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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-24 · Heft 39 (24.9.1855) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 39 (24.9.1855)
Date
1855-09-24
Page
Seite 496 (sequence 2)
Language
German
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49$ bet- und Erbauungsbuch „Stunden der Andvcht" von Fanny Neu da, geb. Schmiedl, Prag, 1855, nicht naher zu berichten, da dies erst Nr. 35. ausführlich geschehen. — Von einer jungen Dame aus hochstehender Familie ist folgendes Büchlein erschienen: „Bibelverse für alle Tage des Jahres. Ein Gedenkbüchlein für die israelitische Jugend. Franks, a. M. 1855." Das allerliebst ausgestattete Sedez- Büchlein gefällt schon dem Aeußern nach. Auf festem Milchpapier in klarem Druck stehen auf jeder Seite eingerahmt einige sinnvolle Bibelverse. Diese sind in 52 Wochen zusammengeordnet, und jede Woche befaßt sieben Bibelsprüche, also einen für jeden Tag des Jahres. Die Bibelsprüche find sehr gut gewählt aus allen Theilen der heiligen Schrift und dem Buche Sirach, in schöner Uebersetzung. Wir wünschten wohl, daß Diele es sich zur Gewohnheit machten, vor dem Beginn der täglichen Beschäftigung den betreffenden Bibelspruch zu lesen, es wäre eine gute, ftuchtreiche Sitte, und da die Sprüche sämmtlich dem reinen religiösen Geiste angehören, der in unsren heiligen Büchern weht, und daher nichts von dem trüben, pieristischen Anstrich haben, der in anderen Kreisen die Beschäftigung mit der Bibel so leicht annimmt, so empfehlen wir dies dringend. — Ein viel schwierigeres Werk, die Lösung einer bedeuternden Aufgabe von der Hand einer Dame liegt uns in der englischen Uebersetzung unsrer Vorlesungen über die „Entwickelung der religiösen Idee im. Judenthume, Christenthume und Islam" vor, verfaßt von Miß Anna Marie Goldsmid, London 1855. mit Noten von der Uebersetzerin versehen, und prachtvoll ausgestattet. Durch ein unglückliches Zusammentreffen ist das am 1. März d. I. von London nebst einem ausgezeichneten Schreiben der Miß Anna Marie an uns abgegangene Ereniplar erst vor einigen Wochen in unsre Hände gekommen. Die Uebersetzung ist gelungen, weniger elegant, aber, was wichtiger ist — plan, klar, verständlich. Es ist sehr schwierig, deutsch-philosophische Ausdrücke ins Englische zu übertragen; es giebl im Englischen keinen reinen bestimmungslosen Infinitiv, indem was man so nennt to-be, to-love eigentlich ein Supinum ist. Der Scharfsinn, die Einsicht, das richtige Verständniß, welche Miß Anna Marie in der Uebersetzung überall bewährt, find daher desto höher anzuschlagen. Indem wir unfern Dank hiermit nachdrücklich aussprechen, wünschen wir, daß der Zweck der eben so gemüthwie geistvollen Dame erreicht, und das Buch in allen Ländern englischer Zuyge wohl ausgenommen werde. Wenn irgend Etwas, so erweist die begeisterte Vorrede der Uebersetzerin, so erweisen die Noten, von welcher hohen und reinen Liebe zur Sache sie beseelt ist. Gewiß haben wir von dieser Hand noch vieles Schöne und Bedeutende zu erwarten. Indem wir nun weiterhin uns den Plan für unsre Berichterstattung entwerfen, beschäftigen wir uns zuvörderst mit zween Gegensätzen, Schriften, welche der ehernen Vergangenheit, und solchen, welche der flüchtigen Gegenwart gewidmet find. Wir haben hier zuvörderst einzuführen: „Jsrael's Geschichte von der Zeit des Bibel-Abschlusses bis zur Gegenwart. Für Schüler jüdischer Lehranstalten, höherer Bürgerschulen und Gymnasien, für Familien und Schulbibliotheken von Emanuel Hecht. Mit einem Vorworte von Di*. L. Philippson. Leipzig, 1855." Es ist in der That erfteulich, wie sehr in den letzten Jahren das Streben, die Geschichte unsres Stammes und Glaubens nicht blos mit der Fackel der Kritik und Forschung aufzuhellen, sondern auch — was noch wichtiger — das Verlangen nach Geschichtskenntniß in der Masse und Jugend zu wecken, genährt worden ist. Wir sehen daher eine Menge Schriften erscheinen, welche diesen beiden Richtungen gewidmet find, und an die Arbeiten von Millstätter, Deffauer, Lichtenstein schließt sich die vorliegende, des unsren Lesern wohlbekannten Herrn Hecht. Wir stellen hier sofort den Schluß unsres Vorworts zur Bezeichnung des Standpunktes her: „Herr Hecht hat uns durch diese Schrift ein wackeres Stück weiter gebracht. Er hat die „Mission Jsrael's" verstanden, und, wenn es ihm auch noch nicht gelungen ist, sie überall nachzuweisen und seine Darstellung ganz davon durchdringcn zu lassen, so hat er doch nichts niedergeschriebcn, das dieser Mission widerspräche und das überhaupt weit davon abläge. Er hat mit richtigem Tact die politische und geistige Geschichte, das Aeußere und Innere gleichenveise beachtet und ausgeführt. Er hat mit vielem Geschick die einzelnen, ihre Zeit beherrschenden Persönlichkeiten durch Mittheilung von Charaktcrzügen, Aussprüchen, Gedichten hervorzuheben und interessant zu machen verstanden. Wir verkennen einzelne Schwächen nicht, wir hätten für die neueste Geschichte eine prägnantere und ausführlichere Darstellung gewünscht, auch wäre es wohl besser gewesen, Herr Hecht hätte die ganze Geschichte, von Abraham an, gegeben. Aber jedenfalls haben wir hier ein Buch für die Jugend und das Volk gewonnen, welches lange vorhal-

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