Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1855)
- Date
- 1855-08-20
- Page
- Seite 433 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225966--14780-3300459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
433 Zum fernen Ost der Gläub'gen -Heer, Die heil'gen Stätten zu bewahren. Laß Weib und Kind! Ob Zähre rinnt, Zum Gotteskampf gen Ost! Das heil'ge Grab uns zu gewinnen, Wie auch der Sturm der Schlachten tost. Wie auch die Ströme Blutes rinnen! Der Ritter fieht's. Und mächtig zieht's Für seinen Gott zum Streit — Im Blut des Feindes fich zu baden. Dem sei fortan sein Schwert geweiht, Bis einst es rückkehrt stegbeladen. Im fernen Ost, Wo Schlachtkampf tost. Da that er große Thal — Er mäht die Heiden wie ein Schnitter, Bis nach dem heil'gen Grab den Pfad Geöffnet fich der Gottcsritter. Da finkr er hin Mit frommem Sinn Und todesmattem Leib — Der letzte Segen seinem Sohne, Der letzte Seufter seinem Weib, Und seinem Haupt die Siegeskrone. Es ragt das Schloß Wohl fest und groß, Wo weilt der Ritter sein? — Itzt stehr's verödet und verlassen, Nur Wais' und Wittib ziehen ein, Zum Schutze Gott nur überlassen. Und wie die Minstrels also, die Troubadours gesungen, Da har ein Jeder Beifall in Fülle fich errungen, Die Herzen find gehoben, der Hörer Augen glänzen, Und schöne Hände strecken fich aus mit Blumenkränzen. Da tritt ein fremder Sänger hervor mit seiner Leyer, Und richtet hoch empor fich und blicket frei und freier. Ein Meistersänger ist es, im Land gen Ost entsprossen, Er grüßet fein den Grafen, er grüßet die Genossen, Und greift zu mächt'gcm Klange rief in die Silbcrsaitcn — Es tönt wie nie vernommen, wie Sang aus fremden Weiten. Der Sänger aus Juda. Hold klingt das Lied der Liebe Aus tiefem Herzensgrund, Nachfingt's des Jünglings Lippe, Nachfingt's der Jungfrau Mund, Und alle Herzen füllt es, Und alles Sehnen stillt es, Es wandelt wild Verlangen Zu süßen Glückes Bangen. Hoch klingt das Lied der Treue Von tapfrer Heldenthat, Und wie zum Fürst die Liebe Nicht wankt auf ihrem Pfad, Es hebt die Rechte muthig. Es hebt das Schwert so wuthig. Zur Schlacht führt's ohne Wanken, Und feiert die da sanken. Hehr klingt das Lied vom Glauben, Der eine Welt erfüllt, Wie's in des Glaubens Liebe So unerschöpflich quillt — Er will die Erde lassen, Dafür den Himmel fassen, Und was ihm scheint dawider. Kämpft er, sei's sterbend, nieder. Doch bist Du's nicht selbsteigen Was Du im Mägdlein liebst? Dem Du Dich in dem Fürsten, Als der Dich trägt, ergiebst? Und ist cs nicht Dein eigen, Als Heil was zu erreichen Du in dem Glauben strebest, Auf daß Tu ewig lebest? Drum ist es wildes Kämpfen, Worauf cs läuft hinaus. Und für die kurze Wonne Kommt Streit und Schlacht und Graus — Kurz blüh'n die holden Rosen, Die Dich mit Duft umkoscn, Doch ihrer Dornen Spitzen Dich immer blutig ritzen.... Drum eine andere Liebe bin ich gcsender zu künden, Liebe, die Frieden bereitet, Frieden in Höhen und Gründen,