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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-15 · Heft 42 (15.10.1855) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 42 (15.10.1855)
Date
1855-10-15
Page
Seite 536 (sequence 4)
Language
German
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536 Bibel nicht die Juden selbst an Kenntniß des Hebräischen zu übertreffcn glaubt, ja, sie versichern ernstlich, die Juden wüßten nichts. Aber in der That, die dies behaupten, find unwissend und haben wissenschaftlichen Sinn nicht im entferntesten." — Im Gegensatz zu fol* chen Verächtern hat Scaliger stets das Gute in den jüdischen Schriften zu schätzen gewußt. Er sagt: „Die Juden find, wenn fie jetzt disputiren, sehr fein (subtiles). Wie schlecht hat Justinus Martyr gegen Tryphon, und Tertullian gegen die Juden geschrieben! Es muß sehr geschickt im Judaismus sein, wer die Juden tadeln und widerlegen will; fie legen die Schrift sehr scharfsinnig aus, man muß ihre Bücher lesen, es ist viel Geist darin." — Mit den Juden zu Avignon stand er in freundlichen Beziehungen; fie machten ihn auf Versehen aufmerksam, welche er in der ersten Ausgabe des Werkes de emendat. teoipor. bc^uqlid} der jüdischen Zeitrechnung begangen hatte, und er sprach dies dankbar aus. Sogar während seines römischen Aufenthaltes fand er Zeit und Lust, um mit den Bewohnern des Ghetto gutartige Disputationen zu führen und gewandte Complimente über sein Hcbräischsprechen entgegcnzunehmen. — Wenn nun auch Scaliger Schnitzer machte, so ist doch z. D. seine Abhandlung über die nrraon und ihre Benutzung zu chronologischen Zwecken ausgezeichnet. (S. Dernays S. 123.) — ES war für unS ein zugleich erhebendes und beglückendes Gefühl, als wir die Feste wieder durchprcdigt hatten, daran zu denken, wie es uns, jüdischen Geistlichen, auch jetzt gestattet ist, die reinste, göttlichste Religionslehre zu predigen, ohne anders als auf dem innersten und eigensten Boden des Judenthums zu verweilen, und ohne daß irgend Wer uns sagen darf, so und so, dies und dies hast du zu predigen und zu bekennen. Danken wir unfern Vätern dafür, daß fie sich von keiner Autorität verleiten ließen, irgend einen Glaubenszwang cinzuführen, gewisse Glaubensartikel, selbst als fie ein Rambam aufstellle, als unumstößlich anzunehmen u. s. w. u. s. w. Sorgen wir aber auch dafür mit aller Macht, daß dergleichen nicht auftomme, jetzt, wo einen Theils die Gemeindemitglieder viel unwissender in tlieologicis als die Gemeindelehrer sind, und sich daher leichter von diesen befangen lassen, und wo andern Theils sich theologische Parteien unter uns gebildet haben, von denen die eine und die andere die verräterische Lust hat, günstige Umstände zu benutzen, um polizeilich zu ihren Gunsten einzuschrciten. Es versteht sich, daß wir hier keine Partei ausschließlich anschuldigen, denn mit Recht gab neulich der Fürst in einem Lande, in welchem gegenwärtig die jüdische orthodore Partei den Polizeistab schwingt, einer Deputation die Antwort: „Nun, als frühcr Ihr Reformer die Oberhand hattet, wolltet Ihr den Orthodoren nicht das geringste Zugeständniß machen, und nähmet alle möglichen Zwangsmittel in Anspruch, bis fie aus Euren Synagogen wegblieben. Ihr habt kein Recht, Euch zu beklagen." — Der Fürst hatte Recht, wir haben damals in diesen Blättern oft genug verwarnt, und wir führen dies nur an, um wiederum den Orthodoren zuzurufen, um Alle daran zu mahnen: -si22sr nssao psiE’’ T'S'na spOT „weil du ertränkt hast, ertränkten sie dich, und am Ende die dich ertränkten, werden ertränkt." Durch Nichts macht sich so eben die Neuorthodorie lächerlicher, als durch ihre lärmende Vertheidigung der Piutim. Ich meine nicht jene Schreier in den Berliner „Eingesandts", denn da stecken ja ganz andre Dinge dahinter — aber daß die schreibende Neuorthodorie diese Verthcidigung übernommen hat und Allen den Krieg erklärt, welche die Piutim beseitigen, macht sie wirklich zum Don Quirote. Nicht allein daß die Piutim als Theile des Gottesdienstes das Unsinnigste sind, was je das mittelalterliche Judenthum ausgeheckt hat, und allein aus der asketischen Sucht, recht lange Gottesdienste zu haben, zu erklären find — einen solchen Vernunftgrund darf man diesen Herren gegenüber nicht geltend machen. Sondern daß sich die größten früheren Autoritären schon dagegen erklärt haben, daß in Polen — diesem gelobten Lande jener Herren, wo so viele ihrer vergötterten Minhagim entstanden find — daß in Polen in vielen Gemeinden die Piutim gar nicht gesagt werden, kein polnischer Rabbi sich herabläßt, Piutim mitzusagen, das hätte ihnen doch die willkommene Gelegenheit geben sollen, sich nicht in sich zu spalten und sich mit dem fanatischen Lärmen darum nicht lächerlich zu machen . .. Nun, kämpft nur weiter, und stürzt Euch mit Euren Sancho Pansas in die räuberischen Lämmerheerden, die Euch Eure Chajoth um die vier Seiten des Eislhrones (mrn-na nrn -irrer nvm 121) nehmen wollen; stoßet nieder die Windmühlen, die Euch am Schebuoth den Kampf des Leviathan mit den Behemoth zu Staub vermahlen, und die schönen liebenswürdig gehäuften Engelnamen crban« in den

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