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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-09-02 · Heft 36 (2.9.1855) · p. Seite 458

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 36 (2.9.1855)
Date
1855-09-02
Page
Seite 458 (sequence 2)
Language
German
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458 Bohrt kühlend sich der Tropfen ein. Der aus der Wolke zart und klein; Da weilt er sicher vor dem Fall, Bis Frost ihn wandelt zum Krystall, Dann dehnt der Strahl ihn schmelzend aus, Und plötzlich sprengt er mir, o Graus, Die Wunde klaffend in die Brust, Der einst entrollt der Steine Wust. Mich weht die Luft so schmeichelnd an. Wenn sie bald lau um's Haupt mir rann, Bald meine starke Kraft erprobt, Da fie im Sturm mich wild umtobt; Zch lächle stolz — doch sticht fie leis Mir tausend Nadeln list'ger Weis' Tief in die Haut, und sticht und sticht. Bis mir die Oberfläche bricht, Verwittert auseinanderstäubt, Und Moos und Tanncnwurzeln treibt. Und innen? — in der dunkeln Nacht, Da lebt des Feuers Schreckensmacht — Die einst empor mich riesig hob. Und mir ein Kleid aus Wolken wob. Sie schwillt von Zeit zu Zeit herauf. Bricht sich durch mein Gebein den Lauf, Und schleudert mir das Eingcweid' In Asche bis zur Ebne weit.... Die Wolke flicht, der Sturm tobt aus. Das Feuer kehrt in's finstre Haus — Wenn lichter Strahl mein Haupt umscherzt, Wer weiß cs, was mich innen schmerzt? 3ch. Wohlauf, mein Fels, das ist das Leben — Genommen wird, wem viel gegeben — Mit Deinen Trümmern baut die Welt Sich weithin steinernes Gezelt, Baut Straßen, Städr' und hohe Mauern, Die ihre Bauherr'n überdauern. Baut ihrer Häuser festen Grund Und ihrer Brunnen tiefen Mund; Der Marmor, Deinem Schooß entrungen, Der Meißel ist an ihm erklungen. Bis er an fernen Meeres Strand Zu Säul' und Capital sich wand. Nicht Deines Hauptes stolzes Ragen Kann seinen Blick so weithin tragen. Wie Dein Geröll und Dein Gestein Sich fügen in der Werke Reih'n. Ob Frost Dich sprengt, Luft Dich verwittert, Die Flamme innen Dich erschüttert, Doch stehst Du sicher, ein Koloß, Und überragst der Berge Troß; Und ob sich Deine Gipfel neigten. Da die Jahrtausende erbleichten, Und ob geheimnißvoll ein Spruch Der späten Zukunft zu Dir trug: „Einst wird Dein Haupt sich niederstrecken, Zur Fläche werden alle Recken, Die ganze Erde eine Au Voll Licht, voll Duft, voll Morgenthau" — Laß Deine Gipfel austvärtsstreben, Schau, auch in Dir webt Gottcsleben, Was er Dir lieh, sollst Du verleih'n, Dis dahin wirst Du Felsen sein. Was dort im Schooße der Natur ich schaute. Was fie mir da geheimnißvoll vertraute. Dir ist es Glcichniß, Juda — der Geschichte, Durch die Dich führte Gott in seinem Lichte. Das wärest Du, ein Felsen, mächtig ragend. Und bist es noch, wenn oft auch in Dir zagend. Hoch über aller Mcnschenstämme Höhen, Die um Dich kommen, um Dich untergehen. Ja, Wolk' und Blitz und Frost und Gluth ertrugen Dein Haupt und Fuß, und ob die Flammen schlugen Aus Deinem Innern, daß die Wände wanken: Du standest fest in Deines Seins Gedanken. Fast einer Ewigkeit auf Erden Zeugniß, Dich beugte nicht der Zeiten Sturmerzeugniß, Nicht Völkerflucht, nicht der Aeonen Wühlen, Ob Alterthum und Mittelalter fielen. Ob was so fest auf „Felsengrund" sich wähnte In weiten Rissen auseinandergähnte: Du standest fest! — Wenn vor der Zeiten Toben Block' und Geröll Dir aus den Flanken stoben — Schau, Baustein' wurden fie der Menschheit Walten Zu nützlichem und cdelem Gestalten, Darauf die Welt sich die Gesellschaft baute, Und ihre Werke sich erheben schaute. Zu festen Bahnen, wohlummau'rten Quellen, Zu Wohnungen, den sicheren und Hellen; So gingen fie der ganzen Erde Pfade Bis zu des Weltmeers weitestem Gestade.

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