Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1855)
- Date
- 1855-10-15
- Page
- Seite 537 (sequence 5)
- Language
- German
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537 Wind treiben wollen — ist das eine Kunst, daß sie, die in gar keiner roo mehr fitzen, an der Szukkah des Leviathan keinen Gefallen mehr haben, welche Kalir für den zweiten Tag rvoo so köstlich beschrieben hat? Haben da jene Herren nicht Reckt, wenn sie sich in ihrer tiefsten „Ucberzeugung" gekrankt, in ihrem „Gewissen" beunruhigt fühlen? Was können sie dafür, daß sie eine so weitschichtige „Ueberzcugung" haben, daß der ganze Leviathan darin Platz hat, und ein so zartes „Gewissen", daß cs erzittert, wenn man nur irgend ein kleines Piutchen von etlichen vier Folioseitcn und darüber wie “J3H72 r.pat *o oder dergleichen ihnen nehmen will?.. Nein, sie können nichts dafür, und darum nehmet es ihnen nicht übel, wenn sie schreien und toben und sich wie unsinnig gcberden! Zn diesen Tagen arbeiteten wir eine große Abhandlung Franz Arago's „über das Gewitter" durch (im 4. Dte. der sämmtl. Werke, deutsche Ausg.). So reichhaltig das Material ist, welches hier zusammengetragen: so ist cs doch merkwürdig, wie wenig die Kenntniß, ja selbst die Beobachtung dieses so häufigen Phänomens vorgeschritten ist, daß diese Arbeit fast an die yuaest. Natur, von Scncca noch anknüpft. Gleich im ersten Capitel verzweifelt Arago, eine richtige Definition von Gewitter zu geben, und die er selbst giebt, ist in der That wenig charakteristisch. Er führt auch die Definition im Dictionaire der französischen Akademie an, und da fiel uns denn auf, daß diese große moderne Autorität nichts Besseres zu sagen weiß, als was schon der Hebräer in seiner Einfachheit sagte; sie definirt den Blitz, als: „das Feuer vom Himmel, die elektrische Materie, wenn sie mit lebhaftem Lichte und lebhaftem Knalle aus der Wolke hcrvorbricht." Dasselbe sagt uns die Schrift, welche den Blitz L-2DN zrr D«, oder ausführlich yTron VrifittJ 2« 1 Mos. 19, 24. nennt. Jndeß gehen wir etwas tiefer ein. Arago unterscheidet drei Arten Blitze: l) weiße, schmale, scharf begrenzte in Zickzackform, 2) über große Oberflächen ausgcbreitete, nicht scharf begrenzte, gefärbte, 3) feurigen Kugeln gleiche. Bereinigen wir die beiden letzteren, so kennt die Schrift ebenfalls diese zweierlei Blitze, so zwar, daß sie die erstere p-n und r-rn nennt, die zweite 2'72D7r ■{» wer. Es ist nämlich bemerklich, daß p-a öfter mit yn Pfeil parallel zusammcnsteht 2 Schcm. 22, 15., Pf. 144, 6., daß daher pia auch vom Pfeil und Schwert bildlich gebraucht wirb (z. B. Zjob 2V, 25., Zirm. 21, 33.), daß pnrj von dem schnellen Leuchten des Blitzes durch „die Welt" (Ps. 77, 19., 97, 4.) gebraucht wird — nach den neuesten Berechnungen fährt diese erste Art von Blitzen durch den ganzen Horizont binnen Eines Tausendstels einer Secunde'. — ebenso heißt eigentlich Pfeil, und wird da gerade gebraucht, wo hervvrgehoben wird, daß, so unregelmäßig (Zickzack) die Bahn des Blitzes ist, sic ihm doch von Gott bestimmt vorgczeichnet ist Zjob 28, 26. 38, 25. Also die Form, Schnelligkeit und Leuchtkraft find hier hervvrgehoben und bezeichnen p’nn und rm als die vom Naturforscher angenommene erste Art des Blitzes. Hingegen bezeichnet die Schrift die zweite und drille Art durch „Feuer vom Himmel", wobei eine begrenzte Form wcgfällr, und insondcrs die Zündkraft des Blitzes hervortrirr. So 1 Mos. 29, 24., 2 Mos. 9, 23. 24., wo es „inmitten des Hagels zur Erde fährt"; dann; wo es zündet, erschlägt, aber nicht ganz verbrennt, wie bei Nadab und Abihu 3 Mos. 10, 2.; vgl. Zjob 1, 16. — Hier fiel uns noch Eines auf. 4 Mos. 16, 35. erschlägt der Blitz 250 Mann, 2 Kön. 1, 10.—14. wiederholt 50 Mann. Bon so mörderischen, von so ausgedehnten Wirkungen des Blitzes hat man jetzt keine Beispiele. Aber Arago führt mehrere Beispiele aus dem Alterthum an, welche der Bermuthung einige Wahrscheinlichkeit geben, daß die Gewitter seit alten Zeiten an Stärke abgenommcn. Hcrodot erzählt, daß dem Lcrres im Gebiete von Troja in einer Nacht viele Menschen vom Blitze gcrödtet worden; Pausanias, daß in der Zeit, wo das Heer der Lakedämonier unter den Mauern von Arges lagerte, viele Soldaten durch den Blitz erschlagen wurden; Plinius, daß man während des Krieges zwischen Terracina und dem Tempel der Feronia aufzehört, Thürme zu bauen, weil sie alle vom Blitze zerstört wurden. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Leipzig, im Oktober. (Privatmitth.) Der Verfasser des Artikels aus Leipzig in Nr. 41. har offenbar nur eine sehr kurze Zeit im neuen Tempel verweilt, sonst hätte er nicht gesagt, daß daselbst kein Chorgesang staltfand — vielmehr waren die Chöre ausgezeichnet schön, nur freilich, daß sie nicht von Juden, sondern vom Thomanerchor ausgeführr wurden'. Im Uebrigen ist die Eriftenzfrage von Ne-