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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-20 · Heft 34 (20.8.1855) · p. Seite 434

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 34 (20.8.1855)
Date
1855-08-20
Page
Seite 434 (sequence 6)
Language
German
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434 Ach, die Liebe, die diese Welt hat geschaffen und schaffet, Leine Opfer dem Tode giebt, sie dem Tode entraffet, Liebe, die nicht um den Einen die Andren alle befehdet, Um den Garten zu bauen, ganze Länder verödet. Sondern Alle umschließet mit des Herzens Gefühlen, Mit des Geistes Gedanken, mit dem gewaltigen Willen, Liebe, allein in des Menschen Brust von Gott eingesenket, Unbegrenzt, unerschöpflich, göttlichen Wesens durchtränket — Diese Liebe, gefaßt in Worte, hat Gott uns verkündet, Wie sie die Seelen durchwehet, Menschenherzen umwindet, Einmal im Geiste begriffen, wachsend im Gange der Zeiten, Einstens die Fackel des Krieges löscht, und verdränget das Streiten, Daß um die höchsten der Ziele nur im edelsten Ringen Thaten der heiligen Liebe all die Menschen vollbringen. — Hoch aufflamme die Liebe, Gott umfassend, verwegen, „Liebe den Ew'gen mit ganzem Herzen und Seel' und Vermögen!" Geist, in der göttlichen Werke Mitte berausch' Dich der Gnade — Jauchz' empor, wenn Du schauest seines Geschickes Pfade — Wenn Du in dunkelen brächten bangest voll Sehnsuchtsschauern, Wenn fich die Thräne Dir löset sanft nach bitterem Trauern, Wenn die Hoffnung Dir flammt gleich blitzender Morgensonne, Wenn Dich Entzücken durchbebt, errungenen Glückes Wonne, — Dann durchströme Dich Liebe, fasse und trag' Dich zum Vater, Deines Befitzthums Geber, Deiner Sehnsucht Berather! Ja, für Gott Dein Leben, nimmer von Ihm zu weichen, Nimmer Ihn zu verläugnen, sollst Du auch qualvoll erbleichen — Aber nicht um Andren aufzudrängen den Glauben, Mit gcröthetem Schwerte Leben und Freiheit zu rauben!.... Aber liebest Du Gott, so liebe auch all seine Kinder, „Liebe wie Du Dich liebst den Nächsten!" nicht mehr und nicht minder. Schau, sie Alle an Gott den gleichen Antheil besitzen, Alle, weß Glaubens sie seien, zu der Unsterblichen Sitzen Kommen, des göttlichen Spruches harrend ob Dem was sie thaten; Allen klopfet das Herz, von gleichen Schmerzen berathen, Allen dieselbigen Kämpfe, selbige Nöthen und Freuden, Allen ein Kommen, ein flüchtiges Sein und ein baldiges Scheiden. Ach, nicht Haß sollt' sie trennen, sondern Liebe vereinen, Daß sie wie ein Geschlecht voll süßen Friedens erscheinen. Daß nicht die Einen fich über all die Andren erheben. Um fich den eitlen Traum von Rcichthum und Herrschaft zu weben. Daß fich über die Erde blut- und seufzergettänket Breitet ein düsteres Netz, auf Gute und Böse gesenket. Laß voll Liebe zum Menschen schwellen die fühlende Seele, Und mit kräftiger Rechte handle nach ihrem Befehle — Hilf wo Du kannst, und eile, wo es fich bietet, zu retten. Strebe dem eifrig nach, nicht fern von der Leidenden Statten; Gieb von der Habe den Zehnten, von den Feldern die Ecken, Laß des Bedürftigen Hände nicht vergebens fich strecken; Nicht den Diener verachte; für die Wittwe und Waise Gen den Mächtigsten streite — All Dies thue — und leise, All Dies thue mit Lust, von welchem Volke entsprossen Auch die Bedürftigen seien, welchen Glaubens Genossen, Alle find Gottes, und wurden was sein Rathschluß beschieden. Nicht nach Satzung und Grenzen Seiner Liebe geschieden. Darum streb' für die Menschheit, sei auch die Kraft Dir geringe, Daß die Achtung der Tugend auch die Schlimmsten bezwinge. Daß der Streit und der Haß und die wilde Gier fich mindern, Und der Friede fich mehre unter Gottes Kindern, „Daß das Schwert und die Lanze Sichel und Pflugschar werden. Und die Völker vergessen Kricgeskünste auf Erden!" Daß jedwedes Volk in seinen Grenzen geachtet, Keins mehr unter dem Huf des Erobrers fich krümmend verschmachtet; Daß nicht Redner, nicht Sänger, nicht der Spruch der Geschichte Fürder Ruhmesgesang an Helden der Schlachten richte! — Baust Du die Hütte Dir dann, so wohne die Liebe dar- Wach' an der Schwelle und stütze, auch im Sturme, die Zinnen.

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