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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-24 · Heft 39 (24.9.1855) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 39 (24.9.1855)
Date
1855-09-24
Page
Seite 504 (sequence 10)
Language
German
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504 oft ganze Tage in denselben, legt den Gemeinden anS Herz, für bequemes und gesundes Schullocal und die nöthigen Schulrequisiten zu sorgen, feuert Lehrer und Schüler zur Ausdauer in ihrem mühsamen, aber heiligen Streben an, rügt aber auch nicht minder mit gerechter Strenge jeden Fehler und ist überhaupt eifrigst bestrebt, jedem Uebel schnell abzuhelfen. Lob dem eifrigen Schulmanne! Dank dem edlen Menschenfreunde! H. Deutsch. Lemberg, 31. August. (Privatmitth.) Hier hat die schreckliche Epidemie furchtbar gewüthet, und wir haben manch herbe Verluste erlitten; unter den Vielen will ich bloS Einige erwähnen, deren Schicksal in weitern Kreisen Theilnahme finden dürste: vr. niecl. A. Gußmann, Mitarbeiter mehrerer gelehrten Zeitschriften, der Literat I. Bodek, Herausgeber der hebräischen Hefte „Jerusalem". Auch die Wittwe des fel. Rabbiners und Predigers K o h n ist dieser schweren Krankheit erlegen, und ist, nachdem sie ihre Kinder gesegnet und sie zur Tugend und Frömmigkeit ermahnet, mit Ruhe und Fassung wie eine Heilige inS bessere Leben eingegangen. Nur Wenige folgten in jener Schreckenszeit dem Leichenzuge. Die vier zurückgelaffenen, nun Vater- und Mutterlosen Waisen werden ferner hier beisammen bleiben, du für ihren Unterhalt reichlich gesorgt ist, indem sie ferner den Wittwengehalt der Mutter beziehen, und die verständige fünfzehnjährige Schwester bereits ihrer bescheidenen Wirthschafl vorzustehen vermag. Der Aelteste hat bereits die Maturitätsprüfung gemacht und beginnt nun das Studium der Rechte. Auch unsere Schule hat schmerzliche Verluste erlitten. Der wackere, eifrige Schlesinger, der tüchtige Kalligraph Sekler haben daS Zeitliche gesegnet. Für die Wittwe deS Letztem wird vom Director I)r. Sternberg eine Collecte veranstaltet, deren Ergebniß, ungefähr 4— 500 Fl. C. - M., ihr zur Errichtung eines Kleinhandels übergeben wird, damit sie sich und ihre vier kleinen Waisen ernähren könnte. Unsere Schule hat noch immer keinen Penfionsfond, auch hat der fel. Sekler nur drei Dienstjahre. Andererseits hat die Gemeinde ihren umsichtigen und erfahrenen Actuar Piepes verloren, dessen hinterlassene Wittwe mit vier kleinen Kindern ihr ebenfalls zur Versorgung anheimsällt. Der wackere Herr Nossig, Doctorand der Rechte, wurde einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt; weit schwieriger dürfte die Besetzung der nun vacanten Posten an der Schule und an den neu zu errichtenden zwei Trivial-Schulen werden, obschon es hier Leute genug giebt, welche auf einen Gehalt von 2-, 3- bis 400 Fl. afpiriren. Das hohe k. k. Ministerium hat endlich die definitive Anstellung deS Herrn vr. Adler zum hiesigen Prediger bewilliget, und Alles ist voll freudiger Erwartung, ihn schon an den nächsten Feiertagen hier fungiren zu sehen, besonders ist es die Schule, die sehnsüchtig in ihm ihren Regenerator erwartet. — Wien, 11. September. (Privatmitth.) Ein religiöses Jahr geht für uns zu Ende, daS trübselig begonnen und trübselig schließt. Vor einem Jahre kehrte um diese Zeit die Cholera bei uns ein, und jetzt wüthet sie wieder unter unS. Da zeigt sich denn wieder aufs Neue die Ohnmacht des menschlichen Geistes, die Armseligkeit seines Wissens, Keiner weiß, wie, so, woher sie kommt. Die Weisheit der Weisen schweigt. Ich denke jetzt unwillkürlich an daS Wort in JesaiaS ■'nnon vrn. ES ist die Zeit der Weinlese; doch jeder Freudenruf verstummt. Es bleibt nichts als die Hoffnung, und diese wollen wir unS bewahren. Möge eS mir bald gegönnt fein, Ihnen Freudiges mitzutheilen, und mögen auch Sie und Ihre Gemeinde einem freudigern neuen Jahre entgegengehen, als dasjenige ist, welches wir eben zu Grabe tragen. — Nun zu etwas Anderem. Ich habe Ihnen das letzte Mal die Zahl der Candidaten um die hiesige Predigerstelle mitgecheilt. ES lüftet sich einzeln der Schleier und man erfährt, wer diese Herren sind. Für den Fall, daß der Vorstand bei seiner Ansicht beharrt, daß keiner angestellt werden soll, der über vierzig Jahre alt ist, so fallen allerdings so manche aus. Als sonderbar kam eS mir vor, daß manche Herren, die so zu sagen auf der äußersten Linken in der Rabbinerversammlung saßen oder derartige Gesinnungen in ihrem Amte und in ihren Schriften kund gegeben haben, sich nun mit dem RituS, wie er hier feil dem Jahre 1826 besteht, einverstanden erklären. Dabei ist noch zu bemerken, daß der neue Tempel in der Leopoldstadt kaum in religiöser Beziehung weiter vorschreiten dürfte, als bis jetzt die Organisation im alten Tempel bestehet. Man glaubt nämlich dadurch dem Bedürfnisse deS größten TheileS der Bewohner dieser Vorstadt ent-

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