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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-10 · Heft 37 (10.9.1855) · p. Seite 473

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 37 (10.9.1855)
Date
1855-09-10
Page
Seite 473 (sequence 5)
Language
German
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473 spräche kennt, keineswegs einen angenehmen Eindruck, zumal hier in Hamburg, wo sowohl bei Deutschen als Portugiesen die Vorlesekunst so recht mit Virtuosität getrieben worden ist. Für den Kenner ist eS z. B. kein geringer Genuß, die poetischen Stücke vaichi, Schira, baasinu u. s. w. von dem portugiesischen Chasan Caffuto vorlesen zu hören, und selbst im Tempel werden die drei Paraschot von wp nach der portugiesischen Cantilene vorgelesen, bei jedem Gottesdienst sehr gern gehört. Gegen die Todtenfeier des Tempels, welche im Wesentlichen in sehr vielen Synagogen nachgeahmt ist (so daß sogar der für das hiesige Tempelgebetbuch von M. I. Bresselau verfaßte Zwischensatz by «■9^122 b* **) fast überall schon eingebürgert ist), wäre Manches zu erinnern; denn warum jetzt in diesen Beziehungen dicker auftragen, als eS die Borvordern 1haten? Inzwischen ist nicht zu läugnen, daß hier einem achtungswürdigen Gemüthötriebe entsprochen wird, und so möge eS hingehen. Praktischer Nutzen für den Kirchenbesuch ist auch zu berücksichtigen, obgleich es ein wenig beschämend ist, wenn Leute, die daS ganze Jahr hindurch nicht an den Tempel denken, zu dieser Ceremonie sich einstellen und bald nachher wieder fortgehen. Indessen entsteht bisweilen ein i-mvb aus dem sb. Eben so geht eS mit dem Kaddischsagen, an welchem jedesmal ein, zwei, ja drei Minjanim männlicher Personen Theil nehmen, da außer den Leidtragenden auch Diejenigen sich dazu einstellen, die im Laufe der Woche Zahrzeit — bei jüngern Leuten meist nach dem bürgerlichen Kalender gerechnet — gehabt haben. Auch Frauen und Mädchen stellen sich zu diesem Zwecke ein und sprechen den Kaddisch auf ihren Stellen leise mit. Obige zerstreute Betrachtungen sind Ergebniß einer vierzigjährigen Erfahrung und dürften als solche den Epigonen nützlich sein. WaS aber die Hauptlehre ist, die für die freier denkenden Juden aus der Art des Bestehens des hiesigen Tempels fließt, so heißt sie: thuet recht, d. h. thut, waS ihr nach den adoplirten Grundsätzen vor euch selber verantworten zu können glaubt, und scheuet Niemand, d. h. quält euch nicht um den Beifall resp. Beitritt der sogenannten Frommen, weder der allen überzeugungsireuen, noch der neuen geld- und machtbegierigen Comödianten. ES hat wohl kaum je eine zahmere Reform gegeben, als die des hiesigen Tempels inclusive seiner ephemeren Vorgänger, deS Behr'schen und deS Jakobson'fchen Tempels in Berlin — dennoch stehen jene heute noch dagegen mit denselben, freilich noch viel stumpfer gewordenen Waffen als dazumal. Sie haben noch heute dieselben Allianzen mit den antireligiösen Juden, mit den sie nicht durchschauenden christlichen Orthodoxen und Mystikern, und mit judenfeindlichen Regierungsbehörden. Laßt sie ihren lasterhaften Gang gehen, bemitleidet sie und helfet ihnen im Unglück, aber trauet ihnen nicht. Wenn sie könnten, was sie gern möchten, dann würden sie unS böse Dinge zeigen, aber zum Glück können sie eS nicht. Dies bringt mich auf eine, freilich wenig wahrscheinliche Zeitungsnachricht. Sir Moses Montefiore soll in Jerusalem, vermuthlich insgeheim, in Cherem gestellt sein! Das wäre freilich eine Strafe an dem, womit er gesündigt hat, crrby nx *rax ima.*) Zugleich müssen wir hier vor der öffentlichen Meinung der Leser dieser Zeitung um Gnade bitten für die neulich hier beschuldigten Herren Adler in London und Hirsch in Frankfurt. Ersterer hat allerdings in Sachen der Copulation der reichen Miß Goldsmid kleiner beigegeben als früher, wo von unbemittelten Leuten die Rede war, und Letzterer hat in Oldenburg Simonie getrieben; aber dafür sieht in Hirschens Choreb, da, wo er so rührend als treffend nachweift, daß Barmherzigkeit gegen gewisse Leute nicht geübt werden dürfe (2n-,b -112«), zu lesen, daß Sünden, zu denen der Vortheil gelockt hat, leicht verzeihlich sind. Hamburg, 3. September. (Privatmitth.) Die unter gebührendem Vorbehalt mitgelheilte Nachricht wegen des gegen Sir Montefiore in Jerusalem gerichteten Anathemas*^) hat eine unerwartete Bestä- *) Sollte Liese Nachricht dennoch begründet sein, so waren es gewisse Heilige an der Nordsee und im Reich, die sich von dem Verdacht der Anstiftung zu reinigen hätten: freilich nicht gegen uns Epikurßinn — denen das ganze Treiben verächtlich ist. Corresp. **) Die betreffende Zeitungsnachricht lautete: Sir Moses Montefiore befindet sich seit vierzehn Tagen hier und wohnt in Zelten unter der hohen Tcrebinrhc von der Westccke der Stadt. Er hat bedeutende Geldmittel zur Hebung der jüdischen Bevölkerung Palästinäs mitgcbracht, unter Anderem einen Betrag von 12,000 Lstr., welchen ein Amerikaner zu Gunsten eines hier zu begründenden

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