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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-01 · Heft 40 (1.10.1855) · p. Seite 515

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 40 (1.10.1855)
Date
1855-10-01
Page
Seite 515 (sequence 9)
Language
German
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515 Blattes darauf aufmerksam zu machen, daß sie recht oft gute Nachrichten aus dieser Zeitung in die Blätter ihreS LocaleS bringen mögen, von denen auS sie dann in viele Zeitungen übergehen. Redact.) Oesterreichifcher Karserstaat. Wien, 20. September. (Privatmitth.) Vor Allem daS Cholerabulleün. ES bleibt dieses einmal die stehende Frage des TageS. Mitten unter den kirchlichen Fragen der neuern Zeit gehet diese Krankheit unbekümmert alle Reihen durch. Gott sei Dank, daß sie in der letzten Woche bedeutend abgenommen hat, nachdem sie früher noch sehr schwere Opfer gefordert, und zwar hat sie da und dort tückisch gewaltet. So starb der als Kaufmann sehr geachtete Herr Jos. Landauer, Censor der k. k. privilegirten Nationalbank, der in seinem Hause ein wahrhaft patriarchalisches Leben führte, an dieser Krankheit und einige Tage später seine Tochter Frau Forchheimer in der Blüthe ihrer Jahre. Sehr zu bedauern ist auch der Tod der Frau Babette Kaulla, einer Tochter des sel. Biedermann. Sie hat viel Gutes gethan ganz im Stillen. Ihre Schwiegertochter pflegte sie während ihres kurzen Krankenlagers. Doch denken Sie, als die junge Frau die verstorbene Mutter verläßt, um sich an dem Anblicke ihres einzigen Kindes zu erholen, war auch dieses bereits ein Opfer der Krankheit. Sie mögen daraus ermessen, welche Rosch haschono wir verlebten. ES tritt übrigens auch die Krankheit auf dem Lande auf. Die Judengemeinden Mährens wurden hart und schwer mitgenommen. In NicolSburg ergab sich daS Komische, daß die Cholera mit dem neuen Rabbiner Quetsch ihren Einzug hielt und nun gibt eS Leute, die eS gar nicht begreifen können, wie ein „Zadik", der doch der „Megin" der Gemeinde sein soll, ein solches Geleite haben kann. Was hätten die guten NicolSburger gesagt, wenn ein Prediger hingekommen wäre! In Prag wurden wegen der Krankheit Reformen eingeführt. Die Piutim werden ausgelassen, um Zeit für die Raststunden zu gewinnen. Für uns kam also daS Machsor von Sachs zu früh, oder, wenn Sie wollen, zu spät. Es machen überhaupt die Kämpfe in Berlin hier einen eigenthümlichen Eindruck. Man ist hier gewöhnt, Berlin als die Stadt der Intelligenz zu betrachten, ich habe zunächst das jüdische Berlin vor Augen. Man denkt sich dasselbe stets als Muster, dem man nachstreben müsse, und nun zeigt eS sich, daß daS, was hier seit dreißig Jahren bereits abgethan ist, in Berlin noch die größten Streitigkeiten verursacht. Zu bedauern ist eS nur, daß man der Reformpartei, wie sie jetzt besteht, eben so wenig gesundes Leben zumuthen kann, als dieser. «7252 «222 «21 «25 ^2222 «2. Magdeburg, 21. September. (Privatmitth.) So eben kommt uns eine, in italienischer Sprache abgefaßte, gedruckte Trauerbotschaft der Gemeinde zu G ö r tz in Jllyrien zu, daß am 29. August c. in wenigen Stunden Herr Jsaac Samuel Reggio, seit 10 Jahren Rabbiner dort, 71 Jahre alt, vom Tode entrissen worden. Welchen Verlust nicht blos jene Gemeinde, sondern die ganze jüdische Welt hierdurch erlitten hat, brauchen wir nicht auszusprechen. Wir bitten einen Berufenen um einen Nekrolog deS Verewigten für diese Zeitung! Die Redaction. Douaufürsteuthümer. Aus der Moldau, im September. Die Israeliten in der Moldau find, wie wir auS Privatbriefen von Jassy erfahren, bei der hohen Pforte eingekommen, ihnm daS Recht deS Besitzes liegender Güter im Fürstenthum zu erlheilen, und der Großvezier hat dieses Bittgesuch deS HoSpodor zur Willfahrung empfohlen. Fürst Ghika ließ nun einen außerordentlichen Divan zusammenberufen und übergab die Sache den Bojaren zur Begutachtung. Der ganze Divan hat jedoch einstimmig eine Amphöra abgefaßt, worin auf die feierlichste Weise Protestation eingelegt wird, „daß weder die hohe Pforte, noch sonst Jemand das Recht habe, sich in die Privilegien des moldauischen FürstenthumS zu mischen, und man in keinem Falle gestatten könne, daß den Israeliten das Recht des Ankaufs liegender Güter daselbst eingeräumt werde." Dieser Beschluß ist als Antwort nach Konftanrinopel geschickt worden. (So ist also die viel verschrieene Türkei die Beschützerin der menschenrechtlichen Grundsätze geworden — und waS muß der Islam von der „Glaubensfreiheit" halten, welche die christliche Welt von ihm für — sich verlangt. Der Islam muß denken: Recht ist nicht Recht, sondern die Macht ist Recht. Denn entweder hat die Türkei daS Recht, andersgläubigen Un- 40

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