Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1855)
- Date
- 1855-10-15
- Page
- Seite 538 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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533 benbetlocalen zu Gunsten der letzteren entschieden worden, da derselben viele auch diesmal bestanden. Der sogenannte Hamburger Tempel war aber so gefüllt, wie nur je früher, und leidet dessen Fortbestand keine Frage, um so mehr, da der Vorstand, namentlich Herr MagnuS aus Berlin, sich um denselben wahrhafte Verdienste erwirbt. Aus Anhalt, im October. (Privatmitth.) ES ist eine alte Mähre, Sage, Sentenz, oder was Sie wollen: wir Juden feien sehr klug, schlau, oder was Sie wollen! Und von den Juden in Dessau gilt dies seit längster Zeit. Jndeß muß diese „Klugheit" unS längst abhanden gekommen fein, denn bewährt haben wir sie seit langer Zeit nicht mehr. Bekanntlich eristirte hier seit 1799 eine höchst renommirte jüdische Schule. Sie ward von jüdischen Jünglingen für arme Kinder gestiftet, bald bei schönen Resultaten auch für bemittelte erweitert, dann vom regierenden Herzog mit — 300 Thlrn. und einigen Maltern Holz dotirt, und man pries sich glücklich, daß sie zugleich als „Herzogliche Franzschule" betitelt ward. Fünfzig Jahre blühte die Schule, und wirkte unendlich Gutes für die Israeliten bis nach Odessa hinein. Aber das Jahr 1848 verrückte den ganzen Standpunkt 0er Schule. Für den Titel und die Dotation ward der Schule die Selbstständigkeit genommen, man machte sie zur paritätischen „Handelsschule", man gab ihr einen christlichen Direcror, mehrere christliche Lehrer — deren sie allerdings, aber nur als HülfSlehrer immer welche gehabt — man entfernte das jüdische Element gänzlich aus dem eigentlichen Schulplan, so daß man nur einige Religionsstunden für die, noch immer in der Mehrzahl vorhandenen hiesigen und fremden jüdischen Schüler bestimmte. Die „klugen" Juden klatschten Beifall. Jetzt aber?... läßt man einen jüdischen Lehrer nach dem andern aussterben und abtreten, und ersetzt ihn nicht wieder durch einen Juden. Der Lehrer Bacharach ist gestorben — hat man ihn durch einen Juden ersetzt? Der Lehrer Arnheim ist quieScirt, hat man ihn durch einen Juden ersetzt? Jetzt sind an dieser ehemals jüdischen Schule »ur »och zwei jüdische Lehrer — während sonst immer wenigstens fünf — der sehr verdiente, aber hochbetagw Herr I. Louis und der würdige Herr Dr. Gustav Philippson. Der Erstere kann doch nur noch wenige Zeit fungiren — wird man ihn durch einen Juden ersetzen?.... Aus welcher Seite ist da die „Klugheit"?.... Preußen. Magdeburg, im October. (Privatmitth.) So find denn abermals die heiligen Feste durchfeiert und durchpredigt, und wir können mit Befriedigung auf viele schöne und erhebende Stunden zurücksehen. Die Gemeinde freute sich, ihren erprobten Geistlichen so gesundet aus dem Bade zurückgekehrt zu sehen, daß er mit ausgezeichneter Kraft sein Lehramt vollzog, und begeistert und begeisternd jeden Tag der Feste mir seinem Worte belebte. Der Gesang der deutschen Lieder vor und nach den Predigten und bei der Todtenfeier aus dem Philippson'schen „kl. israel. Gesangbuch" wurde gut ausgesührt. Ganz besonders tiefen Eindruck machte aber zu Col-Nidra, als nach der Lcbemone Lsreli das Lied Nr. 19.: Stille Nacht ist um uns her. Droben strahlt der Sterne Heer, Aus des Lebens Kamvfgcwühle Zog zur Ruh' der Wesen Fülle — Hehre Ruh', Kämest Du Wirklich allen Müden zu? rc. re. von einem Quartett bei lautloser Stille im dichtgedrängten großen Tempel in der schönen Compofition des Gesanglehrers Herrn Seltner — im Gesangbuch steht dieselbe nur zweistimmig — vorgetragen wurde, nach dem letzten Verse daS anknüpfende Wort deS bewegten Redners anhob. — Wie schade, daß das religiöse Bedürfniß der Mehrzahl der jetzigen Juden mit den Festen erlischt, um erst nach einem halben, bei anderen nach einem ganzen Jahre wieder zu erwachen. Berlin, im October. Die V. Z. enthält folgenden Artikel: Wie es scheint, dürften die ihrer Ausführung noch harrenden Artikel der VerfaffungSurkunde über die Unabhängigkeit der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte vom religiösen Bekenntnisse in den diesmaligen Berliner Wahlverhandlungen zur Erörterung kommen und vielleicht von praktischem Einflüsse werden. ES soll nämlich in den verschiedenen Wahlkreisen eine nicht unerhebliche Zahl von Wahlmännern — ohne Unterschied deS Glaubens und