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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-08 · Heft 41 (8.10.1855) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 41 (8.10.1855)
Date
1855-10-08
Page
Seite 525 (sequence 5)
Language
German
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525 begonnen hat, mag in dortigen Verhältnissen liegen. Um den Srandpunkt dieser Arbeit zu bezeichnen, gestatten wir uns einige Bemerkungen. Die Ercgcse der heiligen Schrift hat eine zwiefache Richtung; entweder sie wendet all' ihren Fleiß auf die Erforschung des Wortes, auf die Entzifferung der historischen Verhältnisse, der topographischen und naturhistorischen Gegenstände — oder sie richtet ihre Harrptaufmerksamkeit auf die Ergründung des Sinnes, die Entwickelung der Ideen, des religiös-sittlichen, des Gedankens- und Lehrinhalts der heiligen Schriften. Es liegt in der Natur der Sache, daß die crstcre Richtung von den modernen Gelehrten viel mehr, als die letztere verfolgt wird. Die Bibeleregese ist in die Hände der Gelehrten gefallen, und die Ueberzahl der Gelehrten ist viel befähigter, und legt mehr Werth darauf, bestimmte linguistische und historische Facten zu erörtern, als den großen Lehrinhalt zu fassen und ins Licht zu stellen. Es ist aber zuletzt doch selbstredend, daß die linguistische und historische Erörterung nur Mittel zum Zwecke ist, indem das Verständnis und Erfassung des Sinnes, die Hebung des Gcdankenschatzes, die Entwickelung und Verbreitung der religiös-sittlichen Lehre der Hauptzweck aller Bibclcregese ist. Es war daher ganz besonders unsere Intention bei der zwanzigjährigen Ausarbeitung unsres Dibelwerkcs, wenn auch niemals die Resultate so vieler linguistischen und kritischen Untersuchungen zu übersehen, und gerade die antiquarischen, ethnographischen und naturhistorischcn Forschungen reichlich darzulegen, doch insonders die dogmatische Ercgcse wieder in Schwung zu bringen. Deshalb geschah es, daß wir so ausführlich auf die Erklärungen unsrer tradiricllen und jüdischen Commentatorcn zurückkamen und bei ihnen anknüpften, daher, daß wir den gelehrten Apparat vermieden, und die Anführungen der Bücher und Seitenzahlen opferten, und uns mit den Namen der Autoritäten begnügten. — Was nun die vorliegende, ausführliche Bearbeitung von Schemoth des Herrn vr. M. Kalisch in London — nicht zu verwechseln mit Herrn Rabb. Isidor Kalisch in Clevcland — betrifft, so können wir wohl sagen, daß er auf dem Grunde, den wir geebnet, weiter gebaut. Hinsichtlich der Anordnung seines Commentars im Ganzen und Einzelnen, hinsichtlich der Verbindung der jüdischen und christlichen Eregcten hat er unfern Weg eingeschlagcn und weiter verfolgt, und wir begegnen vielen Ideen, die wir zuerst ausgesprochen zu haben glauben. Dahingegen hat er stofflich viel mehr den linguistischen und historischen Commentar als die Entwickelung des dogmatischen Inhalts gepflegt. Mit großer Gründlichkeit häufte er den gelehrten Apparat, benutzte er alle die reichen neueren Quellen der Topographie und Geschichte, z. V. Aegyprens, und breitet eine Fülle von Wissen über viele schwierige geographische, historische und naturhistvrische Punkte aus. In dieser Beziehung rühmen wir mir wahrer Freude sein Werk und muntern ihn unsrerseits zu eifrigster Fortsetzung seiner Arbeit auf. Allerdings ist hingegen die Besprechung des Lehrinhalts viel schmäler wcggekommen — man vergleiche z. B. die Ausführlichkeit über die Geographie des Auszuges aus Aegypten mir der Kürze und Unbedeutenheit des Commentars zu den wichtigen, ja entscheidenden Capiteln 32. und 33. des 2. Buches Mos. — und die Entwickelung des dogmatischen Sinnes oberflächlich. Wenn wir sagten, daß Herr vr. Kalisch in seinem Werke von uns ausgegangen, so wollten wir allerdings damit nicht andcuten, daß er uns eine besondere Vcrgunst bezeugte. Im Gcgentheil, das Dutzend Male, das er unfern Namen nennt, geschieht es nur stets, wo er unsrer Ansicht nicht bcistimmt, und zwar meist bei nur unbedeutenderen Gelegenheiten. Wichtiger ist, wie er unsrer; Deutung der hohenpriesterlichen Gewandung entgegenrritt — allein wie schlägt er sich da in das Angesicht! Wahrend er die symbolische Bedeutung verwirft, gicbt er auf derselben Seite zu, daß die blaue Farbe die Bedeutung habe, „an alle Vorschriften des Gesetzes zu erinnern", und daß die blaue Farbe des hohenpriesterlichen Gewandes bedeute: „daß der Hohepriester vollkommen und gänzlich unter dem Befehle Gottes stehe, und das Instrument und der Wächter seiner Gesetze sei." Nun, wenn die blaue Farbe diese symbolische Bedeutung habe, warum sollen die andren Farben, warum die Granatäpfel und Glöckchen u. s. w. keine haben? Doch wir wollen hier auf diese bedeutsame Frage nicht weiter eingehen — uns setzt nur immer stets in Erstaunen, wie Männer consequent zu sein glauben können, wenn sie das Dogma der göttlichen Offenbarung mit Kraft und Nachdruck auftccht erhalten und anerkennen, dann aber trotz der ausdrücklichen Versicherung der heiligen Schrift in Sriftshütte, Opfer u. dgl. nichts weiter sehen, als so und so viele, nach Laune gezählte, gemessene und verzierte Bretter, Teppiche, Schleifen, Rinder und Schafe u. s. w. —> — Indem wir also dem wackern Commentator unsre ganze Anerkennung über seine vielfach nützliche und treffliche Arbeit zu erkennen geben, hoffen wir seiner Zeit noch andre Bücher der heiligen Schrift von ihm bearbeitet zu er-

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