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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-20 · Heft 34 (20.8.1855) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 34 (20.8.1855)
Date
1855-08-20
Page
Seite 431 (sequence 3)
Language
German
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431 Aber fort und fort und weiter. Bald als Führer, bald als Streiter. Um des Lebens Zugendsäume Holde Träume — Durch des Lebens Mannesblüthen Sturmeswüthen — Hüpfend dort durch die Gedanken Zephyrgleich; Aber hüben ohne Schwanken Schmerzenreich. Und des Lebens Luft ist Liebe, Die deS Busens Odem schwellt, Kühlend in das Herz ihm fällt, Oder glühend durch die Adern wellt. Lieb' ist Klang, Lockend wie die Nachtigall, Oder wirbelnder Lerchrnsang, Oder brausender Sturmesschwall- O, so töne, Lust, Klinge, Liebe! Oed' ist Menschenbrust Ohn' euren Schmerz, ohn' eure Lust, Ohn' eu'r Wallen und Rauschen — Laßt unS euren Tönen lauschen! Der dritte Minstrel. Droben am Himmel die Wolke schifft, Tragend die Wasser in dem Schooße, Daß ste Segen hinuntertrieft Auf die Scholle, die kleine und große, Ach, die dürstende Erde zu tränken, Schmachtenden Leben zu schenken. Drunten im Thale das Bächlein quillt. Sprudelnd Gewässer, filberklarcs. Daß es der Glühenden Lechzen stillt, Leben speiset, wunderbares — Wie es strömt immer tiefer und breiter, Segen spendend weiter und weiter. Um den Erdball wallet das Meer, Ewig gewaltigen Rundgang rauschend, Trägt die mächtigen Kiele daher. Ruhig deS Steuers, Segel bauschend. Voll der Wesen von Küste zu Küste, Lebenwimmelnde Wasserwüste. Wo das Leben, ist Flüssiges — Nur der Tod ist starr — Wie es strömt, Abschüssiges — Horch' und harr': Da schäumt es heran. Stürzt und strecket das Haupt, Schlägt über, gischt und staubt, Bis vorüber die Welle rann. Im Blüthenkelch und am Halme Blitzet der Thau Auf der Au; Zn der Berge Qualme Dunstet und nebelt es auf; Nimmt den Lauf Durch die engen Röhren der Pflanzen, Durch die Adern der Thiere zu tanzen, Bis in des Menschen Hirn Gedanken zu verwirr'n. Und die Liebe? Dicht am Himmel wie Wolke schifft fie dahin, Tief aus dem Spalt des Herzens quillt sie empor, Wie das brausende Meer umwallt fie das Sein und den Sinn, Zn daö Starre treibt fie das Leben und sprudelt's hervor. Siehst Du den funkelnden Thau auf der Au? Ach, so funkelt die Lieb' am Halme des Lebens — Nur die Liebe schäumt voll Trutzes und Bebens, Treibet die Blüthen der Pflanzen, Machet sieden das Blut und tanzen. Dunstet und nebelt bis in des Menschen Hirn Gedanken zu verwirr'n. Ach! wie die Wolke strömet die Liebe den Segen hernieder, Sprudelt Labsal herauf wie silberne Quelle, Unerschöpflich und tief wie des Meeres Welle — O so ströme die Liebe wieder und wieder. Daß fie nimmer versiege Von der Wiege Dis zum Grabe — Ach, die Dürstenden, Schmachtenden labe, labe! Die drei Minstrels. Liebe, leuchtest wie Sonnenlicht, Sink in das Her; uns Strahlendicht! Liebe, wehest wie Himmclsluft, Dräng' in das Herz uns seligen Duft! Liebe, tränkest wie Wasserquell, Ström' in das Herz uns silberhell — Strahle, säusle, schäume — Wahrheit und Träume! 34*

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