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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-27 · Heft 35 (27.8.1855) · p. Seite 449

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 35 (27.8.1855)
Date
1855-08-27
Page
Seite 449 (sequence 7)
Language
German
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449 Ausschließung der Fremden von allen Aemtern?" Dieser Frage kann ich ein einfaches Nein! entgegenstellen. Denn bis jetzt sind noch keine ausschließenden oder beschränkenden Gesetze gegen Fremde erlassen worden. Wahrscheinlich haben Sie „Beschlüsse" einer politischen Partei, die aber noch keine Gesetze find, im Auge gehabt. Seit etwa zwei Jahren nämlich hat fich unter dem mysteriösen Namen „Koorv-notluogs" „Nichtswisser", eine geheime politische Partei gebildet, deren Streben anfangs dahin gegangen sein soll, der immer mehr überhand nehmenden Macht katholischer Geistlicher, und den Uebergriffen der katholischen Kirche in die politischen Angelegenheiten der Bereinigten Staaten einen Damm entgegcnzusetzen. Es kann nicht geläugner werden, daß die Fremden, und besonders die katholischen Irländer (die auf einer sehr niedrigen Stufe der Bildung stehen, und daher leicht zu irgend welchen Zwecken zu benutzen find), angehetzt von einigen Geistlichen, viel zur Korruption in unfern politischen Verhältnissen beitrugen, und so Len llno^v-ootliiogs eine starke Waffe gegen fich selbst in die Hand gaben; es kann ferner nicht gcläugnet werden, daß seit einiger Zeit die höhere katholische Geistlichkeit, mit dem Erzbischöfe Hughes in New-Bork an ihrer Spitze, fich solch offener Eingriffe in Staatsangelegenheiten erlaubten, daß man es nur zu deutlich sehen konnte, wie es auf die Gründung einer Leclesia äorninans auch in diesem Lande abgesehen sei; und es war also natürlich, daß man darauf auszehcn mußte, das Uebel in seiner Geburt zu ersticken. Aber in diesem Streben ging man bald zu weit, und verfiel in Fanatismus und Intoleranz. Unter der Devise: „Americans only shall govem America“, nahm man den Grundsatz auf, alle Katholiken, ob fremd oder eingeboren, so wie die eingcwanderten Bürger ohne alle Ausnahme, von jeglichem Amte und der Ausübung des Stimmrechtes auszuschließen, und die Verfassung dieser Republik so viel wie möglich „protestantisch" zu machen. Daß eine solche fanatische Politik für uns Juden, ob eingcwandcrt, oder eingeboren, von unberechenbarer Gefahr ist, muß wohl jeder Kenner der Geschichte eingestehen. Denn Sicherheit in Bezug auf unsere Rechte haben wir nur in dem Staate zu erwarten, der gänzlich von der Kirche getrennt ist; hat einmal eine bestimmte Kirche, welchen Namen sie auch immerhin tragen möge, fich eine ausschließende politische Gewalt verschafft, so übt fie dieselbe immer zur Unterdrückung Andersglaubender aus; und wir Juden find nie die Letzten, welche diese Gewalt fühlen müssen. Es ist erstaunenswerth, wie Juden das nicht einsehen, und fich jener Partei anschließen*); wie fie fich von der Meinung beirren lassen, daß ihre GlaubcnSbrüder nur in katholischen Ländern unterdrückt seien, und vergessen, daß auch einige protestantische Länder Juden eben nicht besser behandeln, als katholische. Wohl mögen auch Andere, die dies einsehen, es unpolitisch finden, mit der Partei zu brechen, und lieber ihre Brüder verrarhen, als ihrem unedlen Ehrgeize Gewalt anzuthun und dessen heiße Wünsche zu unterdrücken. Denn, leider! die meisten politisch hochstehenden Juden unserer Republik tragen nur noch den Namen, haben aber alles Gefühl und Interesse für Juden und Judenthum verloren, find aller Kenntniß ihrer Geschichte und Religion baar geworden, und bekennen fich dann nur noch als Juden, wenn es gilt, fich der Abschaffung irgend eines alten, verrosteten Gebrauchs entgegenzusetzen**). Und doch sollten Alle auf der Huth sein; denn auch in diesem freien Lande herrscht das gräßlichste Vorurthcil gegen unser Volk, das nur durch unsere Verfassung nicdergehalten ist, aber, wo und wenn immer möglich fich tharsächlich erweist. Ich will nur ein Beispiel ansühren. In den Collegien dieses Staates (Süd - Carolina) besteht das illiberale und unconstitutionelle Gesetz, daß alle, also auch die jüdischen Studenten, das Christenthum studiren und zur Kirche gehen müssen, und nur auf eine specielle Petition an den akademischen Senat hier dispcnfirt werden können, in welchem Falle jedoch fie alle Rechte auf akademische Ehren einbüßcn. Ich selbst habe schon im vorigen Jahre diese Intoleranz und Ungesetzlichkeit in einer Predigt berührt, und letzten Winter im Occideni besprochen; und dennoch haben die beiden jüdischen Mitglieder unseres Staats-Senates es noch nicht der Mühe wcrth gefunden, die Sache auch nur zu berühren. Die Geschichte in St. Francisco, die Sie in derselben Nummer 22. Ihrer Zeitung berichten, ist ein anderer Beweis *) Der erste Gründer dieser Partei soll sogar ein Jude sein, Herr Levin im Staate Pcnsylvanicn. **) Klingt es nicht beinahe unglaublich, wenn ich Ihnen sage, daß der Hon. D. H. Hart. Mitglied unseres Repräsentantenhauses zu Washington, fich der Anstellung eines Predigers an der orthodoren portugiefischen Synagoge zu New-Uork, als einer Neuerung entgegensetzte? Leider! ist die Partei der Neu-Orthodorie unter den Juden Nordamerikas die vorherrschende, und unerträglich unverschämt in ihrer Ignoranz und Heuchelei. Wäre Ihr geistreicher Correspondent Lt. von Berlin mit den hiesigen jüdischen Verhältnissen bekannt, so würde er finden, daß die Partei der Neu-Qrthodorie seiner Vaterstadt nicht allein steht: '272DN nrtn onn ba

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