Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-20 · Heft 34 (20.8.1855) · p. Seite 439

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 34 (20.8.1855)
Date
1855-08-20
Page
Seite 439 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225931-3225966--14786-3300465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

43» Gegenwärtig haben unsere Glaubensgenossen in Palästina und namentlich in Hebron wiederum außer, ordentlich viel zu leiden. Wahrhaft herzzerreißend ist der Bericht hierüber, welcher sich in einem in hebräischer und englischer Sprache in der Jews Chronicle enthaltenen Schreiben aus Hebron befindet. ES wird darin nämlich mitgetheilt, wie der grausame Scheich Abd el Rahman, nicht zufrieden mit dem Raube, den er an einem Jeden begeht, der sich in der Umgegend HebronS sehen läßt und mit den Verheerungen, die er an Weinbergen, Bäumen und Feldern anrichtet, auch noch die Wege unsicher macht und die Bewohner an der Ernte hindert, so daß die Theuerung bereits eine außerordentliche geworden, die für die Juden um so empfindlicher ist, als sie, die der Tyrann ganz besonders haßt, sich aus Furcht vor einem Angriffe fortwährend türkische Wächter halten müssen, waS ihnen bedeutende Kosten verursacht. In dankbarer Anerkennung wird hierbei daS Benehmen des österreichischen und englischen ConsulS erwähnt, die ihnen zwei Soldaten zum Schutze gesandt haben. Außer den Gewaltthaten aber, die der genannte Scheich an den Juden verübt, verlangt er noch von ihnen eine Summe von 30,000 Piastern, die sie um so weniger erschwingen können, als ohnehin die Steuern, die sie in diesen kriegerischen Zeiten zu bezahlen haben, schwer auf ihnen lasten. Auch Solame, der Bruder des Scheichs, der an einen gewissen Bechor Aschkenasi, welcher seiner Armuth wegen nach Jerusalem übergesiedelt ist, eine Forderung von 15,000 Piastern zu haben vorgiebt, verlangt diese Summe jetzt von der deutschen und portugiesischen Gemeinde in Hebron und bedroht sie mit dem Tode, wofern sie ihm das Geld nicht zustellen. In dieser ihrer Noth wenden sie sich an die Gebrüder von Rothschild und an Sir MoseS Montefiore, wie an alle angesehenen Juden mit der Bitte um Hülfe; namentlich möchte dahin gewirkt werden, daß ihre entsetzliche Lage dem gnädigen und milden Sultane Abdul Medschid zu Ohren komme, der ihnen gewiß Abhülfe würde zu Theil werden lassen. Auf literarischem Gebiete habe ich Ihnen von hier aus mitzutheilen, daß von dem die biblische Münzkunde behandelnden Werke Cavedonis: blumismatiea biblica o dia dichiarzione delle monete antiche, hier so eben eine von dem Oberappellationsrathe von Werlhof verfaßte Ueberfetzung erschienen ist und daß von unserer Ausgabe des 8clievet debuda der zweite Theil, die deutsche Ueberfetzung nebst Einleitung enthaltend, bereits unter der Presse sich befindet und in Kurzem ausgegeben werden wird. 0r. M. Wiener. Preußen. Dortmund, 8. August. (Eingesandt.) Heute trat ein Katholik, dem Handwerksstande angehörend, zur jüdischen Religion über. Herr Joseph Herzberg auS Hattingen fungirte als Mohel. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im August. Nicht ohne Bedeutung ist eS in diesem Augenblick, wenn eS in einem „ein Blick nach Innen" betitelten Artikel der „Oester. Ztg.", welcher die weitere Ausdehnung der baldigen Einlösung der Grundentlastungsobligationen auf Ungarn, dann die baldige Erlassung des Gemeinde- und Gewerbsgesetzes berührt, zum Schlüsse heißt: „Der Grundsatz von der freien Strömung des Capitals ist allgemein anerkannt, und doch dauert allzulange ein Provisorium, welches Capitalien in Händen israelitischer Unterthanen vom Realirätenkaufe ausschließt. Wir wollen hiermit nicht das ganze Plaidoyer über die Confessionsfrage durchmachen, sondern wir verlheidigen nur daS gute Recht und den Nutzen des Christen, dessen Grundbesitz ansehnlich im Werthe verliert, wenn man so einen bedeutenden Theil der auf den Bodenbesitz sich werfenden Capiralien von der Concurrenz ausschließt. Der Boden selbst wird gewiß nicht an Errragssähigkeit unter den Händen der Juden verlieren. Die schlechten Grundstücke und verrotteten Maierhöfe, welche denselben pachtweise von großen Grundbesitzern überlassen wurden, haben sich allenthalben unter ihrer Bearbeitung zu einer Ertragsfähigkeit gehoben, die sie gewöhnlich mit einer Steigerung des Pachtzinses oder mit der Rücknahme der Pachtung bezahlen mußten. Allerdings begegnet man in Galizien mancherlei Uebelständen. Der dort lebende Israelit, weil hinter feinen Glaubensgenossen in andern Kronländern zurückstehend, erscheint so sehr moralisch und physisch verkümmert und herabgekommen, daß man von nicht geringem Widerwillen erfaß! wird, eine solche Individualität in eine bessere Gemeinsamkeit hereinzuziehen. Aber dieses ästhetische Gefühl kann 34**

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.