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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-10 · Heft 37 (10.9.1855) · p. Seite 471

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 37 (10.9.1855)
Date
1855-09-10
Page
Seite 471 (sequence 3)
Language
German
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471 messen. Hat die jüdische Gemeinde — geschweige gar der jüdische „Geistliche" — das Recht, zu sagen: vermöge dieses Acts nehme ich Dich als mündiges Mitglied von Kelal Jahadit an, wo nicht nicht? Nein, dies Recht hat sie nicht, eben so wenig als irgend ein Beamter oder eine Gemeinde sagen kann: ich nehme dies Kind vermöge oder ohne die Beschneidung ins Judenthum auf, oder: ich vollziehe diese Copulation. Der Jude, seine Ehe, seine Mündigkeit u. s. w., das sind alles Raturproducte, ganz allein Werke deS Herrn der Natur, der bei uns keinen Stellvertreter hat.*) In unserm TempelcultuS hat sich die Abwechselung von hebräischen und deutschen Stücken ganz wohl bewährt; doch werden die deutschen Stücke, zumal die längeren, leicht langweilig und müssen mindestens hin und wieder mit componirten Kraftversen durchschossen oder in Responsorien eingerichtet werden. *) Unser hochgeschätzter Mitarbeiter gestatte uns, zu bemerken, daß wir hierin seiner Meinung nicht sind. Confirmation heißt Befestigung — nicht -Aufnahme — demnach wäre dieser Act von vorn herein falsch aufgefaßt, wenn man ihn als eine Bedingung, ohne welche der Jude kein Jude sei, hinstcUre, als wenn überall mit der Confirmation ein Eintritt in das Judcnthum statt fände! Die Confirmation ist ein Act, durch welchen die religiöse Mündigwcrdung auf eine nachdrückliche Weise ausgesprochen werden soll, so daß der Confirmand auf Grund eines schließlichcn Religionsunterrichts zu erkennen gicbl, daß er religiös selbstständig geworden, und hierbei von Seilen der Religion eine feierliche Mahnung und Segnung (ich sage nicht „Einsegnung") erhält. Es ist demnach nichts weiter, als eine neue, andere Form für N'LN na, da die hergebrachte Form cindruckslos geworden. In dieser Bedeutung ist die Confirmation von großer Wichtigkeit, und meine drciundzwanzigjährige Erfahrung hat mich belehrt, daß der Wegfall derselben mitten in Len neueren Verhältnissen ein großer Verlust sein würde. Freilich! ist cs ein Mißstand, wenn der Act eben nur von einer kleinen Fraction in einer großen Gemeinde, wie Hamburg, angenommen worden, oder vielmehr in der Tempclgemcinde wieder nur von Einigen, während der große Haufe nichts davon weiß. In mittleren Gemeinden lebt sich aber die Confirmation so ein, daß die Eltern ihre Befriedigung darin finden, indem sie damit der Pflicht des genügt zu haben empfinden, die Jugend selbst aber den Abschluß der Kindheit darin sucht. Für das Allgemeine ist sie zugleich ein erbaulicher Gottesdienst, und den festzuhalten ist bei dem geringen culrucllcn Bcdürfniß nicht unwichtig. Redact. Die Einführung der sogenannten portugiesischen Aussprache deS Ebräischen hingegen hat sich sehr bewährt. Die moderne Welt, möchte man sagen, ist dadurch inne geworden, welch ein edles, singbares, wohlklingendes und nebenbei prosodisch geordnetes Idiom die Sprache deS allen Testaments ist. Es möchte wenig Sprachdialekte geben, für welche sich so gut componiren ließe, da eS darin nur einfache Sylben giebt, die entweder offene, oder durch einen einzigen Consonanlen, zumeist einen fließenden, geschloffene: und dabei durchgehendS nur Helle, reine, mit keinem dumpfen Diphthong vermischte Vocale! Es laßt sich nicht läugnen, daß die deutsch-polnische Pronuncialion häufig dem Fluch deS Lächerlichen unterliegt, und daß sie prosodisch so corrumpirl ist, daß es den darin ausgewachsenen Männern beim besten Willen kaum möglich ist, längere Sätze nach den grammatischen Regeln herzusagen. Dies ist so augenfällig, daß damals, als der Tempel gestiftet ward, die Einführung dieser Pronuncialion von Freund und Feind als etwas völlig Selbstverständliches betrachtet und wohl kaum irgend einer Deliberation unterzogen wurde. Deshalb findet sich hier beim Tempelpublikum nicht die Scheu vor dem Ebräischen, mit der so viele junge Juden behaftet zu sein behaupten. Deswegen nehmen auch die jüngeren sowohl als älteren Damen an den Tagen, wo sie überhaupt anwesend sind, mir Vergnügen an den hebräischen Chorälen und Responsorien Theil, und es finden sich nur wenige, die beim Religionsunterricht nicht auch Ebräisch lesen lernen. Wäre es nicht der Fall, daß gerade an den hohen Festtagen nur wenige Fremde unfern Tempel besuchen, so würde diese Vortragsweise auch nothwendig viel weiter verbreitet sein. Daß dadurch auch ein starkes Mittel gegen daS halbhebräische Jüdeln errichtet würde, liegt auf der Hand, auch schon darum, weil die Jugend, an eine elegante und correcle Aussprache gewöhnt, überall suchen wird, waS bei der deutschen Nation überhaupt, gegenüber Franzosen, Italienern und Spaniern, so sehr vernachlässigt ist, nämlich die Muttersprache immer elegant zu pronunciren und zu reden. Und so sehen wir denn auch, daß die portugiesischen Juden in London, in Amsterdam und in Hamburg, so wie die italienischen Juden sich in der Aussprache der Landesidiome durchgehendS nicht von den übrigen Einwohnern unterscheiden, wie die i Masse der deutschen Juden. Auch finden wir keine 37*

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