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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-02 · Heft 36 (2.9.1855) · p. Seite 466

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 36 (2.9.1855)
Date
1855-09-02
Page
Seite 466 (sequence 10)
Language
German
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466 Schwarzmann aus München, die Candelaber von Junge und Walther in Frankfurt, die in byzantinischem Styl reich geschnittene Kanzel vom Bildhauer Dichlmann aus Frankfurt, die Orgel von Walker u. Comp. in Ludwigsburg. Es zeichnet sich diese aus 24 Registern bestehende Orgel, die Schenkung eines Ungenannten, eben so sehr durch den schönen kräftigen Ton, als die auf Räumlichkeit und Raumersparniß berechnete neue Consiruction aus, indem sie, um das Licht der Rosette an der Dordcrfacade nicht zu decken und dem Chor einen passenden Platz der Aufstellung zu lassen, in zwei Hälften construirt werden mußte. Die gemalten Fenster rühren her von Hirschvogcl in München, die Stcinhaucr- und Maurerarbeit von Lavcr Hoffmann dahier, die Bildhaucrarbcit der Facade und Capitälcr von I. C. Korwan d. ält. dahier und Bänke und Kanzel (im Rohen) von Küstner dahier. Ein besonderes Verdienst um die sogenannten Hciligthümcr, die meist von hohem Alter und Werth, nämlich: die ewige Lampe vor dem heiligen Schrein, die sicbenarmige bei der Orgel, die Thora-Aussätze, die heiligen Gcräthe, womit die Thora verziert ist, eine reiche mit Steinen besetzte Krone u. s. w. — erwarb sich auch Silberarbcitcr Nadenheim dahier, indem er die gedachten Silbcrgeräthschaftcn, die durch den Gebrauch von Jahrhunderten in Aussehen und Form verdorben, in dem ursprünglichen Styl wieder hcrstellre. Zum ehrenden Andenken für alle Zeit folge hier ein Verzcichniß der der neuen Synagoge gewordenen Stiftungen oder Gaben der Liebe, nämlich: die schon oben genannte Orgel, Geschenk eines Ungenannten, ein massiv goldener Becher, antik und mit Emblemen und Bildern der Bibel versehen, von der Familie Mayer, Erbstück des Urgroßvaters Elias Hayum; die ewige Lampe von Silber in altem Styl und der circa 9 Fuß hohe Candelaber mit 13 Flammen an der Estrade-Einfassung des heiligen Schreins von Joseph Hohcncmscr; der damit corrcspondirende vom Vcrwaltungsrath des weiblichen Krankenvereins der israelitischen Gemeinde; zwei Vorhänge von rothcm Sammet an der Sakristei- und der blinden Thürc gegenüber von Samuel Jonas Darmstädter und Frau; sechs Kerzencandclaber zunächst bei den Thorarollen, je zwei von Salomon Aberle, Nauen jun. und Veit Mehler und Frauen; die Kanzel von Herrmann und Seligman Ladcnburg nebst Frauen; der große Teppich vor der Estrade des heiligen Schreins von Gebrüder Juda und David Karlebach; erwartet wird in circa 3 Wochen ein noch nicht ganz vollendeter Thora-Vorhang von rothem Sammet mit reicher Goldstickerei im Werth von circa 1500 Fl. von den Frauen und Jungfrauen der Gemeinde; gespendet wurden ferner: zehn Wandcandelaber von je sechs Flammen von 0r. Ladenburg, Jonas Darmstädter, Amalie Mayer, Joseph Nöthcr, Jak. Rosenthal, Gebrüder Simon und Moriz Lenel, Gebrüder Rudolph und Mar Mayer, Heinrich Trauman, Eduard Trauman und August Trauman; ferner eine steinerne Almosenbüchse von Jos. Heymann und Frau und eine zweite von Herrm. Nöther und Frau. So rührt demnach der ganze Beleuchlungsapparat, mit Ausnahme der ncunarmigen Minora und der der zehn Galerie-Candelaber, von Gaben der Liebe her, wie überhaupt fast der ganze reiche Schmuck des innern Tempels. So wie der Bau, so ist die gottesdienstliche Einrichtung den Erfordernissen der Zeit entsprechend. Die Gebete, obgleich geschöpft aus den seit Jahrhunderten bei den Israeliten gebräuchlichen Gebetbüchern und größtentheils auch unverändert beibehaltcn, find ins Deutsche übersetzt dem Urterte beigegeben und verherrlicht durch feierliche Choräle und die erhebenden Klänge der Orgel. Der Stadtrabbiner Präger, erst seit sechs Monaten der Gemeinde angchörend, hat diese durch seine gediegenen Vorträge und Predigten in einer Weise jur sich gewonnen, daß er ungetheiltc Verehrung genießt. Daß er der rechte Mann, der Mann seines Berufs, dürfte wohl am deutlichsten daraus hervorgchcn, daß cs ihm gelungen, die in anderen israelitischen Gemeinden vorhandene Spaltung in zwei Lager hier zu vermeiden und in dem neuen Gotteshause alle Glieder einig zusammen zu führen, ihn zu einem Tempel der Einigung und Vereinigung zu machen. Vorbereitet auf diese Weise sah man sowohl hier als auswärts dem Tage der Einweihung, dem 29. Juni, mit Spannung entgegen; und cs ist begreiflich, daß der Raum der neuen Synagoge nicht ausreichte, um den vielseitigen Wünschen der Betheiligung an der schönen Feier zu ge- Der Synagogenrath hatte Einladungen an sämmtliche Geistliche, die höhern Civil- und Militairbcamten der Stadt u. s. w. erlassen, welchen größtcnthcils entsprochen wurde. Aus der Gemeinde selbst wurden für sämmtliche Männer, Frauen, Söhne und Töchter Plätze eingerichtet und die ganze Schuljugend nahm unter der Leitung ihrer Lehrer Anthcil an deur Feste der Einweihung. Um 6 Uhr Abends nahmen die Mitglieder des aus 90 Personen aller Stände der israelitischen Gemeinde

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