Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1855)
- Date
- 1855-09-24
- Page
- Seite 500 (sequence 6)
- Language
- German
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500 ren — so gern sich diesem freilich! die christliche Welt und in wohlfeilster Weise zu entziehen sucht. Was die jüdischen Gemeinden, ohne Zuschüsse von Staarsseiten, ohne liegende Gründe und Capitalien, ja oft noch mit Schulden belastet, leisten müssen und leisten, mit williger Aufopferung leisten — das ist bewunderungswürdig! Wenn die Cholera in eine zahlreiche Gemeinde tritt, hier viele Opfer ttiffr, und darunter Gcmeindebcamtc in der Blüthe des Lebens, mit Hinterlassung zahlreicher Familien, hinrafft, für welche nun gesorgt werden muß — wie rührend ist dann die unablässige, unermüdliche Opferwilligkeit! Wir verweisen auf den Artikel aus Lemberg in dieser Nummer. Ja, Israel, allen Deinen Anfcindern in Deiner Milte und außerhalb derselben zum Trotze sei es gesagt — es ist viel Großes in Dir: laß Dir dies nicht nehmen! Zeitungsnachrichten. Palästina. Für die Armen in Jerusalem. Herr L. 8. in (55 öl in 2 Thlr. als Preis einer gewonnenen Wette. — Von Herrn Lehrer L. Schloß in Speyer 50 Fl. ----- 28 Thlr. 7'/2 Sgr. — Von der Frau Vereinsvorstehern R. Naumann und Herrn Rendanten I. L. Meysel in Landeshut 13 Thlr. Die Redaction. Deutschland. Magdeburg, 17. September. Mit wahrhaftem Schmerze zeigt die Redaction den Lesern dieser Zeitung den am 9. d. M. erfolgten Tod deS von uns und von so Vielen hochgeschätzten Herrn JuliuS A. Baumgärtner, Verlegers dieser Zeitung, an. Nach jahrelangem Leiden verschied derselbe, 58 Jahre alt, nachdem er gerade dreißig Jahre der großen Verlagsbuchhandlung als Chef vorgestanden, welche er von seinem sel. Vater, dem Preuß. General-Consul Herrnvr. Baumgärtner übernommen. Er war ein Mann im edelsten Sinne, fest sein Wort, human an Sitte, wohlthütig, von großem Geschmack und Verständniß in der Kunst, selbst Dichter, wenn auch pseudonym. Unter den deutschen Verlegern war es der Verstorbene, welcher ganz besonders in der Ausstattung der Verlagsartikel Schönheit und Eleganz förderte und in Schwung brachte — man erinnere sich, wie vor 20 Jahren noch in Deutschland die Bücher ausgestattet wurden! — und sich namentlich auf Gegenstände der Kunst — Kupfer-, Stahlstich und Holzschnitt — warf. Wie er vor zwanzig Jahren die „Allg. Zeitung deS Judenthums" bereitwilligst gründen half, und sie auch durch die ungünstigsten Zeilen erhielt, wie er das große Bibelwerk übernahm und ausführte, wie er so viele Schriften unsrer Literatur verlegte, und dadurch viele deutsche Buchhändler anregte, Werke dieser Art zu übernehmen — was früher von christlichen Verlegern so selten geschah — hat er sich auch in unseren Kreisen ein bleibendes Denkmal gegründet. Wir persönlich beklagen den Verlust eines befreundeten Mannes, dessen schätzbare Achtung unS ein zwanzigjähriges Verhälrniß zur Freude machte, Leipzig einen der geehrtesten Bürger, den es zweimal zum Stadttalh gewählt hat. Friede seiner Asche! — Leipzig, 12. September. Am 10. Abends wurde die neue große Synagoge auf die erbaulichste Weise eingeweiht. Herr Oberrabbiner Landau aus Dresden und Herr Prediger vr. Jellinek vollzogen die Weihe und hielten sehr gediegene Reden. Frankfurt am Main, 9. September. (Privatmitth.) Von den Erben des sel. Salomon von Rochschild wurde heute den 17 jüdischen hiesigen Wohlthätigkeitsvereinen „aus eigenem Anttiebe und im Sinne ihres hochherzigen VaterS" Geschenke von 1000 Fl. bis 2000 Fl. ausbezahlt. Da mit Ausnahme der zwei Krankenkassen die Vereine nicht reichlich dotirt sind, so ist dieser Zuwachs ihres CapitalvermögenS sehr willkommen. Dem Rabbiner Hirsch wurde gestern auS Veranlassung seiner 25jährigen Wirksamkeit als Rabbiner und Kampfer der Orthodorie von dem jüdischen Gesangverein ein Ständchen gebracht und von den Mitgliedern seiner Gemeinde eine Dankadresse überreicht. Auch von andern Gemeinden wurden ihm Zeichen des Dankes und ehrender Anerkennung zu Theil. — Das Verdienst, welches man von jedem Standpunkte auS diesem starren Kämpfer zuerkennen muß, ist die Errichtung einer Schule, die in jeder Beziehung die besten Resultate erzielt. Wo nur Wissenschaft und Bildung befördert wird, kann eine dem Zeitgeiste widerstrebende religiöse Richtung nicht Wurzel fassen und die jugendlichen Gemächer nicht auf ewig im Zauber-