Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1855)
- Date
- 1855-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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19. Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Iudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HcrauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 15. October 1855. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. MontagS. und wird jährlich 78 Bogen in Quart iacl. des Titel«. Register», u. s. w. um» fasse». In Gemägheit de« Zweckes, derselben die allgemeinste Derbreikuag zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Tblr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Rgr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/a Ngr. (18 g<Sr.j für da« Dietteljabr angesetzt worden. Alle Suchhaudluuge». Postämter und Zeitung« - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspeditiou für beide Letztere hat sich die köuigl. fächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Zum bevorstehenden Winter. — Der dritte Jahrgang der „jüdischen BolkSblatteS". — Palästina. Der Orient. — Aphorismen. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Leipzig, aus Anhalt. Preußen: Magdeburg. Berlin, Berlin. Oester - rcichischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Wien, aus Galizien. Die Schweiz: Ober-Endingen. Literarische Nachrichten: Paris. Leitende Artikel. Magdeburg, 7. October. Im» bevorstehenden Winter. Wenn irgend eine Mahnung uns stets am meisten am Herzen gelegen hat: so war es die, daß jenes schönste Urelement des Judenthums: die thätrge Liebe sich auch in unseren Tagen fort und fort bewähre. Wenn man Etwas der Orthodorie des letzten Jahrhunderts zum wahrhaften Vorwurf machen kann, so ist eS: daß sie alle Vorschriften über Zedakah ugmilath chassadim ohne Bemühung und Gegenwehr in Verfall hat gerathen lassen! Während sie um jeden unbedeutenden Minhag, um jeden vergessenen kiut die Lärmtrommel schlug, während ihr jede Erleichterung am Peßach ein Gräuel war und so fort — dachte sie nicht im Entferntesten daran, das Gesetz vom Maasser (Zehnten) auftccht zu erhalten, und machte ihr die Abschwächung wahrer jüdischer werkthätiger Liebe nicht die geringste Sorge. Wir haben in diesem, wir haben in allen Jahren unsere Meinung ausgesprochen: daß ein kräftigest werkthätigeS Leben der Barmherzigkeit und Liebe in Israel uns das abgefchwächte cnltuelle Leben ersetzen würde, und daß wir erst dann einen Verfall Israels annehmen könnten, wenn auch jenes wahrnehmbar verschwinden würde. Wohlan! die Zeiten der Prüfung sind da. Die Theuerung, mit mancherlei Verkehrsstockungen verbunden, stürzt die Masse der Un- und Wenigbemittelten in ein Meer von Sorgen. Mangel und Entbehrung, Sorge und Kampf grinsen zahllose Familienväter auch in unsrer Mitte an. Selbst da, wo das allgemeine Armenwcsen dem Juden eben so wie dem christlichen Mitbürger offen steht, reicht dessen Mittel kaum für kärgliches Almosen aus, wie viel weniger zu Unterstützungen für Familien hin, die solches anfprechcn weder können, noch wollen. Nun — hier ist Gelegenheit genug, daß die jüdische Barmherzigkeit fich bethätige; hier, wo ohne alle theologische Parteiung der Jude jeder Ansicht sich religiös erweisen kann. Sorget für den kommenden Winter, sorget im Voraus dafirr! Zuerst aber, vcrsplittert Euch nicht; nicht der Einzelne vermag Etwas bei allgemeiner Noch, sondern die Vereinigung aller Einzelnen. Organifirt Eure Hülfe, Vereinswcise'. Alsdann, nicht blos Gaben für die Ar-