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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-08 · Heft 41 (8.10.1855) · p. Seite 530

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 41 (8.10.1855)
Date
1855-10-08
Page
Seite 530 (sequence 10)
Language
German
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Literarische Nachrichten. Amsterdam, im August. Der rühmlichst bekannte Herr Gabriel P o l l a k har eine hebräisch geschriebene Ankündigung erscheinen lassen, daß er jetzt in Druck gegeben: 1511:21273'"^ii 172-, 2in »ii^b «in is^yiYrn 7122772 « 1577273 '3 plO 1531111 N772L bl V'l -17 7122772 'li 1577273 'l5 piB 2122 pi*H 152021 Das Eremplar wird nur einen halben Florin kosten. Correspondenz. Meine Reisen in Rußland. Von vr. Lilienthal in Cincinnati. (Nach tbe Israelite.) VII.*) Nachdem ich des Ministers Ansicht vernommen, daß ich mich im Laufe der nächsten Woche nach Riga, dem Orte meiner Bestimmung, begeben möchte, hatte ich die nöthigen Vorkehrungen zu treffen, um die Erlaubniß der Polizeibehörde zur Abreise von Petersburg zu erhalten. Demzufolge schickte ich Freitag Morgens meinen Paß zu dem Districr - Commiffarius, benachrichtigte ihn von meiner Abreise, und ersuchte ihn, denselben zu visiren. Diese Angelegenheit wird in beiden Hauptstädten Rußlands durch die Portiers des Hauses besorgt, welche dem Vicrtels- Commissarius die Ankunft und die Abreise der Fremden anzeigen, über Alles, was im Hause vorgeht, berichten, und dadurch ein bedeutendes Glied in der Kette des ganzen Polizeiwesens bilden. Wenn zufällig Jemand nicht mit den nöthigen Pässen versehen ist und die Erlangung der Papiere sich irgend verzögert, so zeigen sich diese ungebildeten Leute höchst lästig und beschwerlich: mehrmals an jedem Tage drohen sie der Polizei Anzeige zu machen, und find dann nur durch Trinkgelder zu beschwichtigen. Im Russischen nennt man sie vsorniks. Ich ließ den mcinigen kommen, übergab ihm meine Pässe, erhielt sie ohne Mühe nach Verlauf einer Stunde zurück, und begab mich damit nach dem Fremdenbureau, wo man mich zum nächsten Donnerstag wiederbestcllte, da inzwischen dreimal meine Abreise in russische und deutsche Zeitungen eingerückt wer- *) Nr. VI. s. in Nr. 13. d. Z. den müßte. Dies geschieht unter dem Vorwände, etwaige Gläubiger des Abreisenden davon in Kenntniß zu setzen; der wirkliche Grund jedoch ist, die Gensd'armerie oder geheime Polizei vom Entfernen des Betreffenden zu unterrichten, denn inzwischen werden die Beamten derjenigen Städte, die er berührt, auf ihn im Voraus aufmerksam gemacht, weil durch das ganze Reich ein Polizeinetz ausgespannt ist, innerhalb dessen Jeder genau bewacht und beobachtet wird. In der neueren Zeit ist die Freiheit zum Reisen noch mehr beschränkt, da man nur mit Erlaubniß der Regierung ins Ausland sich begeben darf, und ein Paß zur Badereise auf ein halbes Jahr mit 100 Rubel Silber besteuert ist. Ich benutzte die Zwischenzeit, um einige der Herren Minister zu sprechen in Angelegenheiten meiner zukünftigen Gemeinde in Riga, die mit dem Gemeinderath in einen wichtigen Proccß verwickelt war, auf den ich später noch zurückkommen werde. Ich war durch die Aeltesten beauftragt, in dieser Angelegenheit einige der Herren Räthe zu besuchen, in deren Händen die Entscheidung ruhte, um ihnen die wahre Sachlage vorzulegen und sie dahin zu bestimmen, zu Gunsten der Juden sich zu entscheiden. Es wurde mir nicht schwer, beim Grafen Stroganoff, als Secretair im Ministerium des Innern, eine Audienz nochmals zu erhalten, welcher mit seiner gewohnten Offenheit mir darlegte, daß die nöthigen gesetzlichen Nachforschungen in jener Angelegenheit noch nicht so weit gediehen seien, um sie dem Ministerium vorzulegen, und daß er mir nur die Zusicherung geben könne, wie Alles mit der größten Unparteilichkeit bcurtheilt und entschieden werden sollte. Dann begab ich mich in Begleitung eines der jüdischen Rigaer Deputirten zum Herrn von Turkul, Minister der polnischen Angelegenheiten, indem das Königreich Polen, obschon es nach der Revolution von 1831 seine Verfassung und Unabhängigkeit verloren hatte und vollständig dem Kaiserthum einverleibt worden, dennoch im Jahre 1839 eine ganz besondere Verwaltung in Petersburg besaß, deren Lenker der genannte Herr Minister war. Es ist traurig, daß gerade die Tausende von Polen, die in russischen Diensten stehen, am meisten bemüht find, den vollständigen Sturz ihres Vaterlandes zu beschleunigen; denn während die Bewohner des westlichen Europas die Polen bedauern, ihre Unabhängigkeit und Nationalität verloren zu haben, die Heldenthatcn wahrend des Aufstandes von 1831 anerkannt werden, und das Lied: „Noch ist Polen nicht verloren", in Vieler Mund und Herzm

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