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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-27 · Heft 35 (27.8.1855) · p. Seite 450

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 35 (27.8.1855)
Date
1855-08-27
Page
Seite 450 (sequence 8)
Language
German
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450 meiner Behauptung, der uns um so mehr auf die Gefahren, die uns von der Partei der Know-nothings her bedrohen, aufmerksam machen sollte, als der berüchtigte californier Judenfeind Stowe ein Mitglied der Partei ist. Von den jüdischen Staatsmännern hat bis jetzt nur Einer, Col. PH. Philips, Mitglied des Repräsentantenhauses zu Washington, die Partei öffentlich bekämpft, und — der Jude — die Katholiken vom christlichen Standpunkte aus gegen ihre christlichen Feinde vertheidigt*). Von unfern jüdischen Zeitschriften hat bis jetzt nur der Asmonean die Partei der Juden gegen diese Fanatiker vertheidigt. Ich selbst habe schon vor mehreren Monaten in einer Predigt über 3 M. 24, 22. auf die für uns Juden drohenden Gefahren hingewiesen; mein College, S. Jacobs, Prediger an der orthodoren Gemeinde hiesiger Stadt, soll vor etwa drei Wochen dasselbe gethan haben. Daß die Juden hiesiger Stadt im Allgemeinen die Sache richtig, d. h. im ächt-jüdischen Sinne, auffassen, geht aus dem Umstande hervor, daß das hiesige Organ jeder fanatischen Partei es für nöthig fand^ am 30. Juni letzthin folgende Erklärung zu veröffentlichen: „We hear that an altempt has becn made lo impress our fellow citizens, the Jews, witli ihe belief that the American party**) are disposed to proscribe Iheir religious opinions and worship. It is ulterlv false. Some of the leaders of the party are Jews, and throughout the Unites States there are thousands of Jews in the Order. Thev stand with us as equals and brothers in every respect.“ Hoffentlich werden sich unsere Glaubensbrüder durch solche Erklärungen nicht blenden lassen. Können jüdische Führer und Mitglieder ihre Glaubensbrüder gegen Verfolgung und Proscription, wenn cs einmal dazu kommen sollte, schützen? Konnte Avravanel, der doch am Hofe Ferdinands und Jsabella's angesehen war, seine Brüder gegen die Macht der regierenden Kirche schützen, und deren gänzliche Vertreibung aus Spanien *) Es mag wohl nicht uninteressant sein, zu bemerken, daß dieser wackere Kämpe für Gleichheit und Recht der Sohn eines Deutschen, Aaron Philips aus Mannheim, und in hiesiger Stadt gebürtig ist. Letzterer war mit dem seligen Jsaac Harby (Jost und seine Abschreiber nennen ihn Hartley, so wie sie Charlestown statt Charleston schreiben), Gründer der jüdischen Reform in hiesiger Stadt, und dadurch von ganz Amerika; denn von hier aus gingen alle Reformen im Judenthume für Amerika aus. — **) Diesen besser klingenden Namen haben die Knownolhings seit Kurzem adoptirt. abhalten? Doch hoffen wir, daß e8 nicht so weit kommen wird. Denn es ist doch wohl unmöglich, daß eine Pattei, welche auf Intoleranz gegründet ist, vom Fanatismus gestützt wird, und nur durch Proscription erhalten werden kann, auf dem freien Boden Amerika's lange bestehen kann, obgleich sie jetzt die Oberhand zu haben scheint. Das Gift der Zwiettacht hat schon an ihrem Lcbensfaden genagt, — die Sclavenfrage hat sie in zwei unversöhnliche, unvereinbare Hälften gespalttn. — Hier könnte ich nun auf die Beleuchtung eines anderen Punktes in Ihrem betteffenden Arrikel, wo Sie über „das Sclavenrecht, d. h. Sclavenunrecht" sprechen, eingehen, da ich im Hauptsclavenstaate Nordamerika's lebe, und wohl einige Kenntnisse von der Sache habe. Ich will jedoch die Sache übergehen, da sie nicht von particulairjüdischem Interesse ist. Nur so viel sei hier bemerkt, daß, wenn man in Europa nach eigener Anschauung, und nicht nach eingesogencn, oder selbstgefaßten Vorurthcilen, oder nach den verleumderischen Behauptungen nordischer Fanatiker urthcilte, man sicherlich ganz andere Meinungen aussprechen, und eingestehen müsse, daß das Institut der Sclaverci, so sehr es auch principiell angegriffen werden kann, und aus falscher Philanthropie bekämpft wird, doch eine Wvhlthat ist; wenigstens kennen die „südlichen Provinzen von Nordamerika" den Pauperismus nicht, unter dem unser Norden gleich Europa so schrecklich leidet. Ich würde alle Diejenigen, welche sich ein richtiges Uttheil über diese Frage aneignen wollen, auf S. 181 —193 des 10. Bandes der „Gegenwart" von Brockhaus verweisen.*) Dr. M. Mayer, Prediger an der portugiesischen Reformgemeinde dahier. So sehr wir dem geehrten Herrn Correspondenten für diese Zuschrift verbunden find, so ersieht man doch aus derselben, daß unsere Befürchtungen nicht ohne allen Grund find, und daß es immerfott auch in Amerika der auftnerksamsten Acht bedarf. Die Redaction. Pas Institut zur Förderung der israelitischen Fiteratur. Nachdem mit dem 1. August c. der Subscriptionstermin definitiv geschlossen, werden alle Subscttbenten, *) Aber wenn nur die fürsorglichen Gesetze der heiligen Schrift hinsichtlich der Behandlung der Sklaven geltend wären! Redact.

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