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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-17 · Heft 38 (17.9.1855) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 38 (17.9.1855)
Date
1855-09-17
Page
Seite 489 (sequence 9)
Language
German
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489 Heu Tage die bräutlichen Ehren erweisen und ihn mit dem unvergänglichen Vrautgesange begrüßen. Wie fremd sind einander diese Menschenkinder und ihre vielfachen Interessen! Und doch erfüllt sie Alle Ein großer Gedanke, und doch hat sie Alle Eine hohe Sendung hier vereint. Sie haben auf der Pforte deS Tempels die eherne Inschrift gelesen: rmra isn mbfsnn Tirnsn „Tretet ein mit Dankeshymnen in Seine Thore, lobpreisend in seine Vorhöfe!" und sie haben sich diese Worte vorübersetzt in die Sprachen des Aufgangs und des Niedergangs und haben sich hier zusammengefunden aus Mittag und Mitternacht, der großen Mahnung zu folgen. Bald wird das Gotteshaus sich öffnen und dann wird nicht Sprache, nicht Herkunft mehr diese Fremdlinge trennen. In ZionS ewiger Zunge wird an Alle der Gruß ergehen: „Heil den Bewohnern Deines Hauses! immerdar preisen sie Dich, Sela!" Und sie verstehen einander und sie fühlen sich alS die Genossen eines großen geistigen Bundes, in zwei Welten zerstreut und doch nur Ein Stamm, nur Eine Familie. O seliges Gefühl deS wandernden Juden, das mit einer Weltlust den großen Weltschmerz in seinem Busen aufwiegt, wenn er an den Ufern der Donau wie deS Ganges, am Strande der Themse wie deS Ril den einen unwandelbaren GotteSgruß vernimmt; und dreimal selig, wenn sein Gegengruß nicht schwächer und kalter tönt! Stamölau, 21. August. (Privatmitth.) Als die so schonungslos verheerende Cholerakrankheit in unserer Provinz wieder aufs Neue heftig auftrat, und unsere Gemeinde durch ihr Herannahen sich von derselben bedroht sah, da traf sogleich unser löblicher wackerer israelitischer Vorstand Rettungsanstalten zur Hülfe der Armen. ES wurden in der Stadt sowohl als auch in deren Vorstädten SectionSzimmer zur Rettung und Hülfeleistung der Armen, ohne Unterschied der Confessionen, errichtet. Durch daS wöchentliche Spenden der israelitischen Gemeindemitglieder fiel jeder Section ein wöchentlicher Betrag von 200 Fl. C.-M. zu, wodurch dieselbe mit allen nothwendigen Heilmitteln, Aerzten und Rettungsleuten besorgt wurden. Als am Anfang dieses Monats die Krankheit wirklich zu wüthen anfing, gereichte es zur wahren Freude, wahrzunehmen, daß durch die getroffenen Anstalten, wenn auch nicht alle, doch viele Opfer den Klauen dieser giftigen Krankheit entrissen wurden. ES blieb aber nicht bei dieser Wohlthätigkeit allein, sondern man sorgte auch für die gesunden Armen, damit dieselben wenigstens während der herrschenden Krankheit im Stande sein sollten, eine bessere Lebensweise und Diät beobachten zu können. Und kaum ist die Aufforderung von Seiten deS löblichen Vorstandes an unsere Glaubensbrüder ergangen, da eilte Alles, waS nur geben konnte, vom glühendsten Eifer der Nächstenliebe beseelt, herbei, um sein wo: -»i-ns darzubringen, manche Unbemittelte sogar gaben ihre sogenannte Krone deS Gebetmantels (mba ba n-ia?) weg, um sich nicht von dieser Wohlthätigkeit ausgeschlossen zu sehen, und in einigen Stunden lag schon aus dem Altäre der Bruderliebe der nicht unbeträchtliche Betrag von 2565 Fl. 35 Kr. C.-M. Man nahm alsbald die Vertheilung desselben unter die Armen vor, und es war rührend mit anzusehen, wie so viele erquickte Herzen ihren Dank und Segen mit nassen Augen darbrachten. ES wurde auch ein Theil davon der löblichen Kreisbehörde zur Vertheilung an arme Christen übergeben, bei welcher Gelegenheit der sehr beliebte, humane Kreisvorsteher Herr Georg Benjamin v. Osterman in Gegenwart deS BeamtenpersonalS diesen Act der Nächstenliebe mit rührenden Worten hervorhob, und seine innigste Zufriedenheit und Wohlwollen unserem Vorstande auSdrückle. Wahrlich! bei solcher Handlung der Menschlichkeit muß doch auch die böse Lästerzunge eines P... verstummen und zu Schanden werden. Nicht minder vergnügt äußerte sich der hiesige hochgeehrte Herr KreiSphysikuS, als er unser JnspectionSzimmer besuchte und die in der größten Ordnung getroffenen Anstalten wahrnahm. „Wahrlich!" ries er aus, „ich kann nicht umhin, bei Ihnen die gottgefällige Wohlthätigkeit der Menschlichkeit und die glühenden beseelten Herzen Ihrer Glaubensgenossen in Anbetracht des kalten Betragens meiner christlichen Brüder wahrnehmen, ohne Ihnen, meine Herren, den herzlichsten Dank dafür zu zollen, und eS gereicht mir zur wahren Freude, diese edle Handlung höchsten OrteS zur Kennrniß bringen zu können." Und so möge denn Dieses auch wirklich höchsten OrteS Anerkennung und Berücksichtigung finden, um uns auch mit der Gleichberechtigung beglückt zu sehen! Frankreich. Paris, im September. (Nach lhe Ken d’Isr.) Der Großrabbine Ulmann erläßt eine Aufforderung zu Sub- 38

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