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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-15 · Heft 42 (15.10.1855) · p. Seite 539

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 42 (15.10.1855)
Date
1855-10-15
Page
Seite 539 (sequence 7)
Language
German
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539 der sonstigen Parteistellung — entschlossen sein, nur solchen Männern ihre Stimme zu geben, welche darüber keinen Zweifel lassen, daß sie für die Ausführung insbesondere der Artikel 12. und 15. der Verfassung im Sinne der Freiheit und deS Rechts wirken werden. (Der Artikel hätte nicht sagen dürfen „die ihrer Ausführung noch harrenden", sondern: „die in ihrer Ausführung und Geltung rückgängig und ungültig gemachten". —) Berlin, 3. October. (Privatmitth.) DaS spinöseste Gebiet bei den Deutschen bleibt stets das religiöse, und mag die Politik sein welche sie wolle, sobald man daS Religiöse berührt, wacht der Deutsche auf. So ergeht eS jetzt wieder in Berlin. WaS auch in den letzten Jahren geschehen, eS war Alles voller Frieden. Aber mit Nachdruck wurde das Kirchliche hervorgehoben, eine Strenge des kirchlichen Regiments drohete, daS staatliche Leben wurde vielfach dem kirchlichen untergeordnet — da regt eS sich, und Freund und Feind vereinen sich. Dem entgegenzutreten. Mit nur geringer Ausnahme sind die Berliner Wahlmänner entschlossen, nur solchen Candidaten die Stimme zu geben, welche die bürgerliche Gleichheit aller Glaubensparteien, insonderS auch der Juden nach §. 12. und 15. der Verfassung zu ihrem Panier machen. Ja, man hat den Dr. Veit, trotzdem er ein Gothaer ist, weil (psrceque, non quoique) er ein Jude ist, auf die Wahlliste gestellt, und er hat viele Aussicht, gewählt zu werden. Auch die Bethman-Holweg'sche Partei hat sich für die Ausführung deS §. 12. der Verfassung ausgesprochen, und so eben auch die katholische durch den Pfarrer Thissen in Cöln. Alle diese glücklichen Anzeichen einer Contrereaction werden doch Etwas bedeuten! Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 26. September. (Privatmitth.) So ist denn auch der Versöhnungstag vorüber, der Tag, der in diesem Jahre in doppeltem Sinne zu den trwtt tr»-' gezählt wurde. Indessen eS ging Alles gut vorüber, die Cholera ist im Abnehmen. — Ich gebe Ihnen heute nichts als zusammengewürfelte Neuigkeiten. Die Mauern deS neu zu erbauenden Tempels erheben sich bereits aus der Erde. ES geht allerdings den Leuten viel zu langsam her; aber „eS lassen sich nicht Regimenter aus der Erde stampfen" und eben so wenig kann man über Nacht einen solchen Bau ausführen. Die Zeiten von dem „Jsch chosfid", von dem die Sage berichtet, sind vorüber. ES dürfte vielleicht Ihre Leser interesfiren, zu erfahren, daß daS Eisen zu dem Tempel von der Eisengießerei deS Erzherzogs Albrecht geliefert wird. Die Predigerangelegenheit kommt bereits nach den Feiertagen zur Verhandlung. Um vollständig zu sein, bemerke ich, daß 29 Candidaten find und nicht, wie ich jüngst angab, 28. Für die ausgeschriebenen Cantorstellen und zwar für die erste sind 12, für die zweite 7 Candidaten. Unter den ersteren befindet sich auch der Sohn des Herrn Sulzer. Derselbe war eine Zeit lang Cantor in Frankfurt a. M. und hat während der letzten Festtage im Filialbethause im Mufikverein fungirt, und zwar zur vollen Zufriedenheit VeS Publikums. ES ist daher keine Frage, daß der junge Mann sehr viele Chancen für sich hat. Nach einer Verordnung deS Unterrichtsministeriums darf kein Lehrer in der Monarchie mehr angestellt werden, der zugleich Schächter ist. Es besteht hier ein Antithierquälereiverein und eS sind Preise für Lehrer, die ihre Schüler über diesen Gegenstand mit Erfolg belehren. Es muß sich sonderbar ausnehmen, daß ein Lehrer die Kinder belehrt, kein Thier zu quälen, dabei aber in aller Gemüthlichkeit den armen Tbieren den Hals abschneidet. — Ich hoffe, daß diese Maßregel zur Uebung deS Lehrerstandes unter den Juden beitragen werde. ES verträgt sich nicht Eines mit dem Andern. — *) Wie ich so eben auS Prag vernehme, wurde dem Herrn Stadtrath D. B. Frankl, der viele Verdienste um Prag hat, die auch bereits von Sr. Majestät dem Kaiser anerkannt wurden, gestattet, ein ärarischeS Gebäude in der Stadt auf eigenen Namen kaufen zu dürfen. Ebenso hat derselbe sich eine Villa in Podova bei Prag auf eigenen Namen angekauft. Zum Schluffe noch eine kleine Bemerkung. Ihr geistreicher Correspondent in Hamburg bringt in Nr. *) Dies ist sehr richtig für große und mittlere Gemeinden; kleine hingegen können nicht zwei Beamte besolden, und es giebt unter diesen viele, welche, wenn sie keinen Schochet brauchten, auch keinen Lehrer hielten. Redact.

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