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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-10 · Heft 37 (10.9.1855) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 37 (10.9.1855)
Date
1855-09-10
Page
Seite 474 (sequence 6)
Language
German
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474 tigung gefunden durch folgende seinsollende Widerlegung in unserer hiesigen Correspondenz vom 3. September. Der Artikel lautet: „Altona, den 1. September. Die preußische Correspondenz brachte neulich einen Bericht über die Undankbarkeit, welche Sir M. Montefiore von seinen Glaubensgenossen bei seiner Anwesenheit in Jerusalem zu Theil geworden sei, weil er nicht, wie früher, mit Almosen, sondern durch Colonisation für ihre dauernde Eristenz Sorge tragen wollte. Nach derselben Correspondenz drohte dem edlen Sir M. Montefiore hierfür sogar ein Cherim, d. h. Anathema der Synagoge. Wir sind nach authentischen Berichten aus Jerusalem ermächtigt, diese Angabe, gelinde gesagt, für Unwahrheit zu erklären. Allerdings herrscht unter den Juden Jerusalems eine nicht geringe Entrüstung darüber, daß Sir M. Montefiore auf der allerheiligsten Stätte, die nach jüdischen Gesetzen nicht betreten werden darf und von keinem Juden bisher betreten wurde, ohne Scheu umhergegangen; keineswegs ist aber der Cherim über ihn ausgesprochen worden, und waS die persönliche Achtung betrifft, so genießt Sir M. Montefiore dieselbe nach wie vor bei seinen Glaubensgenossen, und werden selbige in ihrem großen Elende jede Hülfe, wodurch fie ihre Eristenz nur theilweise gesichert sehen, mit der größten Dankbarkeit annehmen. Den unziemlichen Ausfall gegen die Juden Palästina's im erwähnten Bericht über- Hospirals vermacht hat. Sir Moses wünscht auch für das Land seiner Väter dauernden Nutzen zu stiften und hofft seine Stauungen offen zur Colonisation desselben zu veranlassen, zu welchem Behufe er Fermane von der Pforte mikgebracht hat. Auf die Ebene Rephaim ist besonders sein Auge gerichtet. Die hiesigen Juden aber ziehen eine, wenn auch noch so schmutzige und elende, arbeitslose Eristenz dem im Schweiße des Angesichts zu genießenden reichlichen Brote vor, und da Sir Moses diesmal nicht seine Almosen, wie bei seiner früheren Anwesenheit, baar vcrtheilr, sondern sie nur zu gemeinnützigen Anstalten zu verwenden bcasichtigt, so droht ihm ein Cherim, Anathema der Synagoge, wie cs im vorigen Jahre auch über den Abgesandten Rothschilds, Herrn Cohen, ausgesprochen worden ist. Den Vorwand nehmen die eigennützigen Rabbiner jetzt von einem Besuche Sir Moses in der Omars- Moschee; woselbst er die Stelle des Allcrheiligstcn im alten jüdischen Tempel mit ungewcihten Füßen betreten haben könne. So sind sich die Juden in diesem Lande immer gleich geblieben, und wie die Propheten früher in ihren heilsamen Bestrebungen scheiterten, so auch die Herren Cohen und Montefiore. gehen wir mit Stillschweigen, da er sich selbst zur Genüge schlägt." Nun, daß der Cherem nicht laut verkündigt worden ist, und daß die Glaubensgenossen in ihrem großen Elende die spendende Hand nicht zurückstoßen werden — wozu ja eine Nidduy - Erklärung nöthig wäre — das glauben wir dem Altonaischen Herrn Nassi de-Erez Israel leicht. Sind uns ja in Europa, ja in Deutschland solcher bloS mündlich rnippi Ysch leysch fortgepflanzte Anathemas, als geheimer Sinn von öffentlich ganz katzenpsötlich ausgesprochenem brüderlichen Tadel hinlänglich bekannt. Wir wissen nicht, wie viel deutsche Sprachkennlniß dem edlen Altonaer zu Gebote steht, sonst könnte man leicht in seiner Entgegnung eine sehr diplomatische Zweideutigkeit finden: das kann indeß Zufall fein, aber eingeweiht ist der Herr jedenfalls in die Sache, und so auch seine Genossen, unter denen wir alle Diejenigen verstehen, die von dem „großen Elende" der Juden in Palästina noch recht lange Plaisir haben möchten. So lächerlich die ganze Geschichte auch ist, so hat dieser Sir Moses doch die Lection verdient, denn er hat — freilich mit einem verrosteten, aber doch von ihm damals für kraftvoll gehaltenen Stabe — geschlagen, wo er höchstens reden und zureden durfte, er hat als eine stets milchgebende Kuh jederzeit alle TartüffeS, SpeculationSfanariker und plärrende Ignoranten an sich gezogen und aufgefüttert und dem Theile seiner Nation, von dem er selber weiß, daß er nicht der schlechtere ist, ein Scliimrn 'u na ha-Morim zugerufen, statt deren ihm offen entgegengestreckte Hand zu gemeinschaftlicher Wirksamkeit zu ergreifener verdient diese Lection. Vielleicht geht er noch in sich, und erkennt in seinen alten Tagen, waS er freilich ohne große Gelehrsamkeit längst hätte ermessen können, daß ohne religiöse Aufklärung, ohne religiöses Aufräumen auch kein industrieller, kein bürgerlicher Fortschritt möglich ist. DieS näher auszuführen, ist für heute nicht nöthig. *) Hier hat der Senat einem deutsch-israelitischen Gemeindegenvssen, der die Wahl zum Gemeindevorsteher hartnäckig ablehnte, die Alternative gestellt, auf seiner Weigerung zu beharren, oder 300 Mark Strafe an die Armen der Gemeinde zu zahlen. ES ist in *) Näheres werben wir noch in nächster Nummer mittheilcn. Die Redaction.

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