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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-20 · Heft 34 (20.8.1855) · p. Seite 435

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 34 (20.8.1855)
Date
1855-08-20
Page
Seite 435 (sequence 7)
Language
German
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435 Mehr als feie Liebe zur Maid, o pflege zur Gattin die Liebe, Wie sie aus ewigem Born fließt, nicht aus vergänglichem Triebe, „Liebe, stark wie der Tod, wie Unterwelt mächtig im Eifer, Gottesflamme ihr Feuer, nicht vor des Sturmes Geifer, Nicht vor der Fluth der Gewässer fliehend, nicht käuflich dem Reichen, Füllt' er mit Gold ihr das Haus, er müßt' ihrem Spotte erbleichen!" — Beug' in Liebe Dein Haupt vor Deiner Erzeuger Geboten, „Wahr' wie des Halses Schmuck die Lehre, die sie Dir entboten". Laß ihre Schatten Dich stets in heiliger Weihe umschweben. Daß fie im heißesten Kaurpfe fichernden Frieden Dir geben. — „Lieblich ist es und fein, wo Liebe wohnt unter Brüdern," Wo sie fich Hülst in der Noch und Eintracht im Leben erwiedern, Ach, das ist Thau in der Dürre, Balsam auf blutende Wunden, „Und der Segen des Herrn und Leben wird da befunden " — Aber die lauterste Liebe, das ist die Lieb' zu den Kindern — Nicht wird die Menge der Tage, nicht der Mühen fie mindern; Wirst vor das Kind fich die Mutter muthig dem Tiger entgegen. Müht fich der Vater im Sturm, in Frost und in strömendem Regen, Sehen fich beide verklärt in Sohnes Streben und Ruhme, Haben ihn beide geführt die Pfade zum Heiligthume! — Solche Liebe verkünd' ich, fett’ fie im Lied und durch Thaten; Ueber die Länder zerstreut, streu' überall ich solche der Saaten, Nicht den Großen allein, des Wissens und Geistes Fürsten, Sondern unwissendem Volk, so nach Erhebung fie dürsten. Führet auch Sturm nach Sturm mit Wuth den Samen von dannen. Bricht er die Schößlinge ab, die kaum erst Wurzel gewannen. Welkt er die Blüthen aus, bevor fie fich lieblich entfaltet, Reißet die Früchte vom Stamm, bevor fie fich kräftig gestaltet — Dennoch sprießet der Baum, deß Krön' in die Himmel fich recket, Dessen Laubwerk beschattend über die Erde fich strecket, Bis er, der wahrhaften Liebe Baum, in ewiger Dlüthe Ueber der Erde steht — vorüber der Stürme Gewüthe! „Dann fitzt Jeglicher unter seinem Oelbaum und Rebe", Und es rufet die Liebe über den Erdkreis: Lebe! So sang der stemde Sänger, auS Juda's Stamm entsprungen, Doch hartt er nicht des Kranzes, als er das Lied gesungen — Im Innern schau'rt es bangend den Hörern durch die Seele, Doch tönt kein Ruf des Beifalls aus geistbewegter Kehle. Leitende Artikel. Harzburg, 12. August. Wichtige Nachrichten. Cincinnati, im Juli. Die No. 2. des „lsraelite" enthält folgenden Attikel: „An den Redacteur der Allgemeinen Zeitung des Judenthums. In einer der letzten Nummern Ihres unschätzbaren Blattes war die Nachricht enthalten, daß die Regierung der Vereinigten Staaten mit der Regierung der Schweiz einenVerttag eingegangen sei, nach dessen für die Israeliten dieses Landes ungünstigen Bestimmungen, Letztere von den Rechten, welche unfern christlichen Mitbürgern durch die Vertragsrechte zugefichert find, ausgeschlossen seien. Wir bitten Sie, diesen Jrrthum durch folgende Gründe widerlegen zu wollen: 1) Wir befitzen eine Mittheilung des Staatsministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, versehen mit der Unterschrift des Chefs des Departements, Gouverneurs W. L. Marcy, datirt Washington, den 5. Juli 1855, wonach bis zum heutigen Tage von dieser Regierung kein Vertrag mit der Schweiz abgeschlossen sei, noch abgeschlossen sein könne, indem der Congreß jetzt keine Sitzung halte. 2) Die Regierung kann und wird niemals mit irgend einer Macht auf Erden einen Verttag abschließen, durch welchen ein Theil unserer Bürger von Vorrechten ausgeschlossen würde, welche der andere Theil genießt. 3) Der Verttag mit einer fremden Macht zu Gunsten unsrer fich zum Christenthume bekennenden Bürger würde auch derjenigen Zahl unsrer Mitbürger nicht zu Gute kommen, welche, obgleich keine Juden, doch auch keine Christen find.

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