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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-15 · Heft 42 (15.10.1855) · p. Seite 534

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 42 (15.10.1855)
Date
1855-10-15
Page
Seite 534 (sequence 2)
Language
German
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534 men fasset ins Auge, sondern die Forthülfe der bedrängten Familien. Insbesondere nach zweien Seiten hin. Erstens zu Vorschüssen für die kleinen Handelsleute und Handwerker. Solche Vorschußkassen haben sich überall, z. D. in Hamburg und Berlin, tresslich bewahrt. Sic thun mehr Gutes, als alle Almosenkasten. Die Rückzahlungen haben stch überall als durchaus nicht illusorisch gezeigt, sondern die Verluste waren sehr gering. Zweitens, Vereine zu wohlfeilem Verkauf von Lebensmitteln. Daß der Arme in kleinen Quantitäten und wenn die Thcuerung gestiegen, einkaufcn muß, ist sein größter Schaden. Im Großen eingckauft und für den Kaufpreis oder gar absichtlich mit einigem Verluste verkauft — und der Arme hat eine gesegnete Hülfe! Solcher Vereine hat es im vorigen Jahre mehrere gegeben, und an einigen Orten, z. B. Hamburg, haben sie sich bereits wieder gebildet. Wir mahnen herzlich, solche Vereine überall zu errichten. Vorschüsse und wohlfeiler Einkauf der Lebensmittel — und fürwahr! cs ist Großes geschehen für die Bedrängten. Wir find für alle Orten bereit, Berichte über dergleichen Unternehmungen auszunehmen, theils damit dem Verdienste seine Krone werde, theils zur Anspornung nach allen Seiten hin. Wir halten es insonders für die Pflicht der Rabbinen und Lehrer, hierin aller Orten die Initiative zu ergreifen! Wer dritte Jahrgang des jüdischen Valksblattes" hat begonnen. Wir erlauben uns, die Schlußworte unseres letzten leitenden Artikels in Nr. 52. des zweiten Jahrgangs hierher zu stellen. Es war da von einem Marmorbccher aus Jerusalem, gefüllt mit ftischen Blumen, die Rede. „Darf ich nun weiter vergleichen: so erscheint mir dieses „jüdische Volksblatt" auch als ein solcher Becher von Marmelstein aus Judäa, gefüllt mit frischen, duftenden Blumen__ Was wir hier bringen, gekleidet in die schöne, deutsche Muttersprache und ihren farbigen Glan;, find doch nur Erzeugnisse Juda's, seines Geistes, seiner Geschichte, seiner Verhältnisse. Es sind nur Blumen, gepflückt bald auf den Fluren der Vergangenheit, aus Schrift, Talmud, Midrasch, Rabbinen, bald auf den Beeten und Rabatten der Neuzeit. Aber alle haben einen ernsten, bedeutenden Zweck — sie find in den Decher aus Jerusalem gethan. Sie sollen die Kenntnis des Judenthums erhalten, sollen die Freude am Judenthum beleben, sollen die Treue im Judenthum festigen. Das sollen sie. Und wenn wir nicht ganz falsch unterrichtet find, thun sie es auch unter den Bedingungen ihrer Natur und ihres Vermögens. Sie sollen ja nur Blumen sein; keine Grundsteine und Säulen und Capilälcr, keine Lehrsäle und Hallen. Nur Blumen im Marmorbecher aus Juda.... Wohlan, Leser! Wir schließen den zweiten, wir beginnen den dritten Jahrgang. Diejenigen, die sich von uns nicht beftiedigt fühlen, mögen uns verlassen. Aber Alle, welche Gefallen gefunden an diesen Blättern, welche darin „Belehrung und Unterhaltung" suchten und fanden, welche den schonen Zweck derselben zu würdigen verstehen — Alle diese bitten wir, nicht blos uns treu zu bleiben, sondern auch für die Verbreitung zu wirken, neue Theilnehmcr zu werben. Wir fordern Dies, aus dem Zwecke heraus, dessen wir unS bewußt find, und der sehr Vielen ebenfalls Zweck sein sollte. Das „jüdische Dolksblatt" hat eine weite Verbreitung gefunden, es wandert durch alle Länder, bis über den Occan hin — aber doch lange noch nicht die zahlreichen Abonnenten und Leser, die wir erwarteten, und welche unS für unsere treue Mühewaltung durch ihre Theilnahme befricdigen. Dafür können wir aber auch im neuen Jahrgang eine Fülle neuer Arbeiten verheißen, namentlich eine Reihe von gehaltvollen Erzählungen und pikanten Schilderungen, die für die kommenden Winterabende eine eben so angenehme wie lehrreiche Lectüre schaffen werden." Palästina. Der Orient. Unsere Correspondenz aus Wien (s. unten) rheilt uns die Beabfichtigung einer abermaligen großherzigen Stiftung in Jerusalem mit (50,000 Fl. zu einer Kinderbcwahranstalt), eine abermalige dcsfallfigc Reise eines wackern Mannes nach Jerusalem, des Herrn vr. Ludwig Frankl, also eines Dritten binnen Jahrcsftist. Wir hatten Vieles, Vieles aus dem Oriente zu berichten, aber wir unterlassen es vorläufig, weil es eher schaden, als nützen könnte. Wir wenden unsre Blicke vielmehr auf Europa zurück. Ist es bei uns Juden in dieser Angelegenheit nicht gerade wie auf einem weiland polnischen Reichstage? Da faßt der einen Plan und rafft einige Mittel zusammen, dann wieder ein Andrer, ein Dritter, und

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