Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1855)
- Date
- 1855-08-20
- Page
- Seite 437 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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437 tragen, eingegeben, und er selbst habe ihr die Wunden, die sie an den Armen und Händen vorgezeigt, beigebrachl. Die Unschuld des Herrn Ravenna wurde demnach anerkannt, er wurde sogleich frcigrsprochen, zur großen Befriedigung des ganzen Landes, mo er allgemein geliebt und geachtet ist; Juden wie Christen waren gekommen, um ihn beim Herausgehen aus dem Gesängniß mit allen möglichen Arten von Demonstrationen der Freude und des Antheils zu begrüßen. Da ist. Dank sei es der Vorsehung, die immer über die Kinder Jsrael's wacht, die aller Zeit dem Hasse und der Verfolgung Preis gegeben sind, die schwarze Kabale aufgedeckt, denn Kabale war es gegen Leben und Gut der Juden; aber ist es Politisches, Revolutionaires, Religiöses, ist es Fanatismus oder Neid, die dieses höllische Complot geschmiedet? Die Verhandlungen, die darüber bald eröffnet werden, werden vielleicht das schauderhafte Geheimniß zu Tage bringen. Was das Betrübendste bei dieser Sache ist, daß, so gespickt mit Unwahrscheinlichkeitcn und Abgeschmacktheiten diese Fabel, deren Quelle, deren Erfinder und Ziel man noch nicht kennt, auch ist, doch so viele Leichtgläubige gefunden hat, selbst unter den sogenannten höheren Classen, die daran glaubten oder doch zu glauben Vorgaben, und hie und da eine gewisse Dolksaufregung hcrvorbrachte, die, obgleich nur momentan, doch nicht weniger gefährlicher war und die anfing, sich durch dumpfe Drohungen, durch Schrecken erregende Reden, und selbst durch einige Thatsachen Luft zu machen, die aber allsogleich durch die Unparteilichkeit und die weise Energie der Regierung erstickt wurden. Die politischen und gerichtlichen Behörden haben bei dieser Gelegenheit einen über alles Lob erhabenen Eifer entfaltet. Dieser glückliche Ausgang hat die Leiter dementirt, die jetzt ihren Coup verfehlt sehend, fich in Versicherungen der Unglaublichkcir ergehen; die Krifis ist vorüber, aber sie hat uns die schmerzliche Gewißheit hinterlassen, daß alle unsre Anstrengungen, die Liebe unsrer Mitbürger zu gewinnen, an der Bosheit, dem Vorurthcil und der Eifersucht scheitern. Es würde sehr weitläufig sein, wollte man alle die verschiedenen Meinungen auftählcn, die fich bei dieser Gelegenheit über die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit dieses Attentats, welches einem Juden zuzcschrieben und von da auf alle Juden, wie gewöhnlich, und von da auch auf ihre Religion übertragen worden, kund gegeben. Der Eine stützte fich auf die Bibel, der Andere auf den Talmud, ein Dritter sagte, daß vielleicht unsre Bücher nichts über diese blutigen Ccremonien enthalten, sondern daß dies Dinge seien, die man nicht niederschrcibe, sondern durch Tradition überliefere; ein Vierter, und dies ist die Meinung der Gemäßigtsten, oder vielleicht der Listigsten, schreibt sie nicht der ganzen jüdischen Nation zu, sondern einer geheimen Secte, die fich in ihrem Schooße verberge und deren Jünger man nicht kenne. Aber was wollte man mit dem Blute? Ostern und das Ungesäuerte war vorüber! Wohlan, man bedurfte dessen, um den göttlichen Zorn zu besänftigen, um die Cholera zu entfernen, um den Mcsstas kommen zu machen!!! Und dies geschah in einem der aufgeklärtesten Länder, im Jahre 1855!!! *** Zeitungsnachrichten. Palästina. Gaben für die Armen in Jerusalem. Fünf Thlr. von Herrn Simon Lilienfeld in Lippstadt durch Herrn Cantor L. L i p p e r in . Lichten au. Von den Herren Vorstehern Salomon Hinrichsen und I. Löwenberg in Wahren: 20 Thlr. Bon Herrn I. Spier als 'por: 'xmz aus Sinzig und Zissen: 2 Thlr. Von Herrn Joseph Löwe aus Krotoschin 1 Thlr. Die Redaction. Beirut, 10. Juli. Die beiden zuletzt hier eingetroffenen Dampfer hatten viele Israeliten, sowohl aus dem türkischen Reiche als aus Europa an Bord, welche nach Jerusalem übersiedeln. (Trieft. Z.) Deutschland. Worms, im Juli. (Privatmitth.) Zur Renovation der hiesigen Alterthümer ging an Beiträgen ferner ein: von Herrn N. N. in Ca mm in 65 Thlr. (wovon 64 Thlr. 5 Sgr. für die Grabsteine und 25 Sgr. für die übrigen Alterthümer bestimmt sind), und von Herrn Dr. Beer in Dresden 3 Thlr. Hierzu laut Nr. 23. d. Bl. 2118 Fl. 55 Zcr., zusammen 68 Thlr. und 2118 Fl. 55 Xt.j Summa: 2237 Fl. 55 i'r. — I Der erste Spatenstich zur Renovation der Raschicapelle geschah am 12. d. M., und hoffen wir, daß dieselbe bis vV'-nn rtb renovirt sein wird; wir werden 34