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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-10-01 · Heft 40 (1.10.1855) · p. Seite 512

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 40 (1.10.1855)
Date
1855-10-01
Page
Seite 512 (sequence 6)
Language
German
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512 itt Kopenhagen eingeführt. ES war um 1812, als dort ein öffentliches Mädchen ins HoSpital gebracht wurde und auf Befragen erklärte, sie fei eine geborene Jüdin, habe aber nie etwas von ihrer Religion gelernt. Die Behörde, welche freilich nicht wußte, welche geringe Portion von Religionsunterricht daS „strenggläubige" Judenthum überhaupt dem schönen Geschlechts gönnt, trug nun Sorge, daß dergleichen nicht wieder geschehen könne, und so ward schließlich vom König Frederik VI., einem Dänen, dem Chef der dänischen Kirche, der aber dennoch Interesse für die Ausbildung und Aufklärung seiner jüdischen Unterthanen fühlte, ein officieller Unterricht in der ihm einzig verständlichen Form der Confirmation für beide Geschlechter — und hierin besteht ja eigentlich die Neuerung — auf Kosten nicht der Juden, sondern des Staats eingerichtet. Dies, so weit ich mich erinnere, der Vorgang; sollte ich geirrt haben, so hat Herr Prediger Mannheimer vielleicht die Freundlichkeit, eine Berichtigung einzusenden. Auch auf meine Bemerkung in Bezug auf das Predigen muß ich zurückkommen, da mir nicht allein vieljährige, sondern auch vielseitige Erfahrungen zur Seite stehen. Wir haben nämlich hier fünf Hauptprediger, worunter zwei am Tempel, einen an der deutschen, einen an der portugiesischen Synagoge, und dann den Oberrabbinen in Altona. Dazu kommen noch mehrere Vereins- und Klausprediger, unter denen der Dr. Enoch (der Zionswächter) und Dr. Nathan ganz bedeutende Auditorien haben. Da hat man denn doch schon Gelegenheit, zu beurtheilen und zu vergleichen. -So viel sei für diesmal gesagt: Länger als 2000 Jahre sind unsere jüdischen Copulationen ohne Traureden und nur mit der hervorragenden Signatur lustiger Freudenfeste geschlossen worden; jetzt, seit etwa 40 Jahren, halten wir ernsthafte, rührende Reden dabei. Nun lasset uns sehen, ob die Zeit lehren wird, daß unsere Ehen durchschnittlich besser, das will sagen, inniger sein werden.* *) *) Die Heiligkeit und Innigkeit der Ehe wird eben so wenig durch die Trauprcdigten beschaffen, als sie bei unseren Vätern durch das Freudenlärmcn und die Possenreißer erwirkt wurde. Aber Alles zu seiner Zeit. Die unsrigc verlange den Trauact ernst, gehoben, und dazu dient die alte Formel nicht genug, sie muß durch dir Predigt gestärkt werden. Ucbrigens wirken jetzt so viele zersetzende Lebenselemente auf die Ehe, daß eine kräftige Mah- Eine Frage in Bezug auf die Mannheimer Synagogenweihe (psg. 479 dieser Blätter). Kann daS Gebäude wirklich 5000 Menschen fassen? So viel fast ja kaum eine Kirche in Deutschland! Und hat man dabei wirklich die „Benediction Schehechcjanu" gesagt? DaS wäre ja ganz etwas Neues, und bei Synagogenweihen hoch nie Dagewesenes.*) Der hiesige Senat hat die einem ablehnenden gewählten Gemeindevorsteher angedrohte Strafe von Dreitausend (nicht 300, wie in Rr. 37. stand) auf Eintausend Mark Banco moderirt, ohne jedoch in der Sache selbst neue Gründe aufgestellt zu haben. Worms, im September. (Privatmitth.) vr. Arnheim ist (mit 80 Stimmen) von der bayerischen Kammer der Abgeordneten in den Gesetzgebungsausschuß gewählt worden.'— Bei der Anwesenheit Sr. Königl. Hoh. des Großherzogs von Oldenburg im Fürstenthum Birkenfeld überreichte Herr E. Hecht seine „Geschichte Jsrael'S" und erhielt von dem Minister v. Buchholz eine im Namen Sr. K. H. abgefaßre ehrenvolle Antwort nebst einer ansehnlichen fürstlichen Gabe. — DaS von Dreyfuß heraus gegebene „Lien d’Israel*1 zählt schon über 500 Abonnenten und wird bei vermehrter Bogenzahl in Octav erscheinen. — Kurz vor Vollendung der Raschikapelle, der man in spätestens drei Wochen entgegensieht, erhielt das Comitö noch fünf Pfd. Sterling aus London. — In Paris hatte am 14. September in allen Synagogen ein Dankgottesdienst aus Anlaß der Einnahme Sebaftopols statt; der Leser wird sich hierbei vielleicht erinnern, daß im vergangenen Jahre den russischen Juden von Seiten des Gouvernements angedeutet wurde, für den Sieg der russischen Waffen nicht zu beten! — Das Mannheimer Gebetbuch soll dennoch die alten hebräischen Gebete wieder erhalten; doch sollen dieselben einen sogenannten „Anhang" bilden. nung in der Stunde ihres Beginns doch bisweilen seine Dienste thut. Wir in der Provinz haben auch unsre Erfahrung, wenn auch in andren Localitätrn, aus mittleren und kleinen Gemeinden und dem Lande. Redact. *) Es liegen uns ein Dutzend Einweihungsprogramme vor, und überall steht das irnnc. Z. B. 1840 in Dresden auch. Der Sinn des Sezensspruches paßt ja auch ganz gut. Redact.

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