Mannheim
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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-02 · Heft 36 (2.9.1855) · p. Seite 465

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 36 (2.9.1855)
Date
1855-09-02
Page
Seite 465 (sequence 9)
Language
German
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465 gewählt werden können. Eine Revision des Schulchan Aruch! Durch wen? Für wen? Tausend Fragen und Bedenken bei fast jedem Paragraphen! Ein Amerikanischer Minhag — eben der eisernen Autorität des Buchstabens entkommen, sich gleich wieder eine neue schmieden! Und abermals: für wen? für die orthodoren Synagogen? für die reformirten? Beide bedanken sich — also für die in der Mitte Schwebenden , die doch nach kurzer Zeit weiter gehen wollen. Aber nun gar Bildung eines ConsistoriumS! Durch wen? Für wen? Mit welcher Gewalt, mit welchen Mitteln ausgestattet? TodtgeborneS Kind! Seid froh, daß Ihr keine hierarchische Gewalt habet, und schaffet Euch Autorität durch den Geist, aber nicht durch Nachäffung und Rang. ES thut uns leid, so absprechen zu müssen, man wird es uns drüben verübeln — aber wir bedauern eS zu sehr, daß unsre Collegen über das Meer sich so compromiltiren. Irren wir übrigens, so wollen wir eS später gern gestehen. Die Redacr.) Correspondenz. Die neue Synagoge zu Mannheim. Mannheim, 15. Juli. Ich übersende Ihnen anbei einen Bericht über die hiesige neue Synagoge, wie er zum größten Thcile im „Mannheimer Untcrhalrungsblatt" Nr. 163 gestanden, mit der Bitte, ihm einen Platz in der Allgemeinen Zeitung des Judcnthums zu gewähren. Ein Bau von dem Umfang und der Schönheit, von der Bedeutung, wie die unlängst nach feierlicher Einweihung dem Gottesdienste übergebene Synagoge, verdient wohl mit einer größeren Ausführlichkeit beschrieben zu werden, als solches bisher geschehen; denn da ist gewiß Keiner, den diese Zierde hiesiger Stadt nicht mit Bewunderung erfüllt, auf den die Harmonie in den Verhältnissen und die Eonsequcnz des Styls nicht den wohlthnendsten und erhebendsten Eindruck, in dem die Anschauung des neuen Tempels nicht den Wunsch nach dessen Geschichte rege gemacht. Schon seit Jahrhunderten stand auf der Stelle der gegenwärtigen eine Synagoge, die im Verlauf der Kriegscreigniffe, von denen Mannheim heimgesucht wurde, verschiedene Veränderungen erlitt. Der im Jahre 1851 zum Abriß gekommene Bau war 1691 und später aufgcführt worden, aber den Bedürfnissen der Gemeinde nicht einmal räumlich angemessen und lud in seiner Unschöne keineswegs zum Besuche des Gottesdienstes ein. Im Juli 1851 wurde der Neubau der Synagoge in Angriff genommen und steht nun fertig und vollendet da. Dis auf die kleinste Verzierung herab treu dem byzantinischen Styl, steigt der großartige Bau in einer Höhe von mehr den 70' empor. In einer Länge von 60' erstreckt sich das Schiff des Tempels bis zum heiligen Schrein. Die Breite des Schiffs beträgt 30'; die Decke bildet zwei gleiche Kuppeln, deren Wölbung durch Blau mir Gold geschmückt ist. Auf Bogen und Säulen ruhend, zieht sich um das Schiff die geräumige Galerie , gleich dem übrigen Mauerwerk aus gehauenem Sandstein gefügt. Die Säulen, nach Maßgabe der Zchngebote zehn an der Zahl und massiv aus schwarzem Marmor von Nassau-Diez, zeichnen sich außer der Schönheit des Materials ganz besonders auch durch ihre antik-byzantinischen, würfclartigcn, mit angemessenen Emblemen verzierten goldgerändertcn Capiräler aus. Die Wände sind mit goldverzicrten Arabesken - Fresken, ähnlich wie beim Speyerer Dom, bemalt. Der Boden besteht aus einer Mosaik von Solnhofcr Stein, jener der Estrade vor dem heiligen Schrein aus Marmorplattcn von schwarzer und weißer Farbe; der Schrein selbst ist aus karrarischem Marmor und ungefähr 30' hoch. Die Fenster bestehen zum Theil aus Glas mit milchfarbigem Schliff, zum Theil aus bunt gefärbtem. Die Candelabcr sind aus Dronce und vergoldet, Schniywcrk und sonstige Holzarbeitcn nebst der Orgel sämmtlich massiv von Eichen. Das Ganze ist gediegen, prächtig, ohne Uebcrladung. Der Bauplan rührt von dem im Februar 1853 in Heidelberg verstorbenen Bauinspector Lcndorsf her, unter dessen Leitung der Bau unter Dach kam. Architekt Lang, welcher unter Lendorff die Bauaussicht leitete, setzte diese unter Professor Eisenlohr in Karlsruhe fort und übernahm solche, als auch jener starb, selbstständig vom Sommer 1853 bis Herbst 1854. Trotz des öfter» Wechsels in der Bauleitung herrscht doch überall die vollkommenste Harmonie und cs bilden die einzelnen Thcile ein schönes Ganzes, dessen Herstellungskosten bei aller Großartigkeit doch auf kaum 90,000 Fl. veranschlagt sind. An der Ehre der Ausführung im Einzelnen bctheiligten sich nachstehende auswärtige und hiesige Kräfte; die heilige Lade aus karrarischem Marmor rührt her von Porzelt und Harparath in Cöln, die Fresken-Malerei von 36

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