Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1855)
- Date
- 1855-10-08
- Page
- Seite 523 (sequence 3)
- Language
- German
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523 Ben. Damals war es, wo Ouwaroff die russischen Juden durch Bildung erheben wollte, wo 200 jüdische Lehrer aus Deutschland nach Rußland berufen werden sollten. Damals standen auch wir in unmittelbarer Correspondenz mit dem Minister Ouwaroff, mit dem kaiserlich russischen Gesandten, Baron von Meyendorff und Anderen. Ouwaroff, der geistreiche Schriftsteller („Studien über Gocrhe"), schrieb mehrere Briefe w. pr. an uns, und es steht uns wohl an, jetzt einen derselben zu veröffentlichen, der immerhin ein Blatt in der Geschichte des russischen Israels ist. Vielleicht nehmen wir Gelegenheit, späterhin diese ganze Correspondenz, unsre Rückantworten, unsre Adressen an den Kaiser u. s. f. zu veröffentlichen. Die Zuschrift des Ministers vom 26. März/7. April 1841 lautet wörtlich also: Geehrter Herr Doctor! Indem ich Sie hiemit benachrichtige, daß ich Ihr Schreiben an Se. Kaiserliche Majestät, meinen Allergnädigsten Herrn, zu unterlegen das Glück hatte, gereicht es mir zur Freude, Ihnen zugleich melden zu können, daß in der That der Wunsch einer erhabenen Regierung dahin strebt, eine vollständige Anordnung für Zudenschulen im Sinne Mendelssohns zu bewerkstelligen. Das Unternehmen ist aber mit desto größeren Schwierigkeiten verbunden, da die Hebräer sich hier zu Lande in der traurigsten Lage einer beinahe vollkommen moralischen und intellectuellen Verwilderung befinden, von der man sich in Deutschland kaum einen Begriff bilden kann. Nur mit der gesummten Anstrengung einer im Schooße des Judenrhums selbst erwachenden Kraft darf man auf Beseitigung solcher Hindernisse hoffen. — Wenn die Besseren unter dem Volke, und namentlich die aus Deutschland Berufenen, fich nicht als Lehrer und Rabbiner zur Ausführung des Planes der Regierung willig und muthig darbieten, so ist auf keinen Erfolg zu rechnen. In dieser Hinsicht sind wir gesonnen, sobald die Hauptmaßregeln gehörig geprüft und von Sr. Kaiserlichen Majestät bestätigt sein werden, eine Anzahl jüdischer Gelehrten zu berufen, um ihnen den doppelten Auftrag des Lehramtes und des neu organifirten Rabbinerstandes zu verleihen. — Auch bin ich überzeugt, daß Sie und andere gleichgesinnte, im Zutrauen der Juden vorragende Männer einen lebendigen, fortwährenden Ancheil an dem Gedeihen des Werkes nehmen werden, um unermüdet auf Ihre Glaubensgenossen zu wirken. Je mehr Sie, geehrter Herr Doctor, für die Bildung Ihres Volkes gewirkt haben, desto mehr sind Sie und die Besseren unter demselben berufen, zum Heil einer halben Million moralisch verwaister Brüder fich thätig und warm bei dieser Gelegenheit zu zeigen. Sobald das Geschäft, das übrigens von einer Menge verschiedener Combinarionen abhängt, weiter vorgerückt sein wird, werde ich es mir angelegen sein lassen. Sie mit dem ausführlichen Plan bekannt zu machen. — Unterdessen halte ich für rathsam, fich nicht voreilig über die Angelegenheit öffentlich im Drucke zu laut vernehmen zu lassen, weil auch von dieser Seite leicht eine Polemik entstehen könnte, die vielleicht leidenschaftlich und grundlos, doch dem Gedeihen der Sache in den Weg treten Schließlich muß ich Ihnen, geehrter Herr Doctor, noch bekannt machen, daß der in Berlin refidirende rusfisch - kaiserliche Gesandte Baron Meyendorff fich gern dazu verstehen wird, jede Notiz sowohl über Sachen, wie über Männer in reife Erwägung zu nehmen, und mir seine Ansichten fteundlichst mitzutheilen. Auch wird es mir stets erwünscht sein, darüber in unmittelbarem Verkehr mit Ihnen zu stehen. Empfangen Sie hiemit zugleich die Versicherung meiner vollkommenen Achtung. St. Petersburg, den 26. März (7. April) 1841. Ouwaroff. Lrteralurbericht. VIII. Bevor wir in unserm Berichte über die uns interesfirenden neueren Erscheinungen auf deutschem Gebiete sortfahren, wollen wir zuerst noch einen Blick auf die ausländische Literatur und auf die neuesten Producte der hebräischen Presse werfen. Unsere Leser wissen, daß in englischer Sprache jetzt vier jüdische Zeitschriften erscheinen: Jewish Chronicle in London, Asmonean in Nerv-Jork, Occident in Philadelphia und Israelite in Cincinnati (Ohio). Der letztere hat zu riH seinen zweiten Jahrgang begonnen, und zwar mit Annahme eines größer» Formats und Hinzufügung eines deutschen Beiblattes „ Deborah" für Frauen. Von Deutschen rcdigirt, vvr. I. M. Wisc und Lilienthal, (letzterer hat eine Anstellung in Cincinnati angenommen und ist dahin von New-Uork überfiedelt,) zumeist von Deutschen geschrieben, ist der lsraelite 41*