Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1855)
- Date
- 1855-09-02
- Page
- Seite 463 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225968--14812-3300493- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
463 wenigstens einmal im Jahre ins Gedächtniß rufen wollen, daß sie einer Religionsgesellschast angehören; aber auch diese Indifferenten würden für das Judenthum und feine Interessen wieder erwärmt werden, wenn ihnen Gelegenheit geboten würde, auf eine nicht allzu kostspielige Weise einem geordneten, erbauenden Gottesdienste beizuwohnen. WünschenSwerth wäre eS demnach, wenn der von der Brüdergemeinde gefaßte Beschluß, einen neuen Tempel zu bauen, recht bald zur Ausführung käme und dann die von den Mitgliedern zu entrichtenden Geldbeiträge niedriger gestellt würden. Gleiwitz, im August. (Privatmitth.) Am Ende deS vorigen Monats wurde in unsrer Nachbargemeinde Ratibor das 25jährige Amtsjubiläum des dortigen Rabbiners Herrn Loewe, der diese ganze Zeit über in dieser Gemeinde gewirkt hat, feierlichst begangen. Außer silbernen Pokalen und anderen Geschenken und Adressen wurde dem Jubilar am JubiläumStage eine sehr anerkennende Adresse von Seiten des dortigen Magistrats durch eine Deputation überreicht. Hätte die hiesige Gemeinde, wie die anderen Gemeinden Oberschlesiens, früher Kennlniß von dem Jubiläum gehabt, so würde sie sich gewiß an der Feier in irgend einer Weise betheiligt haben, da Herr Loewe, obzwar noch in den besten Jahren stehend, nicht nur der älteste Rabbiner unserer Provinz, sondern auch der hervorragendste bezüglich seiner talmudischen Gelehrsamkeit und seiner anderweitigen theologischen und philosophischen Bildung ist und während seiner Amtsführung manche Gemeindezwistigkeiten als Präses eines zusammenberufenen ■p*1 rva in unserer Provinz geschlichtet hat. Er war eS auch, der, obwohl streng orthodox, in Oberschlcsien daS Gotteswort in deutscher Sprache zu predigen und somit den Geschmack an dem Bessern wach zu rufen begonnen hat. Möge der Jubilar, der wie durch seinen Scharfsinn und seine Gelehrsamkeit, so auch schon durch seine imposante äußere Erscheinung den Juden unserer Provinz zur Zierde gereicht, einst auch daS 50jährige Amtsjubiläum in unserer Mitte feiern. — Wundern müssen wir uns, daß in dieser Zeitung noch nicht über die großartige höhere jüdische Bürgerschule referirt worden, die hier ins Leben gerufen wird. So wenig wir es lieben, wenn die Juden selbst eine Scheidewand zwischen sich und ihren christlichen Brüdern errichten, so sehr müssen wir dennoch dies Unternehmen unserer Gemeinde, dem diese mannichfache Geldopfer bringt, loben, da in den Schulanstalten deS Staates die jüdische Religion durchaus keine Berücksichtigung findet. Für daS gute Gedeihen dieser Schule, die aus 6 Classen bestehen soll, bürgt unS schon der Umstand, daß der eines bedeutenden europäischen Rufes sich erfreuende Lericograph Herr Di*. Freund auS Breslau, der jeder Universität zur Zierde gereichen würde, als Direcror für die Anstalt gewonnen wurde. Außer demselben sollen noch der in Naturwissenschaften und Mathematik ausgezeichnete Herr vr. GinSberg aus Beulhen, der bereits im Jahre 1839 sein Oberlehrereramen und im Jahre 1848 sein Probejahr im Gymnasium zu Ratibor zurückgelegt hat, und ein Theologe Herr vr. Poppelauer auS Berlin nebst drei Elememarlehrern an der Anstalt wirken. Die Schule wird bereits mit dem nächsten Winter-Semester eröffnet und mit ihr soll sich zu Ostern k. I. eine höhere Mädchenschule verbinden. — Möge Gott auS dieser ihm gewiß wohlgefälligen Saal segensreiche Früchte hervorsprießen lassen. Großbritannien. London, 4. August. Die nächste Lordmayorswahl fällt dem AlterSrange nach auf Alderman Ealomons. Es wäre der erste Jude, der diesen Ehrenposten bekleidet, und man glaubt nicht, daß sich gegen seine Wahl eine namhafte Opposition erheben wird. Rußland. Petersburg, 5. August. Zu den, die Verbesserung der bürgerlichen Lage der Juden in Rußland bezeugenden Nachrichten gehört auch folgende: Der Kaiser hat auf Vorlage deS Finanzministers und in Betracht der häufig vorkommenden Fälschung und Defraudation von Getränken, den Juden das Recht entzogen, in Schänken, welche sich im Umkreise von zwei Werst jeder Stadt befinden, Gelränkehandel vom Jahre 1857 ab zu Treiben. Douaafürstenthümer. Aus der Moldau, Mitte August. (Privatmitth.) ES wird Ihnen gewiß nicht unangenehm sein, wenn