Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1855)
- Date
- 1855-08-27
- Page
- Seite 454 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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454 gelbild seines inner» Seins finden können. Die Verfasserin sagt hierüber ganz richtig in ihrem Vorworte: „Ein Mann, wenn er noch so gelehrt und groß sein mag, kann sich doch nicht in alle Lagen und Verhältnisse der Frauen versetzen, kann doch nicht so leicht in die verborgensten Windungen des weiblichen Gemuthes dringen, um auf die Töne seiner zartesten Saiten zu lauschen und ihnen dann durch das lebendige Wort einen Ausdruck zu geben: wahrend die Frau nur in ihr eigenes Herz zu blicken braucht, um in den Herzen ihrer Schwestern zu lesen, nur ihre eigenen Erlebnisse sich vergegenwärtigt, um all deren Leiden und Freuden mit zu empfinden." — Bei gegenwärtigem Erbauungsbuche tritt noch der Umstand hinzu, daß die meisten darin enthaltenen Gebete ursprünglich nicht für die Veröffentlichung niedergeschrieben wurden, sondern nur um einem augenblicklichen Drange, einem wirklichen Empfinden Ausdruck zu geben, wodurch eine um so frischere Gefühlsströmung darin bemerkbar ist. „In meinem von den mannigfachsten Ereignissen reich durchwirkten Leben", lesen wir hierüber im Vorworte, „ward es mir gar oft zum unentbehrlichen, mächtigen Bedürfnisse, mit dem erhabenen Weltgeist, der so hoch thront und so tief niederschaut, Zwiesprache zu pflegen, um bei ihm die Einsicht und die Kraft zu finden, auf dem Pfad meiner gar oft schwere Opfer heischenden Pflichten nicht zu wanken und nicht zu weichen. Derart entstanden die meisten der vorliegenden Gebete. In ihnen fand ich den Moses-Stab, der aus dem dürren Fels eines traurigen Geschickes den Born erhebender Gefühle und himmlischer Tröstungen mir hervorrief, die Jakobsleiter, auf der die Engel der Geduld, der Hoffnung und der Gottergcbenheit mir vom Himmel niederstiegen." Wie in den hier citirten Stellen des Vorwortes ist in dem ganzen Buche die Sprache edel, weich, dem Ohre schmeichelnd, ohne gerade phrasenhaft zu werden, und dürfen darum um so eher den Weg zu dem weiblichen Herzen finden. Den gesummten Gebeten geht „Ein Wort an die edlen Mütter und Frauen in Israel" voran, worin die Verfasserin gesunde und beherzigenswerthe Ideen über „die Erziehung unserer Töchter" entwickelt; jedes einzelne Gebet hingegen trägt einen passenden Bibelvers an der Stirne. Den Schluß bilden drei gut gewählte Gedichte von vr. Rießer, L. Liber und aus Jolson's „Schire Jeschurun". Die äußere Ausstattung ist eine sehr gefällige und der Preis nicht höher, als 12 Sgr. Möge die Verfasserin, die jugendliche Wittwe eines jüngst verstorbenen höchstwürdigen Rabbiners, in einer weiten Verbreitung des Buches reichlichen Lohn für ihre Mühe finden. Rabbiner vr. Landsberger. Anzeigen. J53T Die israelitischen Institute in Dresden für Knaben sowohl wie für Mädchen gebildeter Eltern, sind zur Aufnahme neuer Zöglinge fortwährend fituirt, und ertheilt jede beliebige Auskunft Die Direction derselben M. Schwarzauer. Nekrolog. Benefchau (Böhmen), im Juli. (Privatmitth.) Am 5. b. M. begleiteten wir einen um die hiesige israelitische Gemeinde hochverdienten Mann zu Grabe. ES war dies der Gründer und Chef des HandlungshauseS „Samson Frank und Sohn" und israelitischer Gemeinde- und Synagogenvorfteher, Herr Samson Frank. Als Sohn wenig bemittelter Eltern, die er früh verlor, vertrat er bei seinen verwaisten Geschwistern Vaterstelle, bis sie versorgt waren. Seine erste Jugend verlebte er auf der Prager Jeschiba, wo er bei seinen ercellenten Talenten bald auch bedeutende profane Kenntnisse sich erwarb. Diese, in Verbindung mir einem unermüdlichen Fleiße waren eS, die seine Firma zu einer der renommirlesten auf dem Lande erhoben. Als Gemeindevorsteher zeigte er, wie weit es auch kleine Gemeinden bei gutem Willen bringen können, wenn sich ein Mann findet, der diesen anzuregen und zu benutzen weiß. Im Jahre 1837, als die Gemeinde durch Zwietracht zerfallen war, ergriff er daS Ruder, und feiner Energie und Umficht gelang es bald, den Frieden herzustellen. Darauf schritt er zum Bau der Synagoge, die längst verfallen war, ohne Hoffnung auf eine Möglichkeit, sie wieder herzustellen. Bei dem Zutrauen, das fein Genie einer SeitS und seine Redlichkeit anderer Seils einflößten, brachten die Gemeindeglieder willig jedes Opfer. Schon begann der Bau, als ein Nachbar einen Proceß um den Bauplatz anhängig machte, den er mit solchem Nachdrucke führte, daß nur ein Frank im Stande war, ihn durchzuführen Er vertrat die Gemeinde in eigener Person durch alle Instanzen, und nachdem nach und nach nicht weniger als 11 Urtheilssprüche gefällt waren, siegte die gerechte Sache, und der Bau der Synagoge und des Schulhauses wurde ohne alle Hülfe von Außen schon 1846 vollendet. 1849 führte er eine Synagogenordnung ein, die Würde und Anstand in den Gottesdienst brachte. Hierin wurde er von Herm