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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-24 · Heft 39 (24.9.1855) · p. Seite 499

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 39 (24.9.1855)
Date
1855-09-24
Page
Seite 499 (sequence 5)
Language
German
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499 letzterm mehr bibliographisch und nutzbar. — Ehrentafel österreichischer Juden. Ehrentafel bezeigter christlicher Liebe gegen Juden. Die leere Tafel. Dies find drei schöne Tafeln, welche der Herausgeber mit seinen guten Einfichten und warmen Empfindungen ausgehängt hat. Wir erstaunten und freuten uns über die vielen Namen, die auf die erste Tafel in Industrie, Wissenschaft, Kunst mit Auszeichnung verzeichnet werden konnten; aber nicht minder trefflich ist die „leere Tafel", auf welche der Herausgeber seine ftommen Wünsche niedergelegt, wie es um unsre Glaubensgenossen in vielen Richtungen hin besser werden müßte. — Historische Notizen über die Israeliten des lombardisch-venetianischen Königreichs von Moses Errara, höchst willkommen. — Pollak, k. k. Lieutenant, ein kräftig gezeichnetes Lebensbild, das wir den Lesern des „jüdischen Volksblatres" wieder gegeben. — Könitz er t, Franzefuß, eine Geschichte. Wenn dieselbe auch an einigen Unwahrscheinlichkeiten leidet, so ist fie doch voll Liebenswürdigkeiten, tiefen Gefühls und lebendiger Schilderung in der ganzen, trefflichen Manier unsres Kompert's. — Aus London. Von Schlesinger. Etwas gezwungen-geistreich. — Gedichte, worunter einige treffliche. — Dies ist in Kurzem der überaus reiche Inhalt des Jahrbuches von diesem Jahre, und man muß fteudig gestehen, daß solche überraschende Fülle dem Herausgeber und seinen Mitarbeitern zu wahrer Ehre gereicht! Wer fich eine Sammlung aller dieser Jahrbücher angelegt hat, wird die Production unsrer neuern jüdischen Literatur bewundern. Aphorismen. Die Vossische Zeitung enthält Artikel über die Rachel und Ristori von einem gewissen Wachhusen, einem Schilderer der „Grisetten und Loretten" in Paris, welche in der That mit großer Energie die Gemeinheit und Ohnmacht jener Kritiker erweisen, welche die Künstler eigentlich um Nichts als — um das Geld beneiden, das fie ftcilich! oft allzureich cinstreichcn. Unsere Leser wissen, daß uns seit langer Zeit die Künstler, die jüdischem Stamme entsprungen find, wenig interesfiren. Da die Meisten übermüthig ihres Ursprungs zu vergessen suchen, für das Judenthum weder Interesse, noch Tharkrast bcthätigen, gehen fie uns gar nichts an, seitdem der Beweis, daß unter den Juden auch Künstler geboren worden, schon lange nicht mehr geführt zu werden braucht. Bei dem Standpunkt, den, wie gesagt, die meisten dieser Leute in religiöser Beziehung einnchmen, sind ihrer schon zu viele. Was daher Herr Wachhusen über die Rachel für eine Meinung hegt und ausspricht, ist uns in zwiefacher Beziehung gleichgültig, erstens weil wir die Sache der Rachel nicht zu führen brauchen, zweitens weil das Urtheil Herrn Wachhusen's wirklich nicht von Bedeutung ist. Woran sich auch Herr Wachhusen hält, ist — daß die Rachel viel Geld verdient, und gern verdient. Diese Todsünde kann er ihr nicht vergeben. Unter allen Kritikern von höherem Berufe und wahrer Tiefe ist es eine abgemachte Sache, daß die häuslichen Angelegenheiten der Autoren und Künstler nicht in die Kritik hincingehören; die Kritik hat es ganz allein mit der Kunstproduction als solcher zu thun, an diese den Maßstab zu legen und den Werth dieser zu bestimmen. Wollte man auch in die Boudoirs und Geldangelegenheiten der meisten Künstler einblicken — wehe ihnen Nun, Herr Wachhusen hat es allein mit den Millionen Francs zu thun, welche die widersinnige moderne Gesellschaft der Rachel für ein Paar Rollen in den Schooß wirft. Unsertwegen auch dies. Was geht uns Herrn Wachhusen's Kritik an? Aber empörend ist es, wie er dem Ingrimm seines Neides Luft schafft. Er erzählt, man habe um der Rachel willen das Hiestre kran^is nur „die Synagoge" genannt; viele Franzosen hätten aber immer schon gerufen: „warum sollen wir um Jsrael's goldenes Kalb tanzen!" Er setzt auseinander: „daß die Rachel ein kleiner Geist, und dennoch eine große Tragödin, vor Allem aber ein großer Jude ist." Er will wissen, daß die Schauspielerin Judith in Paris, als man fie ftagte, warum fie die Rachel nicht leiben könne, da diese doch ihre Glaubensgenossin sei, geantwortet: „Allerdings, ich bin eine Jüdin, Rachel aber ist ein Jude!" — Wir überlassen diese Witzworte dem genauen Kenner und Freund der „Grisetten und Loretten" — fügen aber nur folgende Bemerkung hinzu. Abgesehen von aller Histrionenwirthschaft, die uns zuwider, giebt es Niemanden, der mehr Opfer zu bringen, Schwierigkeiten zu überwinden, mehr zu entbehren und zu entsagen hat, als der Jude, welcher der Kunst und Wissenschaft fich widmet. Und diese Opfer und diese Entsagung haben unter uns schon Unzählige getragen, mehr als jemals aus anderen Völkerstämmcn. In Kunst. Wissenschaft und Literatur ist der Jude nicht blos seiner Talente, sondern auch seiner stillen sittlichen Größe wegen hoch zu vereh-

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