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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-17 · Heft 38 (17.9.1855) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 38 (17.9.1855)
Date
1855-09-17
Page
Seite 487 (sequence 7)
Language
German
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487 des Allerheiligsten sind kunstvoll aus buntem Glase gearbeitet. Der Anstrich der Chöre, sowie der Sitze ist in quadrirter Weise eichenfarben. Der sonstige innere Schmuck der Synagoge durch silberne Bekleidung, silberne kolossale Armleuchter und Kronen, ist kostbar und geschmackvoll, wie überhaupt das Ganze einen im Allgemeinen wohlthuenden Eindruck macht. Die obere Leitung deS Baues ist nach dessen Anschlag und Zeichnung dem K. Baurath Knoblauch übertragen gewesen. Da der ganze Umbau nur etwa drei Monate in Anspruch genommen hat, so ist in dieser kurzen Zeit wirklich Erstaunliches geleistet worden. Oesterreichrscher Kaiserstaat. Wien, im August. (Wiener Briese I., von H. Zirndorf.) Seit meinen letzten Mittheilungen aus München sind fast vier Monate verflossen, und eS ist die höchste Zeit, daß ich wieder zur Feder greife, um bei Ihnen und Ihren Lesern nicht zu den Verschollenen geworfen zu werden. Doch ein aufmerksamer Reisender beobachtet viel, und ohne daß der Postbote ihm die gebundene Tagesgeschichte inS Haus trägt, giebt ihm Klio in leibhaftiger Gestalt manche inhaltreiche Lection. Denn diese classische Göttin verschmäht eS nicht, in Eisenbahnwaggons, Bahn-, Gasthöfen und anderen Instituten unserer bequem realistischen Zeit ihren Lehrstuhl aufzuschlagen und im modernsten Professorengewande ihre Vorträge zu halten. ES versteht sich von selbst, daß ein fahrender Schüler, der die Hochschule eben bedauernd mit dem praktischen Leben vertauscht, gleichwie zur Heilung seines Heimwehs den Hörsal der classischen Dame besucht und ihre Vorlesungen nicht versäumt. Und so werde denn auch ich eS wagen, die Reiseliteratur und die Spalten dieser Blätter mit einigen Skizzen zu vermehren, die ich aufgesammelt, nicht in Indien, noch am Hudson, sondern in dieser und jener Stadt Deutschlands, als ich müßig am Markte stand, die fremden Menschen und Wohnsitze beschaute, mit Bildern und Statuen geflügeltes Zwiegespräch tauschte oder mir von Asmodeus die Schwingen borgte, um in das Innere der Wohnungen einen forschenden Blick zu thun und zu schauen, wie man in der Fremde lebt und webt. Für heute gelten meine flüchtigen Aufzeichnungen nur einigen Erscheinungen aus dem bunt bewegten jüdischen Leben der österreichischen Metropole, ohne Ordnung und Rang aus den Schlupfwinkeln meines Gedächtnisses und meiner Tagebücher aufgegriffen. So weit glaube ich denn doch mich bereits in den neuen Aufenthalt hinein gelebt zu haben, daß das dichteste Dunkel vor meinen Blicken verschwunden und das neue Leben vor mir Umrisse und Gestalt gewonnen. Ob ich Ihnen viel und wesentlich Neues werde mittheilen können, ist freilich eine andere Frage. Jndeß, was liegt daran? Der Eindruck, den bekannte Zustände auf einen Neuling machen, ist nicht zu verachten: sind es flüchtige Erscheinungen deS Tempels, so gönne man ihnen eine kurze Erwähnung, sind sie bedeutend und dauernd, so lassen sie sich recht gut unter einem neuen Gesichtspunkte betrachten und anhören. DaS jüdische Leben der Hauptstadt ist in seiner heutigen Gestalt ein neues, ja ein gestriges. Unter der milden Aegide eines duldenden Zeitgeistes strömen seit Jahren ganze jüdische Colonien hieher, wo noch vor wenigen Jahren die traditionelle Toleranz Josephs II. geringe Fortschritte gemacht und die jüdische Bevölkerung fast nur auf einige vornehme Familien beschränkt, die durch Alter, Reichthum oder Intelligenz sich ein herkömmliches Recht des Aufenthaltes erworben halten. Diese neuen Elemente von Böhmen, Mähren, Ungarn, Polen, Deutschen und Orientalen bilden nun ein gar bunteS, chaotisch verworrenes Ganze. Ueberall zeigt sich das frisch gährende Leben von heute, das sich auch in den übrigen Zuständen dieser großen Monarchie offenbart. Die Verbindung so verschiedenartiger Volksbeftandtheile ist vorerst nur eine äußere, mechanische; die Zeit muß sie erst chemisch und organisch vereinen. BiS zur Unzahl steigert sich vor Allem die Zahl der Fremden, die jeder Bahnzug, jedes Dampfboot in die Mauern Wiens führt. Tausendfach gespalten wie daS menschliche Schicksal sind die Interessen jener Ankömmlinge. Den führt der völkernährende Handel, Den die länderverbindende Industrie hieher, wodurch diese Riesenstadt auch ohne ihren sonstigen Rang ein weites Reich beherrscht; jener Jüngling will an der Hochschule den Aganippenquell der Weisheit trinken; ein anderer steht müßig am Markte, erwartend, wer ihn und die rüstige Kraft seiner Arme dingen werde. Jener Greis in Silberhaaren mit dem wallenden Barte ist gewiß ein Rabbi aus Galizien, der neue Halachoth über irgend einen Tractat des Talmud geschrieben. Die Mappe

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