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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-02 · Heft 36 (2.9.1855) · p. Seite 464

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 36 (2.9.1855)
Date
1855-09-02
Page
Seite 464 (sequence 8)
Language
German
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464 ich nach langer Unterbrechung den Faden meiner Correspondenz wieder aufnehme. Aber was habe ich Ihnen denn mehr als von der schon so oft erwähnten RecrutirungSfrage zu berichten, die in bunter Abwechselung meine spärlichen Berichte verschiedenartig färbt. Glücklicherweise bin ich dermalen im Stande, Ihnen wenigstens Erfreuliches melden zu können. Man kam nämlich auf den glücklichen Gedanken, sich in dieser Angelegenheit mittelst einer Deputation an den Sultan zu wenden. Und eS wurde auch wirklich durch Protection Reschid Pascha'S ein großherzoglicher Ferman erwirkt, der die Recrutirung momentan verbot, und auch den Schenkwirthen auf den Dörfern zu wohnen erlaubte, ohne daß sie die darauf bezügliche Taxe zu zahlen haben. Es war aber schon wirklich die höchste Zeit, daß diese Frage einer solchen Lösung zusteuerte, denn der Mißbrauch, der darin größtentheils auch von unsern Glaubensgenossen getrieben wurde, war so zu sagen grenzenlos. Als Beispiel diene Ihnen Folgendes. Zu Foltischeng nämlich, wo die Vorsteher, genannt, größtentheils aus den — verzeihen Sie mir diesen gewiß ungeistreichen Calembourg — hauts voleurs gebildet werden, fanden sich erwähnte Herren veranlaßt, die Gemeinde nach Gutdünken durch Auftreibung von Geldern zu brandschatzen, von deren Zweck sie aber selbst keine Rechenschaft geben konnten, der aber kein anderer war, als einen Theil davon nutzlos zu verschwenden, und den Rest feenhaft verschwinden zu machen. Sie schreckten sogar nicht in ihrem falschen Eifer zurück, ihre Hand nach der Kranken-Kasse auszustrecken. L. F. Türkei. Paris, im August. Die Arch. isr. de Fr. sprechen sich mit großem Lobe über die ausgezeichnete Art aus, in welcher die französischen Soldaten jüdischen Glaubens sich im Oriente benehmen. Sie sagen: daß im fremden Lande und vor dem Feinde die israelitischen Officiere und Soldaten in sich mit größerer Kraft als jemals den religiösen Geist erwachen fühlen; sie erinnern sich der Regungen ihrer Kindheit, gedenken ihrer Familie, fühlen, waS ihr Glaube Sanftes und Tröstendes hat, sie sterben mit Gebet, oder begleiten mit Gebet die sterblichen Reste ihrer Kameraden; die Irreligiösesten sind es nicht mehr in der Krimm. , Ein junger Mann voll großer Zukunft, Herr Gustav Seligmann, Lieutenant bei den Voltigeurs der Kaisergarde, hatte so eben das Commando über feine Compagnie an der Stelle feines gefallenen CapitainS genommen, als er von einer Bombe getroffen und sofort getödtet ward. — Ein anderer Glaubensgenosse, ebenfalls aus Nancy, Herr Blum, gleicherweise Lieutenant bei den Voltigeurs der Kaisergarde, ist zum zweiten Male an dem Malakoffthurme verwundet worden; er empfing schon vor einiger Zeit die Ehrenlegion. — Unter den Personen, welche der General Pelisfier in seinem Tagesbefehle vom 14. Juli hinsichtlich deS grünen Mamelon auszeichnet, bemerkt man Herrn Lambert von Metz, Oberarzt beim 4. Bataillon der Jäger zu Fuß; er ist verwundet worden, und hat für sein gutes Benehmen die Ehrenlegion erhalten. Hingegen bezeichnen die Arebires mit sehr harten Ausdrücken die Gleichgültigkeit, welche die eingeborenen Israeliten, namentlich zu Konstantinopel, gegen die dort verwundeten oder gefallenen Glaubensgenossen beweisen, und welche von Neuem den Geist der Unwissenheit und Indolenz bestätigt, den wir bereits in diesen Blättern so oft schon charakterisirt haben. Zwar hat der Uoivers israelite die Konstantinopolitanischen Juden zu glorificiren gesucht, ohne aber mehr als ein mitleidiges Lächeln dafür geerntet zu haben. Nordamerika. Clevelaud, Ohio, 30. Juli. (Privatmitth.) DaS Interessanteste auf hiesigem jüdisch-theologischen Gebiete ist, daß im October d. I. eine Rabbinerversammlung hierorts statt haben wird. Hauptgegenstände der Berathung werden sein: 1) die Revision und Umgestaltung deS Schulchan Aruch (außer dem Chosch. Mischp.); 2) die Feststellung eines Minhag Amerika und Aufhebung aller anderen Minhagim; 3) die Bildung eines ConfistoriumS. Isidor Kalisch, Rabb. (Wir haben das Stattfindensollen einer solchen Rabbinerversammlung schon längst auS dem „ksraelite" ersehen. Wenn wir dieselbe nun alS ein Zeichen des Lebens und SrrebenS, als ein sich Rüsten zu kräftigem männlichem Werke würdigen und rühmen, so hegen wir jedoch die Meinung — und man wird unS eine solche gestatten müssen — daß die oben , angegebenen BerathungSgegenstände nicht unglücklicher

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