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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-20 · Heft 34 (20.8.1855) · p. Seite 436

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 34 (20.8.1855)
Date
1855-08-20
Page
Seite 436 (sequence 8)
Language
German
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436 4) Ihrem geachteten, weit verbreiteten Blatte steht es am Besten zu, diesen Zrrthum zu berichtigen, nicht allein im Interesse der Wahrheit und zur Beruhigung aller Freunde Jsrael's, sondern auch zur billigen Anerkennung der Frcisinnigkeit und Gerechtigkeit unserer Verfassung und Regierung." — Die Rcdaction der Allgemeinen Zeitung des Judenthums versichert dem „Isrselite" herzlichen Dank, indem sie bemerkt, daß die gedachte Nachricht, die wir mit Stolz dementirt sehen, durch alle deutsche Zeitungen gegangen war. Aus Oberitalien, 3t. Juli. Ich habe bis jetzt gezögert, Ihnen über die Einzelnheitcn der finsteren Angelegenheit, von der ich Ihnen oberflächlich in meinem letzten Schreiben vom 3. Juli gesprochen, zu berichten, um erst deren Entwickelung abzuwarten. Hier folgt, was geschehen. Am 29. Juni dieses Jahres führte ein Frauenzimmer vor dem Magistrat von Badia, einem Flecken in Polesine, einer venctianischen Provinz, Klage, daß am 17. desselben Monates um 10 Uhr des Morgens ihre Nichte, eine junge Bäuerin von 18 Jahren aus der Gegend von Padua, in einen Laden cingetreten sei, um Stecknadeln zu kaufen; der Kaufmann, ein Jude, habe sie in ein kleines Zimmer im Erdgeschoß eingcschlossen, und sie darin, trotz ihres Schreiens, bis gegen 3 Uhr des folgenden Morgens fcstgehaltcn. Um diese Zeit habe man sie in einen Wagen gebracht, der mit zwei Männern und einer Frau so eben angekommen sei, und der nach einer langen Reise von 19 Stunden in eine große Stadt einfuhr (sie wußte nicht welche, man glaubte Verona oder Mantua) und vor einem großen Hause anhielt, wie sie bemerken konnte, nicht weit von einer Brücke gelegen, von wo aus man viele schöne Aussichten genießt, mit einer großen rochen Pforte, einer Auffahrt von Marmor und einer breiten Treppe, auf der drei Personen bequem neben einander Platz haben konnten. Dort in ein Zimmer geführt, fand sie ein kleines Mädchen von ungefähr 10 Jahren vor, das weder Vater noch Mutter kannte, ausgestreckt und fast ohnmächtig auf einem Sopha lag, mit vielen Wunden an den Schläfen. Alsbald ließ man ihr an diesen Stellen mehrere Pfund Blut ab, und in so großem Maße, daß man mehrere Becken damit anfüllte, die man hinaus trug, und als sie darnach in Ohnmacht gesunken, gab man chr mehrere Mal zu essen; sie würde die Narben der Wunden, die man ihr beigebracht, vorzeigen. Einige Zeit darauf trat ein christlicher verabschiedeter Diener in das Zimmer ein, in dem sie sich befand, benachrichtigte sie, daß sie sich bei Juden befände, und schlug ihr vor, ihre Flucht zu begünstigen, ein Anerbieten, von dem sie allsogleich Gebrauch gemacht. Sie sei darauf in die Straße hinabgcstiegen, eben so wohl wie ihre Unglücks - und Leidensgefährtin, von der sie sich von da ab getrennt, und einem Kärrner begegnend, der sie auf seinen Wagen nahm, ließ sie sich nach Legnago fahren, von wo aus sie nach zwei oder drei Tagen nach Badia zu ihrer Tante zurückkam. Auf diese beschworene Aussage wurde Herr Ravenna, der besagte Israelit, in Haft genommen. Es versteht sich von selbst, daß diese Erzählung durch das Uebclwollen einerseits als durch die Unwissenheit und die Liebe für das Außergewöhnliche andererseits noch sehr an noch fremdartigeren und unglaublicheren Umständen gewachsen war; man sprach von einem Rabbinen mit langem, weißem Barte, und von einem anderen jungen Rabbinen, der der Operation bcigcwohnt, mit der Wage in der Hand, um das Blut zu wiegen, das man zum Stillen brachte, sobald das verlangte Gewicht voll war. Die Frau, die das Opfer begleitete, war verschleiert, die Männer verkleidet und maskirt. Aber die Wahrheit blieb nicht lange verborgen. Das zu dieser Märtyrer-Rolle ausgesuchte Mädchen, die, wie man sagt, ein abschreckendes Aeußere hat, und keineswegs eine Jungfrau, sondern im Gegentheil eine Proftituirte ist, war schon der Lüge, Verleumdung, des Meineides und des Diebstahls auf dem Markte überführt. Die Entlastungszeugen haben ausgesagt, daß das Local, in dem sie am 17. behauptet cingeschloffen gewesen zu sein, während des ganzen TageS am 17. Juni von den Commis des Herrn Ravenna nicht verlassen worden; daß die Klägerin die Tage ihrer vorgeblichen Gefangenschaft (17. bis 25. Juni) im Dienste des Communal-Agenten von Legnago zugebracht, von wo sie am 25. verschwunden sei, einen Shawl und mehrere andere ihrem Herrn gestohlene Gegenstände mit sich nehmend, welcher Herr sich auch mit unter den aussagcnden Zeugen befand. Vor diesen unwiderleglichen Zeugnissen, die ihre Festnahme bewirkten, wurde die Unverschämte, die bis dahin hartnäckiger Weise auf ihrer Anschuldigung bestand, verwirrt; sie verlangte einen Beichtiger, gestand den Diebstahl, die Lüge, den Meineid; sie sagte, der Kärrner, der sie nach Badia zurückgefahren, habe ihr die Fabel, die sie mit so vielem Nachdruck und so vieler Sicherheit vorge-

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