Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1855)
- Date
- 1855-08-20
- Page
- Seite 430 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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430 Gar Manche find darunter, die hohen Ruhm errungen, Und deren süße Lieder von Meer zu Meer erklungen — Zn stillen Mitternächten beim Mondesschein ersonnen. Am Hellen Tag gesungen zu jedes Hörers Wonnen — Doch ihnen selbst war's kundig, wie oft getäuscht daS Hoffen, Die höchste Kunst zur Stunde das Rechte nicht getroffen. Zum Dritten Hörnerschallen — und Alle harrend schweigen — Und in der hehren Stille beginnt der Sänger Reigen. Der erste Minstrel. Licht ist das All — Allüberall, Durch die blaue Wölbung des Himmels, Aus der Ferne des Sternegewimmels Sttömet das Licht — Und im Felsenspalt Und im dichten Wald Woget es dicht. Und wo Licht, ist das Leben, Steigen und Fallen, Drängen und Schweben; Licht — und es schwindet die Nacht, Und der Trost ist gebracht, Düstren Geistes nicht mehr gedacht, Und die Freude erwacht! Licht ist die Liebe — Wogend durch aller Lebendigen Herzen, Sttahlend von brausender Lust, Sttahlend von süßesten Schmerzen, Aber auch in der Jungfrau Brust, In des Jünglings Gemüth — Wie er kämpft — sie flieht — Aber beide schauen Und bauen Tief im Herzen der Liebe Altar, Höher als aller Wesen Schaar. Und wo Lieb', ist das Leben, Steigen und Fallen, Drängen und Schweben; Lieb' — und des Kummers Nacht Schnell verjagt, Und das thränende Auge lacht. Und die süße Lust erwacht. O, so komm, Licht, Erscheine, Liebe! Wenn das Herz wie Nacht so trübe: Leuchtet durch das Dunkel dicht, Wölbet einen blauen Vogen, Von des Glückes Sonn' umzogen! Der zweite Minstrel. Von den Wellen der Luft getragen, Schwebet der Erdball durch den Raum, Bald ihn lullend in süßen Traum, Bald hinwirbelnd auf Sturmes Wagen. Zephyr fächelt Wangumhüpfend, Zephyr lächelt Rosumschlüpfend, Kühlt die Gluth, Duftesfluth Um die heiße Sttrne breitend, Rascher durch die Locken gleitend. Von den Bergen rauscht der Sturm, Mächtig krache er durch den Wald, Um die Hütte, um den Thurm Prüft er seiner Kraft Gewalt — Doch dem Sturme steht der Mann, Seine Faust hält die Standarte: „Brause um die hohe Warte, Kämpfend folg' ich — nur voran!" Lust ist Klang — Auf, Dein Sang, Nachttgall, Wiederhall Im Gebüsch Duftig ftisch, Mondesschein Blitzt darein — Aber wirble hoch, o Lerche, Ueberm lichten Wolkenberge, Wenn der Morgenröthe Flammen Schießen purpurglüh'nd zusammen! Droben, drunten Aller bunten Wesen Summen, Zirpen, Brummen — Lautlos ist allein der Tod!- Lust ist Liebe — Denn die Liebe trägt das All Hoch empor und tief zum Fall,