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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-08 · Heft 41 (8.10.1855) · p. Seite 528

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 41 (8.10.1855)
Date
1855-10-08
Page
Seite 528 (sequence 8)
Language
German
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828 und ohne Muth, seine Verirrung einzugestehen, endlich zur Verzweiflung treiben, in deren Wahn er den verübten Trug in Bekenntnisse durch Abwertung und Wiedergeburt sich nennende Vertauschung sühnen will. Die Neuorthodorie hat stets durch Worte das Judenthum zur Schau getragen und durch Thaten verleumdet, hat durch die Sitten und die Sittlichkeit ihrer Anhänger den jüdischen Namen bloßgestellt, und eS war endlich Zeit und Wohlthat für die Gemeinde, daß eine geräuschvolle Entwickelung den moralischen Rand zeigte, zu welchem die Clique führte. — Eine interessante Erscheinung ist die Eröffnung deS hiesigen Geschäftes mit hebräischen Büchern durch Herrn I. Böhmer, der in großartiger Verbindung von Mitteln, Sachkenntniß und Anknüpfungspunkten den 2^22 -12172 in Buchhändler aufgehen macht. MehreS darüber nächstens. F. Lt. —. (Berl. Ztg.) Seit einigen Tagen erfreut sich der hiesige Büchermarkt eines Etablissements, welches, vom merkantilischen Gesichtspunkte aus betrachtet, sich durch eigenthümlichen Reiz der Neuheit empfiehlt, aber viel bedeutsamer noch von literarischer Seite aus erscheint. ES ist dieses die von Herrn I. Böhmer in der heiligen Geiststraße eröffnete, mit allen HülfSmitteln und Verbindungen des modernen Buchhandels eingerichtete, Handlung von hebräischen Büchern. Der Handel mit hebräischen Büchern ging bisher ganz isolirt außerhalb deS allgemeinen Buchhandels, den er ignorirte und von ihm in Unkunde vernachlässigt oder vornehm verschmäht wurde, und erst durch den verstorbenen Buchhändler Asher in Berlin ist der Anfang gemacht worden, dieses Fach in den bibliopolischen und mittelbar in den bibliophilischen Kreis einzuführen und dadurch den öffentlichen Bibliotheken einen neuen Weg zur Bereicherung zu eröffnen. WaS aber bei Asher und Andern nur nebensächliche Aufgabe war, daS hat nun Herr Böhmer zu einer Hauptaufgabe gemacht, indem sein Bücherlager nicht nur eine reiche Sammlung von antiquarischen Werken darbietet, sondern alle Erscheinungen der hebräischen Literatur mit Sachkenntniß und Kostenaufwand zu vereinigen strebt, und dem betreffenden Publikum durch geregelte Verkaufsformen zugänglich zu machen sucht. Herr Böhmer, selbst ein gründlicher Kenner und Pfleger der jüdischen Literatur, hat Verbindungen mit den entferntesten Osficinen und Schriftstellern deS In- und Auslandes, von Wilna bis Livorno, angeknüpft, und seine Handlung wird nicht blos ein Fortschritt innerhalb des Buchhandels, sondern ein Gewinn für die Verbreitung der Literatur selbst sein. Neuß, 17. September. (Privatmitth.) Es ist noch nicht lange her, daß letztwillige Vermächtnisse an die Synagoge, selbst in größer« Gemeinden, zu den Seltenheiten gehörten; in kleinern Gemeinden aber find solche Fälle, so viel wir wissen, noch jetzt fast gar nicht vorgekommen. ES verdient daher daS Nachfolgende wohl, daß es durch diese geschätzte Zeitung in weiteren Kreisen bekannt werde. Am 7. Mai c. starb dahier die Wittwe H. Meyer, die einzige Tochter betagter Eltern. Ihr Gatte war ihr schon vor mehreren Jahren voran gegangen, eben so deren Kinder. Frau Meyer war schon früher kränklich, aber verhindert, zu testiren. Als sie aber ihr Ende sich nähern fühlte, besprach sie diese Angelegenheit mit dem in ihrem Hause wohnenden Lehrer S. Wolfsdorf. Nachdem ihr dieser Trost eingesprochen, ersuchte sie ihn, daß er ihren letzten Willen niederschreiben möge. Hierin bedachte sie nun mehrere Verwandte ihres sel. ManneS, und die Synagoge mit 700 Thlrn., wofür ihr nach ihrem Ableben und am Jahrzeit das Kaddischgebet nachgesagt werden sollte und ebenso für ihre Eltern. Dieses Testament gesetzlich zu vollziehen, verhinderte der Tod. — Möge der Dahingeschiedenen die Erde leicht sein! — Die frommen Eltern haben aber den Willen und Wunsch ihrer seligen Tochter nicht gezögert, gesetzlich festzustellen und zu bestätigen. Möge diese That Lchter Religiosität in den kleinern Gemeinden Nachahmung finden! Die hiesige Gemeinde aber, die nun schon seit mehr als drei Decennien mit der Absicht, eine Synagoge zu bauen, umgeht, möge nun auch endlich dahin streben, daß die Absicht zur That werde. Eine eigene, den Anforderungen der Zeit entsprechende Synagoge sollte einer Gemeinde, wie der hiesigen, nicht fehlen. S. Wolfsdorf, Lehrer. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Galizien, Ende September. (Privatmitth.) In Nr. 35. der Allgem. Ztg. d. Judenth. sprachen Sie in einem Aufsätze „der Rückschritt" ein Wort zu seiner Zeit. Ihre kräftigen Worte sind gewiß dem größten Theile Ihrer Verehrer — und deren

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