet, nachdem die neuen Behörden in Galizien, wo die Organisation zuletzt durchgeführt wurde, mit diesem Tage ihre Wirksamkeit begonnen haben. Von nun an werden alle Staats-Angehörigen in allen Gerichts- und Verwaltungsfragen nach gleichen Gesetzen, vor gleich organifirten Gerichten und Behörden ihr Recht suchen." — (Auch wir Juden find hierbei sehr interessirt, da, wie in diesen Blättern früher aus Ungarn mehrfach besprochen worden, damit auch in Ehesachen u. dgl. das allgemeine Recht, so weit eS Anwendung findet, gilt, mehr noch aber um deS allgemeinen Rechtsbegriffs wegen. So ist *) Wir müssen uns der Meinung unsres geehrten Wiener Correspondenlen anschließen; z. B. hier in Magdeburg wäre die Einführung der sogenannten portugiefischen Aussprache ganz unmöglich, so daß wir uns ihrer um dessenrwillen nicht einmal auf der Kanzel bedienen. Redact. denn abermals ein Schritt weiter zur Verwirklichung des großen mosaischen Lehrsatzes „EinRecht für Alle" gethan. Redact.) —. Nach den letzten statistischen Ausweisen beläuft sich die Zahl der jüdischen Bevölkerung iu der ganzen Monarchie auf circa l Million Seelen. In Oberösterreich, Kram, Kärnthen, Salzburg, Steiermark, Tyrol wohnen keine Juden. (Also viel mehr, als die Angaben bis jetzt lauteten — bekanntlich lieben es die Statistiker, die Zahl der Juden geringer anzugeben! Redact.) Wien, 3. October. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen aufs Neue von einer großartigen Stiftung zu melden, die hier von der Frau Herz geb. Edlen v. Lämel gemacht wurde und zwar hat Herr Dr. L. A. Frankl das Verdienst, die Sache angeregt und zu Ende geführt zu haben. Diese hochherzige Frau bestimmte nämlich 50,000 Fl. C.-M. in 4'/r pCt. Met. zur Gründung einer Kinderbewahranstalt in Jerusalem für jüdische Kinder, zugleich aber sollen in dieser Anstalt eine beschränkte Anzahl christlicher und muhamedanischer Kinder ausgenommen werden. Die SriftungSurkunde ist ausgestellt „am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich am 18. August 1855." DaS Geld ist bereits im Hause Rothschild deponirt. Die Stifterin ernennt darin die jeweiligen Vertreter, die auch daS Geld empfangen werden, als die Curatoren dieser Anstalt. Dem Dr. Frankl ist jedoch eine berathende Stimme dabei Vorbehalten. Letzterer wird auch im Laufe des Winters eine Reise nach Jerusalem unternehmen, um die Kinderbewahranstalt inS Leben zu rufen. Für den Fall, daß diese Stiftung nicht auSgeführt werden könnte oder daß sie durch Verhältnisse unterbrochen werden müßte, so fällt daS Geld zu gleichen Theilen den Gemeinden Wien und Prag als fromme Stiftungen zu. Die Stiftung wird den Namen tragen: „Simon Edl. v. Lämel'sche Stiftung". — DaS Nähere hierüber behalte ich mir für meinen nächsten Brief vor. Herr Salomon DrandeiS-WeikerSheim hat daS Erequatur als Viceconsul für Großbritannien erhalten. AuS Galizien, 7. October. (Privatmitth.) ES ist Ihnen bekannt, geehrtester Herr Redakteur, daß die neue österreichische RorarialSordnung vom 21.

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