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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-10 · Heft 37 (10.9.1855) · p. Seite 476

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 37 (10.9.1855)
Date
1855-09-10
Page
Seite 476 (sequence 8)
Language
German
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476 cher Menschenliebe schlagen mögen, und der Jude nicht mehr Verstoßen werde, weil er Jude ist! N. Rackwitz.*) OesterreLchischer KaLserstaat. Wien, 19. August. (Privatmitth.) Auf Veranlassung deS Vorstandes wurde in letzter Woche sür den in Paris Verstorbenen Freiherrn Salomon von Rothschild ein Trauergottesdienst im Tempel gehalten. Der Verewigte hat sich hier durch sein edleS Herz viele Freunde und Verehrer erworben. Die hiesige Gemeinde als solche hat zwar nichts von ihm, das seinen Namen tragen würde. Er hat sich auch im eigentlichen Sinne nicht zur hiesigen Gemeinde gezählt; aber die Wohlthätigkeitsanstalten der hiesigen Gemeinde hat er stets großmüthig bedacht, und wo man seine Hülfe in Anspruch nahm, hat er sie nicht versagt. In den Zeiten des Druckes hat er durch seine Dazwischenkunft so manches zum Heile unseres Volkes bewirkt. Ich führe Ihnen nur ein kleines Factum an. Vor dem Jahre 1848 kam zur Polizei-Ober-Direction ein neuer Beamter ^b-a np-n •cnrs und mit diesem vzrnTa itnnns. Schaarenweise wurden die Juden ausgewiesen. Herr Mannheimer wendete sich an den Baron und dieser ließ den Herrn zum Diner einladen. Nach Tische, in heiterer Stimmung, legte der Baron ein gutes Wort für seine Glaubensgenossen ein und die Ausweisungen hörten auf. Große Verdienste hatte der Verewigte um den Staat. Er hatte sich bei den größten Finanzoperationen Oesterreichs betheiligt und er war der Gründer der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn. Wir haben keinen andern Wunsch, als daß seine Nachfolger hier in gleicher Weise wirken möchten. Der Gottesdienst bestand in dem Minchagebet, zwei Psalmen und einem deutschen Liede. Der Herr Rabbiner Horwitz sprach ein hebräisches Gebet und Herr Religionslehrer vr. Wolf hielt die Rede, worin die Verdienste des Verewigten hervorgehoben wurden. Gestern wurde ein feierlicher Gottesdienst im Tempel bei Gelegenheit des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers gehalten. *) In meinem jüngsten Artikel in Nr. 33. muß es heißen: „der Gottesdienst ist so, wie ihn die Frommen!! wünschen" — nicht: „die Frauen!" In letzter Woche ist der ConcurS für die ausgeschriebenen Stellen am neuen Bethause zu Ende gelaufen. Wie ich höre, haben sich für die Predigerstelle 28 Candidaten gemeldet. Die Herren Aspiranten mögen sich übrigens gedulden, es dürfte vor Anfang des Winters kaum über diesen Gegenstand etwas verhandelt werden. Zum Theil der Sommer mit dem Landaufenthalte, zum Theil die Cholera jagt Alles weg. Freilich kann man jetzt sagen tvon ‘fVBTa rr:rr. Leider herrscht die Krankheit überall. Möge Gott in seiner Gnade bald diese Geißel von unS abwenden. Frankreich. Marseille, im August. (Privatmitth.) DaS hiesige Consistorium hat einen Bericht über die besonderen Sammlungen durch den Großrabbinen Herrn M. O. Cahen zu Gunsten der vier Gemeinden im heiligen Lande innerhalb des ConfistorialsprengelS aus den Jahren 1842 bis 1852 drucken lassen. Die Gesammtsumme beläuft sich auf 12,617 FrcS. (3364 Thlr.), die durch einen eigenen Cassirer und eigene Vermittler an die Armen deS heiligen Landes gelangten, und zwar "/rs für Jerusalem, 7/2s für Lasset, 6/2s für Hebron, */28 für Liberias. Mühlhausen, im August. (Privatmitth.) Wir lassen dem warmen Eifer des Herrn Rabbinen Dreyfuß alle Gerechtigkeit widerfahren, aber eben die Wärme seiner Empfindungen reißt ihn oft zu Ansichten fort, die nicht allein extrem, sondern auch dem Judenthume widersprechend find. Die Nr. 3. seines Lien d’Israel enthält eine „Antwort" aus die schon besprochene „Ansprache an das Haus Israel" von Petavel. Da sagt unter Anderm Herr Dreyfuß: „Wir theilen die Meinung nicht, daß daS Judenthum Feind der Bekehrungen ist und die Einheit des Glaubens nur unter seinen Anhängern erhalten will. Nach unsrer Ansicht ist der Proselytismus daS Siegel jeder Religion, die einen göttlichen Ursprung beansprucht; denn es wäre der Gipfel deS Egoismus, oder deS Stolzes oder seiner eigenen Schwäche, sich mit einer chinesischen Mauer zu umgeben, um nicht herauszulaffen, die sich darin befinden, und nicht den Eingang zu gestatten denen, die sich draußen befinden. Die Geschichte ist übrigens da, um diese Behauptung Lügen zu strafen, die erst aufkam seit der Entartung der modernen Synagoge, seit der Abschwächung des star-

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