Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1855)
- Date
- 1855-10-08
- Page
- Seite 529 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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529 giebt eS sehr viele und sehr warme in Israel — auS dem Herzen gesprochen. Unseres ErachtenS jedoch ist diesem Machsor-Editionswesen kein größeres Gewicht beizulegen, als es wirklich verdient. Es ist ein bloßeS Papiergeschäft, eine pure Specularion. Man speculirt auf den Seckel der betenden, der synagogenbesuchenden, der luruömachenden Juden. Wir leben in dem goldenen Zeitalter der Industrie; Alles lebt von und für Industrie. Der Eine fabricirt und annoncirt „Salon-Hölzchen mit Wohlgeruch in bunten Farben", der Andere edirt und inserirt „Festgebete der Israeliten mit vollständigem, sorgfältig durchgesehenem Texte." — Welcher Mißbrauch übrigens mit Herausgabe von Gebetbüchern getrieben wird, werden Sie aus folgendem Beispiel ersehen. ES kam mir neulich ein hebräisches Gebetbuch zu Gesicht, das unter dem Titel B'W» nban aao von Salomon Gottlieb Stern, Wien 1855, erschien. Die Worte „neueste, verbesserte Ausgabe", die auf dem Titelblatt mit jüdisch-deutschen Lettern zu lesen sind, sowie der Name des Herausgebers, der schon vor Jahren durch Herausgabe des lesoä mors von Aden Ezra, und des Machberet von Parchon, die Aufmerksamkeit der Freunde der hebräischen Literatur auf sich lenkte, bewogen mich, einen Blick in daS Innere des Buches zu werfen. Da fand ich gleich auf der ersten Seite folgendes Gebet: b® *inr®3 -nbab rirrr “ras1’ w babi saansab nbsn •nbsrb. “littab p®J aa:n» mir :S3 bra aas» *»aa mata iaapsa» ^aa D3ia bra -aa b® rn73®3 ic. *»bin ba» 'nwrrbi ■»b •*ab"»ac.*' as bra a^s» ■aa DaS Gebet schließt mit den Worten -naa «nb» (aa) *»2» tob. Außer diesem fand ich nahe dem Ende des Buches ein Gebet mit der Aufschrift na^a» fcrnn. In diesem heißt eS u. A. p®b na nst rrbi '■»Vn na babi u. s. w. na isr p®a rria->® arraa ^■»a u. s. w. ^rsb rtaaia aaiai naia ">aana u. s. w. yiv a^ nvai» 7275 para naaiaa naaaa ma^oaa ba u. s. w. Diese zeitgemäßen, erhabenen und erhebenden Gebete muß der Herausgeber im Sinne gehabt haben, als er die Ausgabe dieses Gebetbuches als eine „ver-' besserte" anpries, denn der übrige Inhalt ist der eines gewöhnlichen aiao. ES scheint, daß der gelehrte Herausgeber dieser neuen und verbesserten Ausgabe deS 8eäer tefiiath jescharim, nebst den Goldkörnchen (um mich deS Ausdruckes, den Dr. Zunz in seinem Gutachtungsschreiben, das dem vlactiberet von Parchon vorangedruckt ist, gebraucht, zu bedienen), die er auS dem finstern Schacht des Mittelalters anS Tagelicht gefördert, auch allen Spuck und alles Gespensterwesen, den weiland Fürsten der Hölle mit seinem ganzen Generalstabe von nima und a^a® u. s. w. u. s. w. heraufbeschworen hat. Erwägt man, daß dieses Gebetbuch — wie aus der Ausstattung desselben ersichtlich — für den gemeinen, nichtgebildeten Juden berechnet ist, so denkt man unwillkürlich an den 9. Vers des 3. Capitels in Hiob. — Am 20. August erschien eine Verordnung deS k. k. Ministeriums des Innern, betreffend die Zuweisung des gesetzlichen ArmenpercenteS bei freiwilligen Licitationen. Da diese Verordnung auch die Juden berührt, dürften die betreffenden Paragraphen in diesem Blatte an ihrem Orte sein. §. 1. DaS Armenpercent, welches, nach den bestehenden Vorschriften, bei allen Licitationen, außer in Erecutions - und Kridafällen, von dem Erlöse deS Verkaufes abgenommen wird, gebührt dem Localarmeninstitute jener Gemeinde, wo die versteigerte Liegenschaft sich befindet, oder wo die Versteigerung der Fahrnisse vorgenommen wird. §. 3. — —-Bestehen daselbst für verschiedene Glaubensbekenntnisse abgesonderte Armeninstitute, so ist daS Armenpercent für den Armenfond jenes Glaubensbekenntnisses, dem der Besitzer des versteigerten Objectes angehört, und falls derselbe keiner mit einem eigenen Armeninstitute versehenen Confession angehört, für daS katholische Armeninstitut einzuheben. Großbritauuieu. London, 20. September. Sir MoseS Montefiore ist von seiner syrischen Reise höchst befriedigt mit dem letzten Dampfer in Alerandrien angelangt. Er trat am 9. die Rückreise von letzterer Stadt nach England an und wurde während seines kurzen Verweilens in Alerandrien vom dortigen Pascha, der im Jahre 1852 der Gast von Sir MoseS in London gewesen war, mit außerordentlichen Ehren empfangen. —. Eine curiose und wichtige Sache wird nächstens vor dem Lord-Major entschieden werden. Das Schechita Comite ist von der Gesellschaft gegen Thierquälerei verklagt worden, (lew. Chron.) 41